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GewerkschaftIG-Metall-Chef von Baden-Württemberg gibt Amt auf

Roman Zitzelsberger hat seinen Rückzug vom Amt angekündigt. Er will sich anderen Aufgaben außerhalb der Gewerkschaft widmen.Martin-W. Buchenau, Frank Specht 30.11.2023 - 14:25 Uhr

Berlin, Stuttgart. Wer Roman Zitzelsberger in der Vergangenheit als Chef der IG Metall in Baden-Württemberg erlebt hat, der weiß, dass er für seine Aufgabe brannte. Doch nun scheint es, dass der 57-Jährige sich zu ausgebrannt fühlt, um den Job weiter zu machen. 

Nachdem er sich im Frühjahr schon selbst aus dem Rennen um einen Spitzenposten im IG-Metall-Vorstand genommen hatte, will Zitzelsberger nun bis Ende März nächsten Jahres auch die einflussreiche Bezirksleitung in der Metaller-Hochburg Baden-Württemberg aufgeben. So habe er es bei der Sitzung der Großen Tarifkommission am Donnerstag angekündigt, teilte die Gewerkschaft mit. 

Nach IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, der beim Gewerkschaftstag im Oktober aus Altersgründen nicht erneut kandidiert hatte, geht damit nun bei der IG Metall ein zweiter erfahrener Tarifpolitiker von Bord. Zitzelsberger hatte Ende 2022 noch den jüngsten Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie ausgehandelt.

Nach zehn Jahren als Bezirksleiter habe er sich nach reiflicher Überlegung entschieden, ein neues Kapitel aufzuschlagen, führte Zitzelsberger vor den Mitgliedern der Tarifkommission aus. Im April hatte der Badener gesundheitliche Probleme als Grund dafür angeführt, dass er nicht mehr für einen Spitzenposten im Bundesvorstand kandidieren wolle. 

„Seit dem Frühjahr ist viel passiert und mir wurde das hohe Gut der Gesundheit sehr bewusst“, zitiert die Gewerkschaft aus einer persönlichen Erklärung Zitzelsbergers. Er habe die Kraft und Widerstandsfähigkeit zurückerlangt, um auch härtere Stürme gut zu durchstehen. Er sei „durch einen intensiven Denk- und Reifeprozess gegangen“ und zu dem Schluss gelangt, nach einer Auszeit etwas ganz Neues zu beginnen. Was das sein wird, sagte der Gewerkschafter noch nicht.

Zitzelsberger ist erfahrener Tarifpolitiker

Zitzelsberger hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er gerne Jörg Hofmann als Chef der IG Metall nachgefolgt wäre. Doch im Rennen konkurrierte er mit der ersten weiblichen Kandidatin für den Chefposten, der Zweiten Vorsitzenden Christiane Benner, die im Oktober auch an die Spitze gewählt wurde.

Zunächst hatte es noch Versuche gegeben, Benner und Zitzelsberger in einer gleichberechtigten Doppelspitze zu installieren, die aber scheiterten. Als im Frühjahr der langjährige Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Peer-Michael Dick, in den Ruhestand verabschiedet wurde, ließ Zitzelsberger sich noch nichts anmerken. 

Kurz darauf kam die Nachricht, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für einen Posten im Bundesvorstand der IG Metall antreten wolle. Als Bezirksleiter habe er auch künftig eine große Aufgabe, die er gerne weiterführe, sagte er damals. 

Zitzelsberger ist ein erfahrener Tarifpolitiker, der in seiner Amtszeit als Bezirksleiter drei Pilotabschlüsse verhandelte. Darunter war der Tarifabschluss 2018, mit dem einzelne Beschäftigtengruppen eine Wahlmöglichkeit erhielten, anstatt Geld zusätzliche freie Tage zu bekommen.

Tarifpolitisch ging der begeisterte Handballer und Hobbykoch auch innovative Wege, etwa als er während der Coronapandemie in digitalen Warnstreikaktionen vor laufender Kamera seine Lieblingsrezepte nachkochte.

Mit 22 Laufbahn bei IG-Metall gestartet

Der gelernte Maschinenschlosser startete mit 22 Jahren seine Laufbahn in der IG Metall. Nebenbei schloss er Studien in Maschinentechnik, Betriebswirtschaft und Management ab, was ihm Rüstzeug auch für Aufsichtsratsposten bei Mercedes-Benz, Daimler Truck und dem Autozulieferer ZF Friedrichshafen einbrachte.

Bei ZF war er maßgeblich an den Zukunftstarifverträgen für die Transformation beteiligt, die eine stärkere Einbeziehung der Arbeitnehmerseite bei den Entscheidungen ermöglichen soll. Dem Vorbild war im Sommer auch Bosch für 80.000 Beschäftigte im Inland gefolgt.

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Den Nachfolgeprozess will die IG Metall Baden-Württemberg nun „unverzüglich“ einleiten. Eine Personalkommission, bestehend aus IG-Metall-Bevollmächtigten und ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen, werde dem Vorstand der IG Metall einen Personalvorschlag unterbreiten, teilte die Gewerkschaft mit.

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