Ladestation fürs E-Auto: So sparen Sie beim Wallbox-Kauf
Frankfurt, Düsseldorf. In der Vergangenheit war der Kauf eines Autos eine relativ einfache Sache. Oft spielten bei der Entscheidung nur wenige Faktoren eine Rolle: Welche Marke soll es sein? Welches Modell gefällt? Und was kostet es? Wer sich heute ein Elektroauto anschafft, muss hingegen viel mehr beachten – nicht nur beim Auto selbst, sondern auch beim Laden.
So ist für E-Auto-Besitzer in den meisten Fällen eine Wallbox empfehlenswert. Bei Kauf und Installation der privaten Ladestation gibt es allerdings viel zu beachten: Mit welchen Kosten muss ich rechnen? Welche Kapazität ist die richtige? Wo gibt es eine Förderung? Wann lohnt sich ein eigener Stromzähler? Experten beantworten die wichtigsten Fragen.
Wann ist eine Wallbox sinnvoll?
Eine Wallbox fürs Elektroauto oder den Plugin-Hybrid ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine Garage oder ein privater Stellplatz vorhanden ist. Denn sie bietet laut der Verbraucherzentrale NRW eine deutlich höhere Ladegeschwindigkeit als eine herkömmliche Steckdose.
Besitzer können ihr Elektroauto mit einer privaten Ladestation über Nacht – und dem Vergleichsportal Verivox zufolge meist über spezielle Tarife günstiger laden. Zudem gilt das Laden über eine Wallbox als sicherer als über Haushaltssteckdosen. Diese besitzen nach Angaben der Verbraucherzentrale bei hoher Stromlast ein Überhitzungsrisiko.
Was kostet eine Wallbox mit Montage?
Eine Wallbox kostet zwischen 400 und 1000 Euro. Diese Preisspanne erklärt sich durch die unterschiedliche Ladeleistung von Modellen. Je höher sie ist, desto teurer wird ein Gerät in der Regel. Für die meisten E-Auto-Fahrer dürfte allerdings eine Station mit 11 kW ausreichen. Gute 11-kW-Wallboxen gibt es für 500 bis 600 Euro.
Installieren dürfen Wallboxen nur Fachbetriebe. Das bedeutet zusätzlichen Montageaufwand von 400 bis 1500 Euro. Hier lohnt es sich, vorab Angebote einzuholen. Viele Hersteller bieten neben der Box gegen Aufpreis auch die Installation an. In Summe sollten E-Auto-Fahrer also Kosten von bis zu 2500 Euro für eine private Ladestation einkalkulieren.
Wie viel Förderung gibt es für Wallboxen?
Einige Bundesländer haben bislang die Investition in eine private Ladestation unterstützt. In Nordrhein-Westfalen gab es pro Wallbox 1000 Euro, wenn bereits eine Solaranlage auf dem Dach installiert ist. Wurde sie erst zusammen mit der Station angeschafft, gab es 1500 Euro. Derzeit ist das Programm ausgesetzt. Ob es demnächst wieder Geld gibt, ist offen.
Baden-Württemberg zahlte bis Ende 2023 über die L-Bank für ein Elektroauto einen Zuschuss von 1000 Euro an Privatleute. Für die Wallbox gab es noch mal 500 Euro dazu. Voraussetzung war allerdings, dass es bereits eine Photovoltaikanlage auf dem Dach gibt. Aktuell gibt es aber nur noch Fördergelder für öffentlich zugängliche Ladesäulen.
Außerdem kann es sich lohnen, seinen jeweiligen kommunalen Stromanbieter zu kontaktieren. Einige Versorger haben eigene Förderprogramme gestartet. Häufig handelt es sich hierbei um Pakete etwa in Verbindung mit einem günstigen Stromtarif. Auch einige Kommunen helfen den Bürgern bei Investitionen in die E-Mobilität.
Ob der Bund künftig noch Wallboxen fördert, ist derzeit unklar. Wie die Umweltprämie des Bundes für Elektroautos könnte auch die Wallbox-Förderung der staatlichen Bank KfW kippen. Weil nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts rund 60 Milliarden Euro im Haushalt für das Jahr 2024 fehlen, muss gespart werden.
Eigentlich sah der Bundeshaushalt für Wallboxen im Jahr 2024 einen Förderetat von 200 Millionen Euro vor. Für den einzelnen waren immerhin Fördergelder von bis zu 10.200 Euro möglich, wenn Wallbox, Solaranlage und Speicher gleichzeitig angeschafft wurden und bipolares Laden möglich war. Dabei wird Strom aus dem Auto zurück in das Haushaltsnetz gespeist.
Die Experten etwa des ADAC sehen keine großen Chancen, dass dieses Programm fortgesetzt wird. Wer aktuell eine Wallbox kaufen will, sollte deshalb besser nicht mit einer KfW-Förderung rechnen.
Wie viel kW sollte eine Wallbox haben?
Anders als viele öffentliche Schnelllader, werden private Ladestationen meist mit Wechselstrom betrieben. Grundsätzlich gibt es drei Typen von Boxen: Beim sogenannten einphasigen Laden beträgt die Leistung etwas schmalbrüstige 3,7 kW. Deutlich schneller geht das elektrische „Tanken“ mit dem dreiphasigen Laden. Hier beträgt die Leistung elf oder sogar 22 kW.
Matthias Vogt, Experte für Elektromobilität im ADAC Technik Zentrum in Landsberg am Lech, empfiehlt eine dreiphasige 11-kW-Wallbox. „Das reicht für fast alle Elektroautos mehr als gut aus. Nur wenige E-Autos können überhaupt die 22 kW nutzen.“ An einer solchen Säule kann ein gängiges Modell wie der VW ID.3 in sieben Stunden von 0 auf 100 Prozent laden.
Allerdings sollten auch die eigenen langfristigen Planungen vor Augen geführt werden. Ist es realistisch, dass in absehbarer Zeit ein Auto in den Fuhrpark kommt, das 22 kW unterstützt, und muss das Auto regelmäßig schneller geladen werden? Dann könnte sich die höhere Investition in eine solche sehr leistungsfähige Wallbox lohnen.
Die Auswahl bei den 11-kW-Boxen ist groß. Denn nicht nur unabhängige Unternehmen wie zum Beispiel der Druckmaschinen-Hersteller Heidelberg oder der Schweizer Konzern ABB bieten die Boxen an. Auch viele Autokonzerne haben die Ladestationen mittlerweile im Angebot, so etwa VW, BMW, Mercedes, Peugeot, Volvo, Hyundai und natürlich Tesla.
Was für einen Stromanschluss brauche ich für eine Wallbox?
Boxen mit elf kW Leistung haben laut Vogt vom ADAC einen Vorteil: „Wallboxen bis einschließlich elf kW müssen beim Netzbetreiber lediglich angemeldet, aber nicht explizit genehmigt werden, wie es bei einer 22 kW Wallbox der Fall ist.“ Das beschleunigt die Installation.
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„Wichtig ist, dass eine Wallbox nur von einer qualifizierten Elektrofachkraft installiert werden darf und beim Netzbetreiber angemeldet werden muss“, sagt Vogt. Zwar könne eine Wallbox prinzipiell auch an einer normalen einphasigen Stromleitung angeschlossen werden. Besser sei jedoch der dreiphasige Anschluss – auch Starkstrom genannt. „Dann kann sie die volle Leistung von 11 kW bereitstellen.“ Für den Stromanschluss von gängigen Einfamilienhäusern sollte die Leistung von 11 kW laut Vogt üblicherweise kein Problem sein. „Sollten mehrere Hausparteien sich einen Stromanschluss teilen, wird im Normalfall ein Lastmanagement notwendig werden.“
Ist Strom mit Wallbox billiger?
Wie viel Stromkosten E-Auto-Fahrer mit einer Wallbox sparen können, hängt von Verbrauch und Nutzung ab. Dem Vergleichsportal Verivox zufolge ist es für Alltagsfahrer meist günstiger, den Stromverbrauch der Wallbox über den normalen Stromzähler mit dem Haushaltsstrom abzurechnen. Dies empfiehlt auch der ADAC vor allem, wenn Besitzer ihr Auto privat und nicht mehr als 10.000 Kilometer im Jahr fahren.
Für den Fall mit einem Stromzähler für Haushalt und E-Auto bieten viele Energieversorger sogenannte Autostrom-Kombitarife an. Sie bieten neben günstigem Ökostrom etwa Mengenrabatte, Ladekarten für unterwegs oder Preisnachlässe beim Kauf einer Wallbox.
Wer mehr als 10.000 Kilometer jährlich fährt oder sein Elektroauto als Firmenwagen nutzt, für den kann sich ein zusätzlicher Stromzähler und ein Autostromtarif rechnen. Besitzer können nach Angaben von Verivox durch die getrennte Abrechnung 20 bis 30 Prozent der Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Tarifen sparen.
Über die separate Stromrechnung für die Wallbox können E-Auto-Fahrer Firmenwagenkosten zudem leichter direkt steuerlich oder beim Arbeitgeber absetzen.
Bei Autostromtarifen ist der Strompreis dem ADAC zufolge im Vergleich zu normalen Stromtarifen zwar oft günstiger. Kosten für den separaten Zähler können diese Einsparungen aber wieder aufheben. Für den zusätzlichen Stromzähler fallen laut Verivox eine jährliche Grundgebühr von im Schnitt 100 Euro und einmalige Installationskosten an.
ADAC und Verivox empfehlen E-Auto-Fahrern, zu prüfen, ob und ab wann sich ein separater Autostromtarif in ihrem konkreten Fall rechnet. Dies gelte vor allem, da durch gestiegene Netzentgelte 2024 allgemein Strompreiserhöhungen zu erwarten sind. Bei der Tarifauswahl sei daher auch eine Preisgarantie ratsam.
Wallbox-Installation: Was ist noch zu beachten?
Vogt vom ADAC weist auf eine wichtige Neuerung hin: „Seit 2024 gilt die Regelung für steuerbare Verbrauchseinrichtungen, wonach eine Wallbox durch den Netzbetreiber bei drohender lokaler Netzüberlastung steuerbar sein muss.“ Als Ausgleich für diese vorgeschriebene Fremdsteuerung gibt es einheitliche Rabattregeln, was künftig auch zu einem größeren Angebot an günstigen Autostromtarifen führen dürfte.
Daneben gelte: Die Wallbox sollte in der Garage, Parkplatz oder Carport so angebracht werden, dass der Ladeanschluss des E-Autos gut erreicht werden kann. Dort ist die Station zudem besser geschützt als im Freien. Wollen Besitzer zum Beispiel zwei oder mehr Autos regelmäßig betanken, sollten sie eine Stelle wählen, von der sie die Fahrzeuge ohne mühseliges Umparken erreichen. Dabei müssen sie auch die Länge des häufig fest installierten Ladekabels an der Box berücksichtigen.
Eine Wallbox sollten Hausbesitzer an eine vorhandene oder geplante Solaranlage anschließen. „Das Laden eines E-Autos mit PV-Strom ist die günstigste und sauberste Art, ein Auto zu laden“, sagt Vogt. Wann und zu welchem Anteil dieses erfolgen kann, hänge maßgeblich davon ab, wann das Auto zuhause ist.
Häufig müssen dafür Kabel über weite Strecken im und am Haus verlegt werden, was zusätzliche Kosten verursacht. Empfehlenswert ist es zudem, die Wallbox mit dem Netzwerkrouter im Eigenheim zu verbinden. Viele Menschen wollen ihre Box über das Mobiltelefon auch aus der Ferne steuern, um zum Beispiel den Ladevorgang genau dann zu starten, wenn die Sonne mit voller Kraft vom Himmel brennt.
Welche Wallboxen sind die besten?
Eine Wallbox ist ein komplexes Stück Leistungselektronik. Diese zu bewerten, erfordert viel Fachwissen, etwa wenn es um die Themen Sicherheit geht. Eine erste Orientierung beim Kauf liefern Vergleiche von Ladestationen verschiedener Hersteller im Internet. Eine umfangreiche Übersicht bietet etwa der Online-Marktplatz Carwow. Eine detailliertere, unabhängige Beratung bietet ein aktueller Test des ADAC.
Darin nehmen die Experten des Autoklubs die Boxen der Autokonzerne genauer unter die Lupe. Dabei vergleichen sie nicht nur die üblichen Kriterien wie Ladeleistung oder Preis, sondern auch Faktoren wie Ausstattung, Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit.
Alle acht getesteten Wallboxen bekamen eine gute Note. Am besten schnitten dabei die Ladestationen von Hyundai (1,8), Mercedes (1,9) und Peugeot (1,9) ab. Auf dem letzten Platz landete der Volkswagen ID.Charger (2,2). Das liegt allerdings vor allem an der eher mageren Ausstattung. Dafür ist die Box mit 569 Euro vergleichsweise preiswert. Und sie macht laut ADAC das, was sie soll: Sie lädt zuverlässig und sicher.
Erstpublikation: 20.01.2024, 08:51 Uhr. Inhaltlich aktualisiert am 23.01.2024, 08:10 Uhr.