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Märkte InsightDie Börsenregeln zum Jahreswechsel – und ihre Tücken

Der Dax lebt im Moment vor allem vom Willen zum Optimismus. Dabei können Aktionäre auf bewährte Muster setzen. Was von diesen zu halten ist.Ulf Sommer 13.12.2023 - 19:01 Uhr

Frankfurt. An den Aktienmärkten gibt es oftmals wiederkehrende Muster. Beispielsweise, dass in Phasen stetig steigender Kurse gute Nachrichten gesucht und gefunden, schlechte aber ausgeblendet werden. So geschah es in den Wochen seit Ende Oktober, in denen der Dax um 15 Prozent gestiegen ist.

Die Kriege in Nahost und der Ukraine spielen an den Finanzmärkten so gut wie keine Rolle, ebenso wenig die schwache Konjunktur in Europa und dem wichtigen Absatzland China. Stattdessen konzentrieren sich die Aktionäre lieber auf mögliche Zinssenkungen im nächsten Jahr und eine mögliche Erholung der Wirtschaft.

Ein weiteres wiederkehrendes Muster ist, dass kurz vor dem Jahresende häufig besonders die Aktien an Wert gewinnen, die bereits im Gesamtjahr besser als der Rest abgeschnitten haben. Das wären im Dax Adidas, Heidelberg Materials, Rheinmetall, SAP und Commerzbank.

Diese fünf haben in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 39 (Commerzbank) und 65 Prozent (Adidas) zugelegt. Der Dax schaffte im selben Zeitraum „nur“ 16 Prozent.

Grund für die gute Performance der Sieger ganz besonders zum Ende eines Kalenderjahres ist ein als „Window-Dressing“ bezeichnetes Phänomen: Um ihre Bilanz aufzupolieren, kaufen Fondsmanager gern Siegeraktien hinzu, um sich anschließend mit deren guter Performance brüsten zu können, wenn im Folgejahr die Fondsstatistiken veröffentlicht werden.

„Die Letzten werden die Ersten sein“

Umgekehrt gewinnen im ersten Quartal eines neuen Jahres häufig Aktien an Wert, die im Vorjahr die größten Verlierer waren. Im Dax wären gemäß dieser Regel Bayer, Siemens Energy, Zalando, Merck und die Porsche AG an der Reihe. Diese fünf größten Verlierer büßten in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 20 (Porsche) und 40 Prozent (Bayer) ein.

„Die Letzten werden die Ersten sein – das ist ungefähr die Idee hinter der Anlagestrategie, im ersten Quartal jene Aktien zu kaufen, die im Vorjahr zum schlechtesten Drittel ihres Indexes beziehungsweise Sektors gehört haben“, sagt der Chefanlagestratege der Deutschen Bank, Ulrich Stephan.

Seit 2002 lag im S&P 500 in den USA die Performance der Zurückgebliebenen im ersten Quartal um durchschnittlich 1,3 Prozentpunkte über der der restlichen Indexwerte. Im europäischen Stoxx 600 beträgt das jährliche zusätzliche Plus im Schnitt 0,6 Prozentpunkte.

2024 würden gemäß diese Anlagestrategie Aktien der drei Branchen Grundstoffe, Gesundheit und Basiskonsum sowie Nebenwerte profitieren. „Diese Segmente gehören jedoch nicht zu meinen Favoriten“, stellt Stephan trotz solcher Berechnungen klar.

Stattdessen rät der Experte mit Blick auf das neue Jahr zu drei anderen Branchen: IT-Unternehmen, die hohes Gewinnwachstum erzielen und vom Interesse am Megathema Künstliche Intelligenz profieren. Finanzwerte, die auch bei etwas niedrigeren Zinsen hochprofitabel sein können. Industrieunternehmen, die wieder attraktiv bewertet sind. Stephans Hauptargument lautet, dass sich diese drei Sektoren auch über das erste Quartal hinaus besser schlagen dürften als der Gesamtmarkt.

Ob „Window-Dressing“ oder „Die Letzten werden die Ersten sein“ – beide Strategien lassen sich statistisch belegen. Doch sie haben ihre Nachteile: Zum einen funktionieren sie nur in kurzen Zeiträumen, zum anderen liegen die messbaren Kursvorteile eher im homöopathischen Bereich.

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Am Ende erscheint es am klügsten, auf solche Branchen und Aktien zu setzen, von denen Frau oder Mann überzeugt ist. Zu kaufen, weil Statistiken dafürsprechen oder andere Aktionäre es vormachen, ist ein schlechter Ratgeber und allenfalls für das sehr kurzfristige „Day-Trading“ geeignet.

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