Luftverkehr: Fliegen wird ab 2024 noch teurer
Frankfurt. Reisende werden ab Januar wohl mehr für ihren Flug bezahlen müssen. Zwar hat die Ampelkoalition die Pläne für eine Kerosinsteuer begraben. Dafür soll aber die schon existierende Luftverkehrsabgabe erhöht werden.
Das Problem: Details, in welchem Umfang die Abgabe steigen wird, sind noch nicht bekannt. Bisher steht lediglich fest: In Summe will der Bund auf diesem Weg 580 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln einnehmen. Das soll dabei helfen, die Haushaltslücke zu füllen.
Bisher ist die Luftverkehrsabgabe in drei Stufen gestaffelt. Bei Zielen, die bis zu 2500 Kilometer entfernt sind, werden 12,77 Euro pro Passagier und Flug fällig, bei Strecken bis zu 6000 Kilometern sind es 32,35 Euro und darüber hinaus dann 58,23 Euro. Bezahlt werden muss für alle kommerziellen Flüge, die an deutschen Flughäfen abheben. Entscheidend ist dabei das auf dem Ticket angegebene Flugziel. Ausgenommen sind reine Umsteigerflüge.
Flug-Tickets: Abgabe könnte im Schnitt um gut 50 Prozent steigen
Offen ist, wie stark diese einzelnen Beträge nun angehoben werden sollen. Eine grobe Orientierung kann eine einfache Rechnung liefern: Bisher nimmt der Staat durch die Abgabe im Jahr gut eine Milliarde Euro ein. Sollen es künftig 580 Millionen Euro mehr sein, müsste sich die Abgabe also um gut 50 Prozent erhöhen.
Für die kürzeste Strecke würde der Satz nach dieser Rechnung auf etwas mehr als 19 Euro steigen, für die längste auf rund 88 Euro. Doch ganz so einfach wird die neue Regelung wohl nicht sein, schließlich ist die Zahl der Flüge nicht gleichmäßig über die drei Entfernungsklassen verteilt.
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Theoretisch könnte die Regierung zum Beispiel den Satz für kurze Strecken bis 2500 Kilometer überproportional erhöhen. Das würde dann vor allem die Lufthansa-Gruppe mit ihrer starken Präsenz in Deutschland und Europa sowie die Billigairlines Ryanair und Easyjet treffen. Die beiden Letztgenannten fliegen überwiegend innerhalb von Europa. Lufthansa-Wettbewerber wie Emirates, Qatar Airways oder Turkish Airlines würden hier besser wegkommen. Deshalb ist die Frage, ob die Ampelregierung sich für eine solche Lösung entscheiden wird.
Eines ist dagegen schon klar: Die Zusatzkosten werden die Passagiere tragen. Bei Lufthansa heißt es etwa: Bei 15 Euro, die pro Passagier nach Abzug aller Kosten und Gebühren unter dem Strich als Gewinn für das Unternehmen übrig blieben, gebe es keinen Spielraum, eine Erhöhung der Abgabe in größerem Umfang zu kompensieren. Auch andere Airlines wie Easyjet werden die Mehrkosten wohl weitergeben.
Unklarheit bei Tickets fürs erste Halbjahr: Müssen Kunden nachzahlen?
Ein weiteres großes Problem: Die Fluggesellschaften haben bereits viele Tickets für das erste Halbjahr verkauft. Die Kunden haben diese auch schon bezahlt. In der Luftfahrt ist die Vorkasse weltweit üblich. Was mit diesen Tickets geschieht, weiß aktuell keiner. Müssen die Kunden nun nachzahlen?
„Nur zwölf Tage vor Beginn des neuen Jahres ist noch immer nicht verbindlich geregelt, wie und in welchem Maße im kommenden Jahr Steuern, Abgaben und Gebühren für Flugreisen startend an deutschen Flughäfen anfallen“, heißt es bei Easyjet. Es herrsche eine große Unklarheit, was den Luftverkehr in Deutschland betreffe.
Entsprechend groß ist der Frust in der Branche über die Pläne der Ampelregierung. Von einem „beispiellosen und unverantwortlichen Ad-hoc-Regieren durch Pressestatements“ ist bei Easyjet die Rede.
„Statt Anreize für Intermodalität durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf innerdeutsche Flugtickets zu erheben, werden nun – anders als im Koalitionsvertrag versichert – die Zusatzeinnahmen nicht für Investitionen in branchenbezogene Zukunftsinvestitionen genutzt“, sagte Stephan Erler, bei Easyjet für Deutschland und die Schweiz zuständig. Stattdessen würden selbst verschuldete Haushaltslöcher gestopft.
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Gegen den Klimawandel wird eine erhöhte Abgabe nach Einschätzung von Easyjet nicht helfen. Wegen der Mehrkosten würden wahrscheinlich weniger Tickets gebucht, die Jets würden schlechter ausgelastet fliegen. Die Emissionen pro Passagier könnten deshalb sogar steigen.
Auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft kritisiert die Entscheidung der Regierung. Schon heute sei die Abgabenlast für den Luftverkehr im europäischen Vergleich in Deutschland am höchsten. Noch höhere Gebühren gingen zulasten des Angebots und würden Verkehre an andere Drehkreuze verlagern. Die Anbindung Deutschlands und wichtiger Wirtschaftsregionen werde weiter leiden.
Erstpublikation: 22.12.2023, 13:31 Uhr.