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VersichererSo will sich Allianz Partners von der Konkurrenz abgrenzen

Der Chef der Allianz-Tochter Allianz Partners will die Kunden enger an das Unternehmen binden. Eine neue App soll dabei helfen, den Versicherer sichtbarer zu machen.Ozan Demircan, Susanne Schier 30.01.2024 - 15:14 Uhr
Mit einer neuen App will die Allianz auch beim Kunden sichtbarer werden. Foto: dpa

Frankfurt, Köln. Wer bei Air France einen Flug bucht, kann sofort eine Reiseversicherung der Allianz mitbuchen. Für Verbraucher sind solche Kombi-Angebote  bequem und für Versicherer günstig – sie haben keine hohen Marketingkosten bei der Kundenakquise. Doch es gibt ein Problem für den Versicherer: Er ist bei solchen Geschäftsmodellen kaum sichtbar. Welcher Anbieter hinter der  Police steckt, nehmen die Käufer des Gesamtprodukts meist kaum wahr.

Mit einer neuen App unter dem Namen Allyz will die Allianz-Tochter Allianz Partners dem nun entgegensteuern. Die Nutzer können bei dem neuen Angebot nicht nur die Daten ihrer Versicherungspolice gleich einsehen, sondern zugleich auch auf zahlreiche weitere Dienstleistungen zugreifen. So erhalten sie zum Beispiel Informationen für die Reiseplanung oder den Zugang zur Lounge im Falle einer Flugverspätung.

Tomas Kunzmann, Chef von Allianz Partners, erklärt die strategische Bedeutung: „Serviceleistungen mit Versicherungsschutz zu kombinieren ist aus unserer Sicht die Zukunft.“ Damit und „unserer starken Marke Allianz“ wolle man sich vom Wettbewerb abgrenzen, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Kein Alleinstellungsmerkmal

Zwar verfügt Allianz Partners bereits seit Jahren über ein umfangreiches Servicegeschäft. Ein Alleinstellungsmerkmal ist das aus Sicht von Branchenbeobachtern aber nicht. Denn auch Versicherer wie etwa Axa Partners bieten sogenannte Assistance-Leistungen an. Neu ist jedoch der Versuch, all diese Angebote in einer App zu bündeln und für die Endkunden übersichtlich und leicht zugänglich zu machen.

Wer einen Flug bucht, kann sofort eine Reiseversicherung abschließen. Foto: dpa

„Unsere Kundinnen und Kunden werden die App nutzen, sobald sie erkennen, dass sie ihnen einen Mehrwert bietet, den sie nicht bezahlen müssen“, erwartet Kunzmann. Für Allianz Partners selbst sei sie eine Investition in die Kundenbindung, denn wie er hinzufügt: „Im Servicegeschäft sind die Margen geringer als im reinen Versicherungsgeschäft.“

Der Chef von Allianz Partners sieht bei Versicherungen, die in ein anderes Produkt integriert sind – im Fachjargon Embedded Insurance genannt – großes Potenzial. Seiner Ansicht nach dürfte „sich das globale Geschäftsvolumen mit eingebetteten Versicherungen von 63 Milliarden Dollar im Jahr 2022 auf 400 Milliarden Dollar im Jahr 2030 mehr als versechsfachen“.

Beratungsfirma sieht „Risiko von Übertreibungen“

Auch Dietmar Kottmann, Partner bei der Beratungsfirma Oliver Wyman, hält das Segment für einen „signifikanten Wachstumsmarkt“. Doch er weist darauf hin, dass es derzeit einen Hype erlebe. „Dies treibt die Erwartungen an das Marktvolumen nach oben und birgt das Risiko von Übertreibungen“, sagt er.

Gleichwohl: Bei Allianz Partners wuchs der Umsatz im Jahr 2022 um über ein Drittel auf 8,2 Milliarden Euro. Bis 2030 soll sich der Umsatz verdoppeln. Der Versicherer arbeitet dabei mit zahlreichen Partnern zusammen – neben Air France sind das unter anderem Marriott, Volvo und Volkswagen. Neben dem Reise- und dem Mobilitätsbereich sieht Kunzmann bei Gesundheitslösungen sowie bei Hausrat- und Wohngebäudepolicen Wachstumspotenzial.

Tomas Kunzmann: Der Chef von Allianz Partners will das Servicegeschäft ausbauen. Foto: Allianz

Kritik an den eingebetteten Versicherungen kommt von Verbraucherschützern. Ludwig Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kritisiert, dass Verbraucher bei diesem Verkaufskanal kaum oder gar keine Beratung erhalten. „Das Versicherungsvertragsgesetz schreibt diese Beratungspflicht ausdrücklich vor, für Vertreter und Versicherer gleichermaßen, solange die Kunden nicht aktiv widersprechen“, sagt er.

Es gebe natürlich Vorteile, wenn Verbraucher ohne großen Aufwand ihre Versicherung erhielten. „Aber es muss sauber sein“, mahnt er.

Digital erfasste Daten spielen eine wichtige Rolle

Daten spielen bei den eingebetteten Versicherungen eine wichtige Rolle. Je mehr Informationen die Kunden mit den Kooperationspartnern teilen, desto weniger Fragen muss der Versicherer im Abschlussprozess stellen. So lasse sich etwa bei der Autoversicherung laut Kunzmann bereits heute vieles schätzen – etwa die Kilometer, die die Kunden voraussichtlich pro Jahr fahren werden.

Die Schadenfreiheitsklasse muss der Versicherer hingegen noch abfragen. Sollte sich aber die Messung von Fahrdaten durchsetzen und die Prämie auf diese Weise errechnet werden, wird auch diese Abfrage hinfällig.

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Mit dem Elektro-Auto ID3 von Volkswagen testet der Versicherer schon heute solche Datenübertragungen. Ein Beispiel sei der korrekte Reifendruck, der beim abrupten Bremsen wesentlich ist. Auch der richtige Reifendruck bestimmt dann mit, ob der Versicherer im Schadensfall zahlen muss.

Erstpublikation: 28.01.2024, 16:09 Uhr.

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