Morning Briefing: Beim großen Gold-Boom waren viele Deutsche nur Zuschauer
Gold: Preis steigt, Deutsche steigen aus / Batterien: Überraschender Stromspeicher-Boom
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
dass die Deutschen am Aktienmarkt gerne mal Rendite liegenlassen, weil sie sich vor Verlusten fürchten, ist bekannt. Aber dass ihnen das auch mit Gold passiert, der Anlageform schlechthin für Risikoaverse, ist bemerkenswert.
Ausgerechnet im vergangenen Jahr, als Gold einen Rekord nach dem anderen knackte, hielten sich deutsche Anleger zurück, berichtet Handelsblatt-Rohstoffexpertin Judith Henke. Die Nachfrage nach Barren und Münzen sank 2024 im Vergleich zum Vorjahr unterm Strich um 64 Prozent. Das zeigen die Zahlen des Branchenverbands World Gold Council (WGC).
Zugleich berichten Goldhändler in Deutschland von einer regen Nachfrage der Anleger. Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Chef der Edelmetall-Beratungsfirma Fragold, erklärt die scheinbare Diskrepanz so: Das WGC erfasse die Importe von Edelmetallen in Form von Münzen und Barren nach Deutschland. Es messe aber nicht, wie viele alte Barren und Münzen Händler an- und verkaufen:
„Tsunami“ der Stromspeicher
Womöglich haben die Deutschen statt Gold inzwischen eine andere Form des Kriseninvestments entdeckt. In Deutschland werden Batteriespeicher in ungeahntem Ausmaß installiert. Das betrifft Heimspeicher in Einfamilienhäusern ebenso wie Großspeicher, die direkt an die öffentlichen Stromnetze angeschlossen werden. Die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Simone Peter, prophezeit:
Alles deutet darauf hin, dass sich der Trend ungebremst fortsetzt: Potenzielle Betreiber von Großspeichern stellen bei den Energieversorgern in wachsender Zahl Anträge für den Anschluss ihrer Anlagen.
Werden sie direkt ans Stromnetz angeschlossen, können Großspeicher unerwartete Schwankungen im Stromnetz ausgleichen oder Überlastungen verhindern. Auch kommerziell können die Speicher interessant sein. In Zeiten von Stromüberschüssen kann der Strom zu niedrigen oder sogar negativen Preisen eingekauft werden, um ihn wenige Stunden später gewinnbringend zu verkaufen.
Zur Überbrückung von Dunkelflauten, in denen sowohl Windräder als auch Solaranlagen nur wenig Strom liefern, sind Batteriespeicher indes nicht geeignet. Die zu speichernden Strommengen würden gigantische Batterien erforderlich machen.
SAP mit neuem Produkt für Firmen KI
In der vergangenen Woche deutete SAP-Vorstandschef Christian Klein ein neues Produkt an – mehr noch, „eine der größten Innovationen“, die der Softwarehersteller je hervorgebracht habe. Details stellte Klein für eine Präsentation am 13. Februar in Aussicht. Dabei wird er nach Informationen unseres Reporters Christof Kerkmann das Angebot „Business Data Cloud“ präsentieren. Unternehmen sollen damit Daten aus verschiedenen Quellen sammeln und aufbereiten können.
SAP will so ein Problem lösen, das viele Unternehmen daran hindert, ihre Prozesse durch Künstliche Intelligenz (KI) zu unterstützen. Es geht um die Bereinigung und Vereinheitlichung von Daten, die für das Training der KI nötig sind. Diese Daten sind in großen Organisationen über zahlreiche Systeme verstreut und liegen in unterschiedlichen Formaten vor, was die Verarbeitung erschwert.
Metro soll weg von der Börse
Der tschechische Milliardär und Metro-Großaktionär Daniel Kretinsky will den Düsseldorfer Großhändler von der Börse nehmen. Metro schloss dazu mit Kretinskys Investmentgesellschaft EPGC eine Delisting-Vereinbarung. EPGC verpflichtet sich darin, den Metro-Aktionären ihre Anteilsscheine für jeweils 5,33 Euro abzukaufen. Metro-Aktien gingen am Mittwoch mit 3,80 Euro aus dem Handel.
Aktuell kontrolliert EPGC 49,99 Prozent der Metro-Aktien. Auf die Familien-Gesellschaften Meridian und Beisheim, die gemeinsam handeln, entfallen 24,99 Prozent. Mit ihnen hat sich Kretinsky bereits verständigt.
Mindestens 2900 Tote im Kongo
Die Zahl der Toten nach den jüngsten Kämpfen in der Stadt Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist nach UN-Angaben auf mindestens 2.900 gestiegen. Das sagte UN-Vertreterin Vivian van de Perre am Montag in Goma. Ende Januar hatte die Miliz M23 die Stadt in der Provinz Nord-Kivu angegriffen und nach tagelangen Kämpfen gegen das Militär eingenommen.
Die M23-Rebellen, die mutmaßlich vom Nachbarland Ruanda unterstützt werden, haben mittlerweile die Kontrolle über große Teile Nord-Kivus gewonnen. In der rohstoffreichen Region werden Metalle in großen Mengen abgebaut, darunter Coltan, Gold, Nickel, Kobalt und Kupfer.
Merkel gegen Zurückweisungen an der Grenze
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Pläne von CDU/CSU kritisiert, Flüchtlinge an den deutschen Grenzen abzuweisen. Sie bleibe bei ihrer Überzeugung, das Flüchtlingsproblem „europäisch zu lösen, nicht an der deutschen Binnengrenze, sondern an der europäischen Außengrenze und in Verhandlungen mit den Herkunftsländern“.
Das sagte Merkel am Mittwochabend auf einer Veranstaltung der „Zeit“. Sie wies auch Kritik von Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz zurück, der die Flüchtlingspolitik ab 2015 in Merkels Amtszeit als verfehlt kritisiert hatte. Einiges sei nur schwer zu verstehen, so Merkel: „Warum ist es so schwer eben immer wieder die, die schon ausreisepflichtig sind, zur Ausreise zu bewegen?“ Warum seien „zwei Drittel der Ausländerämter immer noch nicht digitalisiert und damit der Austausch auch mit dem Ausländerzentralregister schwierig“?
China trägt Zollstreit vor die WTO
China hat wie angekündigt mit einer Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf auf die neuen US-Zölle reagiert. Auf solche WTO-Konsultationen folgt in aller Regel innerhalb weniger Wochen ein Verfahren vor dem Streitschlichtungsausschuss. Dieses Verfahren dauert mehrere Monate. Befinden die Streitschlichter zugunsten Chinas, darf Peking nach den WTO-Regeln selbst Zölle in dem Umfang erheben, in dem es Schaden durch die US-Zölle erlitten hat.
Dass Trump von der WTO wenig hält, hat er hinreichend deutlich gemacht. Und auch das Vorgehen des Regimes in Peking zeugt eher von der Machtlosigkeit der Genfer Organisation. Denn China hat dem Schlichterspruch bereits vorweggegriffen und verhängte Zusatzzölle unter anderem auf Öl, Kohle, Erdgas und landwirtschaftliche Maschinen aus den USA.
Ein Seehund im Hotelzimmer
Im niederländischen Vlissingen hat ein Hotelgast einen schlafenden Seehund in seinem Zimmer gefunden. Laut der Tierschutzorganisation der Provinz Zeeland sei das Tier wohl über eine offenstehende Terrassentür in das Erdgeschosszimmer direkt am Strand gelangt. Die Tierschützer holten den Seehund aus dem Zimmer und brachten ihn wieder zum Meer. Er habe beim Wecken „irritiert“ gewirkt. Inzwischen soll Ortwin Runde wohlbehalten wieder in Hamburg eingetroffen sein.
Ich wünsche Ihnen einen ausgeschlafenen Start in den Tag.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt
PS: Viele von Ihnen haben mir gestern auf mein kleines Fotorätsel geantwortet, und fast alle haben richtig gelegen: Das Bild entstand auf der Pioneer 2 bei einer Podcast-Aufzeichnung mit FDP-Chef Christian Lindner und Moderator Jörg Thadeusz. Besten Dank an Crew und Kätpt'n für die Gastfreundschaft!