Kommentar : Bildungsnotstand – jetzt muss es die Wirtschaft richten

Größer könnte der Anspruch kaum sein: Ex-Zeiss-Chef Michael Kaschke legt nun als Präsident des Stifterverbands eine Blaupause für die Rettung der Bildung vor. Er will – gemeinsam mit Pionieren unter den Bundesländern – bis 2030 einige ganz konkrete Ziele erreichen, wie etwa die Halbierung des Lehrermangels.
Die Misere der deutschen Bildung ist so groß – zuletzt waren unsere Schüler bei Pisa so schlecht wie nie –, dass der Stifterverband, das politisch einflussreiche Netzwerk aus Unternehmen, Managern und Stiftungen, sogar seinen Hauptzweck – die Förderung von Innovation und Wissenschaft – fürs erste hintenanstellt.
Angebracht ist das zweifellos: Die wachsende Verschwendung oder gar Vernichtung von Humankapital – von der Kita bis zur Hochschule und der Weiterbildung – ist mittelfristig weit gefährlicher als schlechte Wirtschaftspolitik oder Inflation. Denn sie beschädigt die Basis für Innovationen und Wirtschaftskraft der nächsten Generationen.
Kooperation gefragt
Der Stifterverband kann allerdings nur dann wirklich etwas bewegen, wenn es gelingt, genügend Bundesländer zu finden, die sich auf eine Kooperation einlassen.
Das ist nicht trivial: Bisher lassen sich Kultus- und Wissenschaftsminister extrem ungern dreinreden – vom Bund nur, wenn viele Milliarden locken. Der Widerstand gegen die Wirtschaft ist vielerorts besonders groß. Das ist in Teilen sogar verständlich, vor allem Schule muss ein Schutzraum sein.
Der Stifterverband muss also enorme Überzeugungsarbeit leisten. Das kann er nur, wenn die großen Bildungsstiftungen uneitel an einem Strang ziehen und die im Verband engagierten Topmanager und -managerinnen – ein Who’s who der deutschen Wirtschaft – sich wirklich ganz persönlich so engagieren, wie Präsident Kaschke hofft.