Gastkommentar: Wie das Homeoffice die Immobilienlandschaft verändert
Seit der Pandemie zeigt sich immer klarer: Viele Menschen wollen nicht zurück in die Arbeitswelt, wie sie vorher war. Das geht zwar nicht bei allen Berufen und Arbeitgebern gleichermaßen, aber ein großer Teil der Beschäftigten arbeitet inzwischen zumindest zeitweise im Homeoffice. Wir als Gesellschaft konnten jedoch noch gar nicht richtig anfangen, unser Wohnen sowie unsere Städte und Gemeinden darauf einzustellen.
Deshalb investiert der Bund jetzt trotz der schwierigen Finanzlage eine Millionenfördersumme, um diesen Wandel aktiv zu gestalten. Und zwar von zwei Seiten.
Der Wohnungsmarkt in den Großstädten soll entlastet und kleinere Orte sollen neu belebt werden
Erstens, viele Menschen müssen nun nicht mehr in der Stadt wohnen, in der sie arbeiten. Zugleich ist die Großstadt mittlerweile nicht mehr der alleinige Sehnsuchtsort – vor allem nicht für viele junge Familien. Ein Umzug in kleinere Orte verspricht oft mehr Grün für die Kinder, mehr Nähe zu den Großeltern und vor allem mehr bezahlbare Wohnungen. Teilweise stehen dort sogar, oft in den Ortskernen, Häuser leer.
Diese könnten von hinzuziehenden Familien übernommen und saniert werden. Unter dem Motto „Jung kauft Alt“ wird das mancherorts bereits erfolgreich vorangetrieben. Um dies künftig deutschlandweit zu verbreiten, erarbeitet der Bund nun ein neues Förderprogramm.
Das soll den Wohnungsmarkt in den Großstädten entlasten und gleichzeitig die kleineren Orte neu beleben. Diese brauchen natürlich noch eine bessere öffentliche Verkehrsanbindung. Daher werden gerade – begleitend zum Deutschlandticket – Milliarden in den Ausbau der Schienennetze investiert.
Aus Bürogebäuden, Geschäften und Kaufhäusern sollen zukünftig Wohnungen entstehen
Zweitens: Wenn immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten, stehen immer mehr Büros leer. Viele Unternehmen können somit einen großen Teil ihrer – oft innerstädtischen – Flächen einsparen. Bisherige Bürogebäude lassen sich dadurch verstärkt in Wohnhäuser umwandeln. Auch hier wird der Bund einen Anreiz setzen und erarbeitet dafür gerade das neue Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“.
Es soll aber nicht nur für Büros gelten. Denn auch der Einzelhandel erlebt gerade einen tiefgreifenden Umbruch. Geschäfte stehen leer oder verkleinern sich – bis hin zu Kaufhäusern und Ladenketten. Daher bietet eine solche Umwandlung von Büro- und Geschäftshäusern insgesamt eine große Chance.
Einerseits können dadurch innerhalb der Städte zügig viele neue Wohnungen geschaffen werden. Diese sind dann meist bereits gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Andererseits wird dadurch vielen Innenstädten neues Leben eingehaucht. Schließlich haben diese vielerorts eine gewisse Monotonie und können abends wie ausgestorben wirken. Daher gilt es in der Stadtplanung schon lange als guter Lösungsansatz, Büro- oder Einkaufsviertel besser mit Wohnungen zu durchmischen.
Um die Wohnungsprobleme in Deutschland zu lösen, müssen auch mehr neue Häuser gebaut werden. Der Bund fördert dies unter anderem durch einen Dreiklang aus Rekordinvestitionen in den sozialen Wohnungsbau, vergünstigte Eigenheimkredite und Steuererleichterungen für Bauherren. Genauso wichtig wie der Neubau ist jedoch der Umbau.
Denn es gibt nun einmal schon sehr viele bestehende Gebäude, die in Wohnraum umgewandelt werden könnten. Zumal viele von ihnen ohnehin dringend energetisch saniert werden müssen. Ein solcher Umbau ist oft sogar kostengünstiger als ein Neubau. Und auch klimafreundlicher. Denn beim Neubau werden oft neue Flächen versiegelt und es wird viel CO2 produziert. Viele Architektinnen und Architekten plädieren schon lange für mehr Umbau und stehen hierfür mit kreativen Ideen bereit. Wir müssen auch beim Bauen weg von der Wegwerfkultur.
Dabei ist eines klar: Der Staat kann und wird niemandem vorschreiben, wo und wie er zu wohnen hat. Die Menschen erwarten aber zu Recht von der Regierung, dass sie vorausschauend agiert und die richtigen Impulse für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung setzt. Um einen solchen Impuls zu setzen, plant der Bund nun die zwei neuen Umbauförderprogramme „Jung kauft Alt“ und „Gewerbe zu Wohnen“. Dies greift den Wunsch vieler Menschen auf, flexibler auch von zu Hause aus zu arbeiten.
Der Wandel zum Homeoffice kann somit genutzt werden, um auf klimafreundliche Weise mehr Wohnraum zu schaffen und bestehenden Leerstand zu beseitigen. Gleichzeitig fördern wir dadurch lebendigere Innenstädte und gleichwertige Perspektiven für Stadt und Land. All dies wiederum kann auch das stärken, was wir gerade so dringend brauchen: mehr Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.
Die Autorin: Klara Geywitz ist Bauministerin der Bundesrepublik Deutschland.
Erstpublikation: 14.02.2024, 04:06 Uhr.