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FinanzmarktStaat baut Beteiligung an Commerzbank überraschend aus

Eigentlich strebt Finanzminister Lindner einen Ausstieg des Bundes an – doch nun erhöht sich der Staatsanteil sogar. Stark diskutiert wird zudem die Frage, wer die Bank künftig führen wird.Andreas Kröner 15.02.2024 - 15:48 Uhr
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Der Bund ist seit der Rettung in der Finanzkrise der größte Aktionär des Instituts. Foto: dpa

Frankfurt. Über einen Ausstieg des Staats bei der Commerzbank wird seit Langem diskutiert. Doch nun baut die Bundesregierung ihren Anteil an dem Geldhaus überraschenderweise erst mal aus. Sie muss dafür keine neuen Aktien kaufen, sondern es reicht, dass sie im Rahmen eines gerade laufenden Aktienrückkaufprogramms der Bank keine Papiere veräußert.

„Der Bund beteiligt sich nicht an dem laufenden Aktienrückkaufprogramm der Commerzbank“, sagte ein Sprecherin der Finanzagentur, die die Beteiligung verwaltet, dem Handelsblatt. Der Staatsanteil dürfte dadurch Finanzkreisen zufolge von 15,75 Prozent auf rund 16,5 Prozent steigen.

Die Entscheidung kommt überraschend. Im Commerzbank-Management hatten viele damit gerechnet, dass der Bund im Rahmen des Rückkaufprogramms einige Aktien veräußert und so einen weiteren Anstieg des Staatsanteils verhindert. Die Bank wollte sich zu dem Thema nicht äußern. 

Der Bund hatte bereits an einem ersten, 122 Millionen Euro schweren Aktienrückkaufprogramm im Juni 2023 nicht teilgenommen. Dadurch stieg der Staatsanteil laut Daten von Bloomberg von 15,6 auf 15,75 Prozent. Seit 10. Januar läuft nun ein zweites, deutlich größeres Rückkaufprogramm. Dabei erwirbt Deutschlands zweitgrößte Privatbank bis spätestens 4. April eigene Papiere im Wert bis zu 600 Millionen Euro.

Wenn der Bund an solchen Programmen nicht teilnimmt, steigt sein Anteil automatisch, weil anschließend weniger Aktien im Umlauf sind. Dieser Effekt wird bei der Commerzbank künftig noch bedeutsamer werden, da das Institut für die kommenden Jahre höhere Gewinnbeteiligungen in Aussicht gestellt hat.

Für das Geschäftsjahr 2024 will das Geldhaus mindestens 70 Prozent seines Gewinns ausschütten – in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen. In den Jahren 2025 bis 2027 erwarten Investoren sogar Ausschüttungen von rund 90 Prozent.

Bundesregierung plant keinen raschen Ausstieg

Der Staat hatte die Commerzbank in der Finanzkrise 2008/2009 mit mehr als 18 Milliarden Euro vor dem Kollaps bewahrt. Die staatlichen Hilfen hat das Institut bereits vor Jahren zurückgezahlt, der Bund ist aber bis heute größter Einzelaktionär.

Finanzminister Christian Lindner (FDP) hat mehrfach deutlich gemacht, dass der Staat nicht dauerhaft bei der Commerzbank engagiert bleiben will. Die Finanzagentur überprüft die Beteiligung regelmäßig, auch mithilfe von Investmentbanken. Konkrete Pläne, den Anteil deutlich zu reduzieren oder ganz zu verkaufen, gibt es Insidern zufolge aktuell aber nicht. 

Lindner hat betont, dass er bei der Entscheidung über den Umgang mit der Beteiligung nicht nur die Vermögensinteressen der Steuerzahler im Blick hat, sondern auch die Bedeutung der Commerzbank für den Finanzplatz Deutschland und die mittelständische Wirtschaft.

Aktuell und wohl auch auf absehbare Zeit wäre ein Verkauf der Beteiligung für den Bund zudem ein Verlustgeschäft: Der Commerzbank-Kurs hat sich seit 2021 zwar in etwa verdoppelt auf 10,52 Euro. Um das Engagement bei der Commerzbank verlustfrei zu beenden, wäre laut früheren Angaben der Bundesregierung jedoch ein Preis von circa 26 Euro je Aktie notwendig.

Löcher im Haushalt stopfen könnte die Bundesregierung durch die Veräußerung von Commerzbank-Anteilen grundsätzlich nicht. „Erlöse eines möglichen Verkaufs der Beteiligung würden in den Finanzmarktstabilisierungsfonds fließen, der die Beteiligung an der Commerzbank hält, nicht in den Bundeshaushalt“, erklärte eine Sprecherin des Finanzministeriums.

Finanzminister Christian Lindner: Ein Verkauf der Commerzbank-Beteiligung wäre für den Bund aktuell und wohl auch auf absehbare Zeit ein Verlustgeschäft.  Foto: dpa

Insgesamt ist die Bundesregierung mit dem Umbau der Commerzbank in den vergangenen Jahren zufrieden. Vorstandschef Manfred Knof hat seit seinem Amtsantritt 2021 fast 10.000 Stellen gestrichen und etwa die Hälfte aller Filialen dichtgemacht. Dank dieser Sanierung und der Zinserhöhungen der EZB schneidet das Institut heute bei vielen zentralen Kennziffern besser ab als der Nachbar Deutsche Bank.

Ihre Zahlen für 2023 will die Commerzbank am morgigen Donnerstag vorlegen. Analysten gehen im Schnitt davon aus, dass der Gewinn um rund 50 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gestiegen ist.

Rätselraten über Manfred Knofs Zukunftspläne

Mehr als über die Zahlen wird innerhalb und außerhalb der Bank derzeit allerdings diskutiert, wie es an der Spitze des Instituts weitergeht. Knofs Vertrag läuft Ende 2025 aus. Der 58-Jährige hat sich bisher bedeckt gehalten, ob er eine weitere Amtszeit anstrebt – auch weil er den Aufsichtsrat nicht brüskieren will. „Das Thema steht jetzt nicht auf der Agenda“, sagte er dem Handelsblatt kürzlich. „Momentan macht mir die Aufgabe sehr viel Freude.“

Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat Knof Finanzkreisen zufolge mitgeteilt, dass er mit ihm über eine mögliche Vertragsverlängerung erst Ende 2024 sprechen will – und dass er vorher auch keine Positionierung von ihm erwartet. Laut Aktienrecht ist eine Verlängerung schließlich frühestens ein Jahr vor dem Ablauf eines Vertrags möglich.

Commerzbank-Chef Manfred Knof und Finanzvorständin Bettina Orlopp: Noch ist unklar, wer die Bank ab 2026 führen wird. Foto: dpa

Sollte Knof eine weitere Amtszeit anstreben, könnte ihm der Aufsichtsrat diese angesichts der positiven Entwicklung der Bank unter seiner Führung kaum verwehren, sagten mehrere Insider dem Handelsblatt.

Brisant ist die Frage vor allem deshalb, weil die Bank mit Finanzchefin Bettina Orlopp eine Managerin an Bord hat, die gerne Vorstandschefin werden würde. Die 53-Jährige hatte sich bereits nach dem Abgang von Martin Zielke 2020 um den Spitzenposten beworben. Damals bevorzugte der Aufsichtsrat jedoch eine externe Lösung und entschied sich für den ehemaligen Allianz- und Deutsche-Bank-Manager Knof.

Um Orlopp zu halten und weniger anfällig für Abwerbungsversuche zu machen, beförderte der Aufsichtsrat sie im Sommer 2021 zur stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden – eine Position, die es bei der Commerzbank bis dahin nicht gab.

Gleichwohl ist vielen Aufsichtsräten bewusst, dass Orlopp die Bank verlassen könnte, wenn sie 2026 nicht Vorstandschefin wird. Natürlich stehe Orlopp bei anderen Konzernen, die auf der Suche nach neuem Spitzenpersonal seien, auf der Kandidatenliste, sagten mehrere Insider.

Für die Commerzbank wäre ein Abgang von Orlopp ein großer Verlust. „Ich hätte große Bedenken, wenn sie gehen würde“, sagte eine mit den Diskussionen vertraute Person. „Sie ist momentan das Herz des Vorstands.“

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Erstpublikation: 14.02.2024, 13:00 Uhr.

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