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KommentarMit Zinssenkungen stemmt China sich gegen die Krise – vergebens

Die Notenbank in Peking senkt die längerfristigen Hypothekenzinsen. Das ist gut – reicht aber nicht aus. Der Vertrauensverlust ist einfach zu groß.Martin Benninghoff 20.02.2024 - 14:07 Uhr
Der Immobiliensektor in China ist – oder besser war – eine wichtige Stütze des Wachstums. Foto: dpa

Ein Schritt in die richtige Richtung führt nicht automatisch ins Ziel. Die überraschend deutliche Zinssenkung der chinesischen Zentralbank ist zwar hilfreich, um den Wohnungs- und Häuserverkauf langfristig anzukurbeln. Aber kurzfristig verpufft die Wirkung. Die Märkte haben kaum reagiert.   

Die Senkung der Hypothekenzinsen ist zwar ein wichtiges politisches Signal, dass Chinas Führung mehr tun möchte als in der Vergangenheit, um die chronische Immobilienkrise in den Griff zu bekommen. Sie zeigt auch, dass Peking unbesorgter ist über die Auswirkungen einer Zinssenkung auf Währung und die Banken.

Doch sie ist kaum geeignet, das Vertrauen potenzieller Käuferinnen und Käufer ins klassische „Betongold“ wiederherzustellen. Und das hat viel mit den Eigenarten des chinesischen Immobilienmarkts zu tun, der für viele die Altersvorsorge war. 

Vorleistung ohne Leistung?

Viele Haus- oder Wohnungskäufer sind weiterhin besorgt, dass sie in finanzielle Vorleistung gehen – und den Schlüssel zu ihrem Traum niemals in der Hand halten, weil der Bauträger nicht liefert.

Die gravierenden Zahlungsschwierigkeiten Dutzender Firmen bleiben ungelöst. Der Kampf zwischen Bauträgern und ihren Gläubigern geht weiter und dürfte – wie bei Evergrande – Jahre dauern. Alleine dieses Unternehmen ist mit mehr als 300 Milliarden Dollar verschuldet.

Wer soll da guten Gewissens investieren? Solange sich in der Substanz der Krise – die Pleitewelle der Bauunternehmen – nichts grundlegend ändert, kann auch kein neues Vertrauen entstehen.

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Es ist ja nicht so, dass die Regierung nichts tut. Sie hat beispielsweise Kommunalverwaltungen verpflichtet, Entwickler zu identifizieren, die Anspruch auf weitere Fördergelder bekommen. Damit die gröbsten Zahlungsausfälle abgemildert werden. Städte haben teilweise die Hürden für den Immobilienerwerb gesenkt. Das alles sind aber nur Trippelschritte in die richtige Richtung. 

Eine Wette auf das Ungewisse

Staatspräsident Xi Jinping will den überhitzten Immobilienmarkt weiter kontrolliert abkühlen lassen. Das kann dauern, womöglich Jahre. In der Zwischenzeit setzt sein dirigistischer Staat auf neue Wachstumsbranchen wie Elektromobilität oder Batterietechnik – und investiert Milliardensummen in eine Wette, deren Ausgang ungewiss ist: Niemand weiß, ob diese Branchen jemals die Bedeutung erlangen, die die Immobilienbranche als Wachstumsmotor der Volkswirtschaft hatte.

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China bleibt die gigantische Wirtschaftsgroßmacht. Gerade für die deutschen Unternehmen mit ihren hohen Anteilen im Chinageschäft ist die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt Verheißung und Herausforderung zugleich, mit deutlicher Tendenz zur Herausforderung. Das berichten viele Unternehmer. Schwierige oder zumindest intransparente Investitionsbedingungen sowie die ungelöste Immobilienkrise schüren ein Gefühl der Verunsicherung.

Der im März anstehende Volkskongress sollte Hinweise geben, wie der Staat konkret gegen seine inneren Krisen vorgehen will. Die Gefahr ist groß, dass die Politik ihr Heil in Abschottung, außenpolitischem Muskelspiel und Sicherheitspolitik sucht, wenn das Wohlstandsversprechen für die wachsende Mittelschicht weiter Schaden nimmt. Das kann keiner wollen, weder in den USA noch Europa oder gar China selbst. 

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