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ElektromobilitätElektrowende auf der Kippe: Rivian und Lucid erwarten stagnierenden Absatz

Nach enttäuschenden Prognosen brechen die Aktien der Tesla-Konkurrenten Rivian und Lucid ein. Beobachter sehen die Zahlen als „Realitätscheck“ für die Wende zum Elektroantrieb.Felix Holtermann 22.02.2024 - 03:29 Uhr aktualisiert
Der Elektroautopionier kämpft mit einer enttäuschenden Prognose. Foto: AP

New York. Die US-Elektroautobauer Rivian und Lucid haben die Börse mit einer schwachen Absatzprognose verunsichert. Rivian rechnet für 2024 mit einer Produktion von 57.000 Autos, nach 57.200 im vergangenen Jahr. Lucid erwartet für 2024 eine Jahresproduktion von 9.000 Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr hatte man 8.400 Fahrzeuge hergestellt.

Die Erwartung eines praktisch stagnierenden Absatzes überschattete am Mittwochabend (Ortszeit) die Vorstellung der Jahresbilanz der beiden Tesla-Konkurrenten. Rivian-Aktien stürzten im nachbörslichen Handel um mehr als 15 Prozent ab. Lucid-Papiere gaben um über acht Prozent nach und näherten sich ihrem Rekordtief.

„Wir glauben fest an die vollständige Elektrifizierung der Automobilindustrie, erkennen aber kurzfristig die schwierigen makroökonomischen Bedingungen an“, erklärte Rivian-Chef RJ Scaringe. Aufgrund „wirtschaftlicher und geopolitische Unsicherheiten und Belastungen, vor allem den Auswirkungen der historisch hohen Zinssätze“, will Rivian zehn Prozent der Stellen streichen.

Lucid investiere langfristig, erklärte Gründer Peter Rawlinson. „Wir treten in die nächste Transformationsphase der Lucid-Fahrzeugpalette ein.“ Die eingeleiteten Kostenoptimierungsprogramme seien „eine wichtige strategische Priorität für das Unternehmen.“

Die Analysten hatten im Schnitt deutlich bessere Zahlen erwartet. Bei Rivian rechneten sie im laufenden Jahr mit einem Produktionsziel von 81.700 Autos, bei Lucid mit rund 22.500 Fahrzeugen.

Realitätsschock für die Elektrowende

Beobachter bezeichneten den schwachen Ausblick der beiden einst gefeierten Start-ups als überraschendes Signal. „Das sind ernüchternde Zahlen und ein sehr nüchterner Ausblick auf 2024“, sagte Christian Koenig. Der Autoexperte hat für Porsche in Nordamerika gearbeitet und führt in Washington eine Beratung für E-Mobilität. Er sieht eine problematische Mischung aus „Kaufzurückhaltung am Markt aufgrund der hohen Preise, der Inflation und der Eintrübung der gesamtwirtschaftlichen Lage.“

Offenbar rechne weder das Rivian- noch das Lucid-Management damit, den Trend drehen zu können. „Die Zahlen sind ein Realitätscheck für die Autobranche und ein Indiz dafür, wie schwierig 2024 für die E-Mobilität wird." Viele namhafte Hersteller verlagerten aktuell Produktionskapazitäten hin zu Verbrennern und streckten Investitionen in die E-Mobilität, so Koenig.

Tatsächlich schwächelt die Nachfrage nach E-Autos in den USA. Noch 2022 hatte der Absatz elektrischer Modelle um 65 Prozent zugelegt, zeigen Daten von Motor Intelligence. Schon 2023 war der Markt mit 46 Prozent schwächer gewachsen. Damit gewinnen Elektroautos zwar weiterhin Marktanteile, doch der große Durchbruch bleibt aus.

Selbst im Leitmarkt Kalifornien, wo die meisten Elektroautokäufer wohnen, sanken die Verkäufe laut den Analysten von Cox Automotive in den vergangenen beiden Quartalen erstmals. Und das trotz großzügiger staatlicher Förderung. Tesla kassierte zuletzt seine Absatzprognose, Ford streicht Schichten, General Motors verschiebt Elektro-Investitionen nach hinten. Und Präsidentschaftskandidat Donald Trump will im Fall seiner Wahl die E-Autosubventionen ganz streichen.

Der Automanager setzt weiterhin große Hoffnungen in den Lucid Air. Foto: Reuters

Neue Modelle als Hoffnungsträger

Unterm Strich erzielte Rivian 2023 einen Umsatz von 4,3 Milliarden Dollar, ein starkes Plus im Vergleich zum Vorjahr (1,6 Milliarden). Der Nettoverlust sank auf 5,4 Milliarden Dollar (2022: 6,7 Milliarden). Das vom Handelsriesen Amazon unterstützte Start-up schreibt bisher mit jedem verkauften Fahrzeug rote Zahlen, kommt jedoch voran bei der Kostensenkung: 2024 will Rivian sein erstes Quartal mit einer positiven Bruttomarge verbuchen.

Lucids Umsatz stagnierte und lag 2023 bei 595 Millionen Dollar (2022: 608 Millionen). Dafür weitete sich der Nettoverlust des von saudi-arabischen Investoren unterstützten Autobauers aus auf 2,8 Milliarden Dollar (2022: 1,3 Milliarden Dollar).

Beide Start-ups haben hohe Anfangsinvestitionen zu schultern. So baut Rivian aktuell ein fünf Milliarden Dollar teures neues Werk in Georgia. In diesem soll das kleinere und preisgünstigere SUV R2 produziert werden, das Rivian am 7. März vorstellen will. Mit diesem Auto ziele man auf den europäischen Markt, hatte Scaringe im vergangenen Herbst im Handelsblatt-Interview erklärt.

Lucid wiederum baut eine neue Fabrik in Saudi-Arabien und hatte im Herbst sein erstes SUV vorgestellt, den Gravity, der unter anderem bei US-Käufern ankommen dürfte.

Trotz der aktuellen Herausforderungen sind beide Konzerne für 2024 durchfinanziert. Rivian beendete das vergangene Jahr laut eigenen Angaben mit liquiden Mitteln über 10,4 Milliarden Dollar. Lucid hat 4,7 Milliarden Dollar auf der hohen Kante.

Aus Sicht von Analysten kommt daher vieles darauf an, ob die beiden Start-ups 2024 ihre Kosten in den Griff bekommen und in den Folgejahren zu einem starken Wachstum zurückkehren können. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die US-Elektroautonachfrage nicht weiter einbricht. Zuletzt hatte Rivian den Startpreis seiner Autos um 3100 Dollar gesenkt, Lucid sogar um 7500 Dollar.

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Mit Material von Reuters.

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