Skandinavien-Reise: Was Boris Pistorius von Finnland über Zivilschutz lernen will
Helsinki. Der Weg in den sicheren Untergrund führt über die Einfahrt einer Tiefgarage in Helsinki. Auch für Boris Pistorius. Wände aus rohem Granit, mit weißem Spritzputz überzogen, flankieren den Weg in ein großes Sportzentrum, 25 Meter unter der finnischen Hauptstadt.
Am vierten und letzten Tag seiner Skandinavien-Reise besichtigt der Bundesverteidigungsminister die rund 12.000 Quadratmeter große unterirdische Zivilschutzanlage Merihaka. In Friedenszeiten dient sie Spiel und Spaß, im Ernstfall wird sie zu einem der größten Bunker Helsinkis. Pistorius besichtigt nicht nur Beton, er besichtigt eine unbedingt abwehrbereite Zivilgesellschaft.
6000 Menschen finden hier Schutz, wenn oben Bomben fallen oder Raketen fliegen. In Eingangsbereich gibt es einen Kinderspielplatz und eine kleine Bar, dahinter liegen Sportfelder, auf denen Kinder Hockey spielen. „Das ist die finnische Dual-use-Idee“, sagt Manuel Baumgärtner, Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Finnland.
Vor zehn Jahren hätten die Menschen vielleicht gewusst, wo die nächste Sporthalle sei, nicht aber der nächste Bunker, sagt Baumgärtner. Das habe sich seit der russischen Annexion der Krim 2014 und spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 geändert.