Kommentar: Zertifikatekniff der Sparkassen und Volksbanken

Die Sparkassen und die Volksbanken haben im vergangenen Jahr Rekordgewinne erzielt. 17 Milliarden Euro verdienten die Sparkassen vor Steuern, fast elf Milliarden Euro die Genossenschaftsbanken. Es sind enorme Summen. Die Deutsche Bank und die Commerzbank bleiben weit dahinter zurück.
Wie Sparkassen und Volksbanken das geschafft haben? Im Wesentlichen, indem die Geldhäuser die Zinswende für sich genutzt und insgesamt wenig Zinsen an ihre Kundinnen und Kunden gezahlt haben. So zeigen die Daten von Vergleichsportalen, dass Sparkassen wie Genossenschaftsbanken im Schnitt weitaus weniger auf Tagesgeld und Festgeld geboten haben als bundesweit aktive Banken. Das war so nach der ersten Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank im Sommer 2022, und das ist auch heute noch der Fall.
Um Kundinnen und Kunden, die ihre Bank nach Zinsen auf kurzfristige Anlagen gefragt haben, bei Laune zu halten, haben die Geldhäuser eine Alternative parat: Es wurden in großem Stil Zertifikate, in erster Linie Zinsanleihen, verkauft. Dabei versprechen die Zertifikateemittenten – im Fall der Genossenschaftsbanken die DZ Bank, bei den Sparkassen die Deka sowie die Landesbanken LBBW und Helaba – meist einen festen Zins für eine bestimmte Laufzeit. Auch der Absatz von Zertifikaten und Anleihen ist auf Rekordniveau geschnellt.
Bundesanleihe wäre die bessere Alternative
So ist zumindest ein Teil der Kunden zwar nicht leer ausgegangen. Doch vom Zertifikateboom profitieren besonders die Banken. Die Zinszertifikate haben ihnen ermöglicht, einigen Kundinnen und Kunden eine gewisse Rendite zu bieten, ohne dass sie Zinsen für einen Großteil der Kundschaft deutlich anheben mussten. Obendrein kassierten sie beim Verkauf von Zertifikaten Provisionen.
Und auch für die Zertifikateemittenten lohnt sich das Geschäft: Die Zinsen auf die Produkte liegen meist klar unter den Marktzinsen. Schon eine einfache Bundesleihe wirft oft mehr ab. Doch mit dem Verkauf von Bundesanleihen würden die Banken weniger verdienen.
Bisher können sich Sparkassen und Volksbanken dieses Vorgehen erlauben. Ihre Kunden haben im vergangenen Jahr nur minimal Einlagen abgezogen. Doch der massenhafte Zertifikateabsatz passt weder zum Anspruch von Sparkassen noch von Volksbanken. Das gilt umso mehr, weil der Zertifikatemarkt wenig transparent ist. Drei der vier großen Zertifikateemittenten geben nicht einmal preis, welche Produkte konkret am meisten abgesetzt wurden.
Erstpublikation: 27.03.2024, 04:09 Uhr.