Konjunktur: Deutsche Investitionsschwäche wird zum Dauerzustand
Berlin. Die Investitionsschwäche in Deutschland droht sich zu verfestigen. Nach neuen Berechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) werden die Investitionen in Deutschland auch Ende 2025 noch 2,9 Prozent geringer sein als zur Zeit vor der Coronakrise 2019. Die Ergebnisse der Kieler Forscher liegen dem Handelsblatt vorab vor.
Die in Zeiten von Coronakrise und Ukraine-Krieg ausgefallenen Investitionen wird Deutschland damit nicht aufholen können. In anderen Ländern entwickeln sich die Zahlen derweil deutlich positiver. In den USA zum Beispiel werden die Investitionen laut IfW-Prognose um 10,8 Prozent steigen. Auch für Großbritannien erwarten die Forscher ein Investitionsplus von 9,2 Prozent, für Japan rechnen sie immerhin mit einem Wachstum von 3,5 Prozent.
„Unser künftiger Wohlstand hängt ganz entscheidend an den Investitionen“, mahnt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der staatlichen KfW-Bank, im Handelsblatt.
Die Wirtschaft hat die Brisanz der Lage erkannt und macht Druck. Bei einem Treffen mit Olaf Scholz (SPD) am Mittwoch hatten die Spitzenverbände den Bundeskanzler in ungewohnter Schärfe aufgefordert, gegen die wirtschaftliche Schieflage einzuschreiten. Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), legte am Donnerstag nach. Mit den bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung „lässt sich die dringend notwendige Investitionsoffensive nicht auslösen“, sagte sie dem Handelsblatt. Die Verbände fordern steuerliche Entlastungen für mehr Investitionen.