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OnlinehändlerKfz-Teile-Anbieter Autodoc plant erneut einen Börsengang

Der erste Versuch war 2021 an den schwierigen Marktbedingungen gescheitert. Nachdem sich die Berliner Firma neu aufgestellt hat, wächst sie nun wieder zweistellig.Nadine Schimroszik 10.04.2024 - 08:33 Uhr
Autodoc verkauft 5,8 Millionen verschiedene Produkte. Ein Teil davon wird im Berliner Lager verpackt. Foto: Autodoc

Berlin. Der Onlinehändler für Kfz-Teile Autodoc will es in einem zweiten Versuch an die Börse schaffen. „Wir schauen in Richtung Börsengang“, sagte Finanzchef Lennart Schmidt im Gespräch mit dem Handelsblatt. Darauf werde das Unternehmen „Zug um Zug“ vorbereitet. Dazu gehöre das entsprechende Risikomanagement und die Einstellung von Mitarbeitern, die zuvor für börsennotierte Firmen gearbeitet hätten.

Wann das Berliner Unternehmen sein Börsendebüt letztlich feiern will, ließ Schmidt offen: „Wir verspüren keinen Druck, den Schritt möglichst schnell zu gehen. Autodoc ist profitabel und schuldenfrei.“ 2022 lag das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) bei 102 Millionen Euro. Jüngere Zahlen sind nicht verfügbar.

Der Händler mit mehr als sieben Millionen aktiven Kunden hatte bereits 2021 während der Coronapandemie einen IPO (Initial Public Offering) angepeilt, diese Pläne dann aber aufgrund der schwierigen Marktbedingungen wieder aufgegeben. Damals wurde von einer möglichen Börsenbewertung von bis zu fünf Milliarden Euro gesprochen – etwas, das Schmidt nun als „durchaus ambitioniert“ bezeichnet.

Nach einer langen Flaute passiert in diesem Jahr wieder mehr auf dem Markt für Neuemissionen. Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei der Unternehmensberatung EY, sagt: „Europa ist mit fünf großen Börsengängen in den Global Top 10 vertreten, darunter der Hautpflegespezialist Galderma als bisher größter Börsengang des Jahres.“ Die Höchststände der wichtigen Auswahlindizes, die derzeit geringe Volatilität und die erwarteten Zinssenkungen sorgten für Rückenwind.

Lennart Schmidt, der vor Autodoc für die Autokonzerne Seat und Volkswagen gearbeitet hat, verspricht sich von dem Schritt: „Ein Börsengang würde unsere finanziellen Möglichkeiten erweitern und uns stärker in die Öffentlichkeit bringen.“ Bereits seit 2022 firmiert Autodoc als Aktiengesellschaft.

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Nach dem ersten gescheiterten Versuch eines Börsengangs hat sich Autodoc strategisch, organisatorisch und technologisch neu aufgestellt. „Nun sind wir besser positioniert als jemals zuvor. Unser Unternehmen ist robuster geworden“, versicherte Schmidt.

Autodoc will auch 2024 zweistellig wachsen

Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz um rund 15 Prozent auf mehr als 1,3 Milliarden Euro. Dieses Tempo soll Autodoc laut Schmidt beibehalten: „Unser Ziel ist es, 2024 erneut genauso wie 2023 im zweistelligen Prozentbereich zu wachsen.“

Lennart Schmidt: Der Autodoc-Finanzchef hat zuvor für Volkswagen und Seat gearbeitet. Foto: Autodoc

Automobilexperte Albert Waas, Partner bei der Beratungsgesellschaft BCG, hält das für realistisch: „Das ist ein Wachstumsmarkt. Im Schnitt werden die Fahrzeuge immer älter, und damit steigt auch der Bedarf an Reparaturen und Kfz-Teilen.“

BCG schätzt den Umsatz der Werkstätten mit Ersatzteilen und Arbeitskosten in Europa aktuell auf mehr als 235 Milliarden Euro. Laut Waas wächst der Onlinehandel in diesem Bereich deutlich. Denn: „Der Kfz-Teile-Markt hat Aufholbedarf, was das Thema Digitalisierung angeht.“ Autodoc gehöre zu den Ersten, die auf das Thema E-Commerce gesetzt hätten.

Der Online-Ersatzteilehändler wurde 2008 von Alexej Erdle, Max Wegner und Vitalij Kungel gegründet. Sie setzten darauf, dass Kfz-Teile im Internet günstiger zu haben sind als in Werkstätten – und auf die Eigeninitiative der Autofahrer. „Unsere Kunden lieben DIY. Wir unterstützen sie dabei und helfen ihnen beispielsweise mit Anleitungsvideos“, sagte Firmenchef Dmitry Zadorojnii. Davon gebe es inzwischen mehr als vier Millionen.

Bislang hat Autodoc nie Wagniskapital aufgenommen. Sein Wachstum finanzierte das Unternehmen von Anfang an aus den Einnahmen. Die Firma gehört weiterhin zu 100 Prozent den drei Gründern, die inzwischen allerdings nicht mehr operativ tätig sind.

Dmitry Zadorojnii ist seit vergangenem Jahr alleiniger Firmenchef von Autodoc. Foto: Autodoc

Seit vergangenem Jahr ist Zadorojnii alleiniger Firmenchef von Autodoc und teilt sich die Stelle nicht mehr mit der früheren SAP- und BMW-Managerin Sandra Dax. Zadorojnii will die Position von Autodoc als Marktführer in Europa stärken. Bereits jetzt ist die Firma in allen 27 EU-Ländern aktiv und konkurriert unter anderen mit Mister Auto, Kfzteile24 und Oscaro aus Frankreich.

Neuer Fokus auf Belieferung von Werkstätten

Autodoc fokussierte sich lange Zeit auf das Geschäft mit Endverbrauchern und beliefert erst seit 2022 auch Werkstätten. „Diesen Bereich wollen wir nun ausbauen“, kündigte Zadorojnii an. Auch will das Unternehmen das Produktportfolio aus aktuell 5,8 Millionen Artikeln ausbauen.

Lager in Stettin: Autodoc setzt auf längere, dafür planbare Lieferzeiten. Foto: Autodoc
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Autodoc selbst bestellt große Mengen und bietet daher günstige Preise. Zugleich hält die Firma die Kosten so gering wie möglich, betreibt nur wenige Lager und setzt auf längere, dafür planbare Lieferzeiten. Seit Jahren wächst auch der Anteil, den Autodoc mit seinen Eigenmarken Stark und Ridex umsetzt, und liegt inzwischen bei knapp einem Fünftel der Gesamterlöse.

Die Sparsamkeit zahlt sich aus. Im vergangenen Jahr lag die bereinigte Betriebsergebnismarge bei mehr als zehn Prozent. Berater Waas zufolge liegt die gesamte restliche Branche zwei bis drei Prozentpunkte dahinter. Seit der Gründung beschäftigt Autodoc auch Mitarbeiter in der Ukraine. Trotz des russischen Angriffskriegs sind es weiterhin rund 1000 Beschäftigte und damit ein Fünftel der Gesamtbelegschaft.

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