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WagniskapitalOnline-Vermögensverwalter übertrifft mit VC-Fonds für Privatanleger alle Erwartungen

Der Online-Vermögensverwalter Liqid hat 130 Millionen Euro für einen neuen Wagniskapitalfonds eingesammelt – der wiederum in andere VC-Fonds investiert. Privatanleger können ab 200.000 Euro dabei sein.Hannah Krolle, Peter Köhler 11.04.2024 - 16:05 Uhr
Liqid Gründer & CEO Christian Schneider-Sickert (rechts) mit seinem Corporate Social Responsibility (CSR)-Team: Anders als bei klassischen Wagniskapitalfonds üblich richtet sich Liqid nicht an institutionelle Investoren, sondern an erfahrene Privatanleger, die sich ab 200.000 Euro beteiligen können.  Foto: LIQID Investments GmbH

Frankfurt. Der Online-Vermögensverwalter Liqid will das Wagniskapitalgeschäft für private Anleger in Deutschland stärken – und übertrifft mit seinem zweiten Dachfonds die Erwartungen von Analysten: Mit 130 Millionen Euro hat Liqid innerhalb von zwei Jahren 185 Prozent des ursprünglich geplanten Volumens eingesammelt. Das teilte das Unternehmen dem Handelsblatt auf Anfrage mit.

Dachfonds investieren ihr Geld in einzelne Zielfonds. Im Fall von Liqid fließt das Geld in mehrere Fonds von renommierten Wagniskapitalfirmen, darunter Andreessen Horowitz, Khosla Ventures und Sequoia, gibt Liqid-Chef und -Gründer Christian Schneider-Sickert bekannt. 

Diese Fonds wiederum beteiligen sich unter anderem an Technologieunternehmen wie OpenAI, das Start-up hinter dem KI-Sprachassistenten ChatGPT, dem Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, SpaceX, dem Blockchain-Start-up Opensea sowie an der US-Warentransport-Plattform Flexport.

Anders als bei klassischen Wagniskapitalfonds üblich richtet sich Liqid nicht an institutionelle Investoren, sondern an erfahrene Privatanleger, die sich ab 200.000 Euro beteiligen können. Damit ist es dem Unternehmen gelungen, den größten Fonds dieser Art für Privatanleger in Europa zu platzieren.

„Typische Investoren sind selbst unternehmerisch aktiv“, sagt Schneider-Sickert. Zu den Investoren gehören Gründer und Freiberufler, etwa Zahnärzte, Anwälte und Architekten. „Menschen, die den Unternehmergeist in sich haben und das entsprechende Kapital mitbringen“, sagt er. Im Schnitt investierten sie 250.000 Euro. „Das sind beeindruckende Zahlen“, kommentiert Julian Riedlbauer, Partner bei der globalen Technologie-Investmentbank Drake Star.

Besonders bei sogenannten Dachfonds sei Transparenz über die Auswahl der Venture-Capital-Fonds ein großes Thema, sagt Schneider-Sickert. Investoren seien bei Dachfonds oft unsicher, wie genau  investiert würde. Liqid benennt deshalb diese Manager konkret und entscheidet sich mit 14 Fonds bewusst für eine geringe Zahl.

„Sie haben Zugang zu den besten Gründerteams und können diese überzeugen“, sagt der Liqid-Chef. „Sie haben gezeigt, dass sie Unternehmen erfolgreich über die verschiedenen Finanzierungsphasen hinweg begleiten und unterstützen können.“

Vor der Gründung von Liqid hat Unternehmenschef Christian Schneider-Sickert unter anderem bei Bertelsmann, Fremantle Media und Goldman Sachs gearbeitet. Foto: LIQID Investments GmbH

Riedlbauer ist von der Strategie des Unternehmens überzeugt: „Liqid gilt als klares Erfolgsbeispiel in der Fintech-Szene, da der digitale Vermögensverwalter ein Angebot für Personen mit kleineren bis mittelgroßen Vermögen schafft“, sagt er. Diese seien für die klassischen, großen Privatbanken und Vermögensverwalter zu klein und daher in der Vergangenheit teils vernachlässigt worden.

Guter Zeitpunkt für frisches Kapital

Schneider-Sickert hat den Zeitpunkt, einen neuen Fonds zu schließen, bewusst gewählt. „Es ist weniger Kapital im Markt vorhanden, weniger Investoren buhlen um die Gründer“, sagt er. „Schönwetterinvestoren“, wie er sie nennt, seien aus dem Markt verschwunden. „Sie haben in den Jahren 2020 und 2021 die Bewertungen stark nach oben getrieben.“

Für Investoren bedeutet das: günstigere Einstiegsbewertungen für Unternehmen. Das sollte sich in den nächsten Jahren in Form von Renditen für Anleger materialisieren, verspricht Schneider-Sickert.

Es ist weniger Kapital im Markt vorhanden, weniger Investoren buhlen um die Gründer
Christian Schneider-Sickert
Gründer und Unternehmenschef von Liqid

Liqids Dachfonds sei für Wagniskapitalfonds umso spannender, weil sich viele von ihnen aktuell schwertun, Investitionszusagen von Investoren wie Family-Offices, Pensionskassen und Versicherern zu erhalten, sagt Riedlbauer. „Dementsprechend sind sie für neue Investoren, wie die Dachfonds von Liqid, offener denn je“, sagt er. Gleichzeitig schaffe sich Liqid mit dieser Strategie langfristige Umsatzströme. Die Laufzeit beträgt zwölf Jahre und kann um drei Jahre verlängert werden.

Allerdings kämpfen die Venture-Capital-Fonds derzeit mit schwierigen Rahmenbedingungen. Das Geschäftsklima, gemessen am Investorenbarometer von KfW und dem Branchenverband BVK, hatte im vierten Quartal 2023 leicht nachgegeben.

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Vor allem beim Fundraising und bei den Exits – mittels Verkäufen der Beteiligungen oder durch Börsengänge – herrscht Unzufriedenheit. Auch weltweit ist die Stimmung gedrückt. Der Exit-Wert von 30,7 Milliarden Dollar in den ersten drei Monaten des Jahres ist der niedrigste Wert in einem Quartal seit Ende 2016, geht aus Daten des Analysehauses Pitchbook hervor. Viele Firmen blieben zunächst in den Portfolios der Venture-Capital-Fonds, was auf die Rendite drücke. Liqid rechnet mit 20 Prozent Rendite nach Kosten.

Investitionen in Wagniskapital sind teuer

Für Anleger relevant sind jedoch die hohen Gebühren von Dachfonds. Diese sind nach Zeichnungssumme gestaffelt, von 0,88 Prozent bis hin zu 1,18 Prozent bei einem Investment von 200.000 Euro. Außerdem fällt eine Erfolgsbeteiligung an sowie weitere Kosten für die Zielfonds, also etwa für Sequoia oder Andreessen Horowitz.

„Aber: Die Unternehmen, die zum Erfolg werden, kompensieren das“, sagt Schneider-Sickert.

Eine Beteiligung an Liqid hält Dieter von Holtzbrinck Ventures, eine Schwestergesellschaft der Dieter von Holtzbrinck Medien, zu der auch die Handelsblatt Media Group gehört.

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