Bitcoin-Halving: Wie Profis das Kurspotenzial einschätzen
Düsseldorf. Die Euphorie am Markt für Kryptowährungen ist abgeebbt. Der Bitcoin, die älteste und wichtigste der Digitalwährungen, scheitert bislang daran, nachhaltig über die Marke von 70.000 Dollar zu steigen. Seit dem Mitte März erreichten Rekordhoch von 73.750 Dollar bewegt sich der Kurs rund um diese Marke unter Schwankungen seitwärts, wie Daten der Analyseseite Coinmarketcap zeigen.
Dabei steht voraussichtlich am 20. April ein Ereignis an, das in der Vergangenheit stets die Kurse getrieben hat: das Bitcoin-Halving.
Dabei wird die Belohnung für die Verifizierung von Bitcoin-Transaktionen halbiert. Dadurch kommen weniger neue Bitcoin in Umlauf und das Angebot wächst langsamer. Zu diesem Ereignis kommt es rund alle vier Jahre, nach den bisherigen drei Halvings stiegen die Kurse stark an.
Dass sich das diesmal wiederholt, bezweifelt Fred Thiel. Der Vorstandschef des Bitcoin-Miners Marathon Digital verweist darauf, dass der Bitcoin-Kurs bereits stark gestiegen ist, nachdem die US-Börsenaufsicht börsengehandelte Fonds zugelassen hat, die den Bitcoin-Kurs direkt abbilden (Spot-ETFs).
„Ich denke, dass die ETF-Zulassung, die ein großer Erfolg war, Kapital in den Markt gelockt hat und im Wesentlichen den Preisanstieg vorverlegt hat, den wir normalerweise drei bis sechs Monate nach dem Halving gesehen hätten“, sagte Thiel in einem Interview bei Bloomberg-TV.
Sein Unternehmen ist direkt vom Halving betroffen: Marathon Digital validiert mit Hochleistungscomputern die Bitcoin-Transaktionen und erhält dafür eine Belohnung, die sich nun halbiert.
Die Entwicklung der Geldflüsse bei den Bitcoin-ETFs stützt Thiels-These: Laut Daten der Kryptobörse Bitmex flossen seit Handelsstart der Produkte am 11. Januar dieses Jahres bis zum Bitcoin-Rekord am 14. März netto rund zwölf Milliarden Dollar in entsprechende Fonds. In diesem Zeitraum stieg die Kryptowährung um mehr als 50 Prozent.
Zuletzt nahmen die Zuflüsse aber ab. Netto kamen seit dem Rekordhoch noch rund 600 Millionen Dollar in die ETFs – dadurch sank der durchschnittliche tägliche Zufluss von 260 Millionen Dollar auf 30 Millionen.
Gleichzeitig stoppte die Bitcoin-Rally: In der Spitze verlor die Cyberdevise 17 Prozent an Wert. Dazu trug bei, dass Langfristanleger einen Teil ihrer aufgelaufenen Gewinne realisierten, wie Daten der Analyseseite Glassnode zeigen.
Anschließend erholte sich der Kurs zwar wieder, die Marktstimmung kühlte aber ab. Eine Umfrage der Deutschen Bank zeigt, dass fast ein Drittel der weltweit befragten Anlegerinnen und Anleger damit rechnen, dass der Bitcoin zum Jahresende unter die Marke von 20.000 Dollar fallen wird. Das wäre ein Minus von 70 Prozent zum aktuellen Kurs.
JP Morgan erwartet Bitcoin-Korrektur auf 42.000 Dollar
Der Bitcoin ist bekannt für seine unvorhersehbaren Kursbewegungen. Im Jahr 2021 stieg der Kurs beispielsweise um mehr als 130 Prozent auf sein damaliges Rekordhoch von knapp 69.000 Dollar, fiel dann aber ein Jahr lang, ehe er bei unter 16.000 Dollar seinen Tiefpunkt fand.
Einen derartigen Crash erwarten Experten aus der Kryptobranche zwar nicht, deutlich fallende Kurse aber schon. Die Analysten der US-Großbank JP Morgan um Nikolaos Panigirtzoglou erwarten nach dem Halving eine Korrektur auf rund 42.000 Dollar.
Auch Arthur Hayes, Mitgründer von Bitmex, rechnet nach dem Halving zunächst mit fallenden Kursen. Die Gründe erklärt er in einem Blog-Eintrag: „Das Narrativ, dass das Halving positiv für die Kryptopreise ist, ist fest verankert. Wenn sich die meisten Marktteilnehmer auf ein bestimmtes Ergebnis einigen, tritt normalerweise das Gegenteil ein. Deshalb glaube ich, dass Bitcoin und die Kryptopreise im Allgemeinen um das Halving herum einbrechen werden.“
Langfristig rechnet er aber mit steigenden Kursen. Das mag beim Gründer einer Kryptobörse nicht verwundern, es gibt aber auch immer mehr optimistische Einschätzungen aus der etablierten Finanzwelt.
Krypto im Portfolio? BCA Research und Wisdomtree sind optimistisch
Laut Dhaval Joshi, Chefstratege des kanadischen Analysehauses BCA Research, sind beim Bitcoin langfristig Kurse von 100.000 Dollar möglich. Er sieht die Kryptowährung ähnlich wie Gold als Schutz gegen Inflation und Enteignung: „Bitcoin kann nicht durch Inflation erfasst werden, und selbst bei einem Bankrott von Banken bleibt das Kryptovermögen sicher“, schrieb Joshi in seiner Studie.
Pierre Debru, Leiter Quantitatives Research & Multi-Asset-Solutions beim Vermögensverwalter Wisdomtree, ist daher der Meinung, dass es eine aktive Wette gegen Kryptowährungen sei, diese nicht im Portfolio zu haben. Seiner Ansicht nach sei es in Anbetracht des weltweiten Angebots regulierter Anlageinstrumente heute praktisch unmöglich, die Assetklasse Kryptowährungen als Ganzes abzutun.
Ein stärkeres Engagement von Profianlegern im Kryptosektor gilt schon lange als möglicher Preistreiber. Da die maximal ausgegebene Menge an Bitcoin auf 21 Millionen begrenzt ist, könnte das zu einem deutlichen Kursanstieg führen.
Erstpublikation: 12.04.2024, 17:02 Uhr.