Kommentar: Die falsche Bescheidenheit der Anleger

Die Ergebnisse überraschen nicht, sind aber wieder krass: Die allermeisten Manager der 5400 Investmentfonds, die in Europa angeboten werden, haben im guten Börsenjahr 2023 schlechter abgeschnitten als ihre Vergleichsindizes, wie der Indexanbieter S&P feststellt.
In wichtigen Anlageklassen wie den global anlegenden Aktienfonds, mit denen viele Anleger versuchen, längerfristig ein Vermögen anzusparen, sind die Ergebnisse besonders frappierend: 2023 allein waren 84 Prozent der Fondsmanager schlechter als der Index S&P World, über die vergangene Dekade waren es mit 98 Prozent sogar fast alle.
Hohe Gebühren schmälern die Rendite
Der maßgebliche Grund für dieses dauerhaft schlechte Abschneiden sind Gebühren: Für Aktienfonds verlangen Anbieter zumeist 1,7 bis zwei Prozent des angelegten Kapitals im Jahr, für speziellere Produkte wie Schwellenländerfonds nehmen auch große deutsche Fondshäuser zum Teil deutlich mehr. Kaufgebühren zahlen Anleger in der Regel noch extra. Über die Jahre frisst das die Rendite weg.
Da verwundert es nicht, dass die indexnachbildenden, börsengehandelten Fonds (ETF) immer beliebter werden. Sie kosten oft nur ein Zehntel der Gebühren aktiv gemanagter Fonds.
Der ETF-Markt hat sich in Europa seit 2010 versiebenfacht auf gut 1,6 Billionen Euro, ihr Anteil am Fondsmarkt hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt auf rund zwölf Prozent. Verwunderlich ist eher, dass Anleger überhaupt noch aktiv gemanagte Fonds kaufen. Im Kern liegt es daran, dass Finanzprodukte von Beratern verkauft werden, die für ihre Arbeit auch bezahlt werden wollen.
» Lesen Sie auch: Worauf Sie bei einem ETF-Sparplan für Ihr Kind achten sollten
Viele Anleger schauen nicht genau auf die Ergebnisse ihrer Fonds oder sind einfach zu bescheiden. Aber wie lange noch? Und was, wenn sich das noch deutlicher ändert? Darauf muss die Finanzbranche Antworten finden.