Indien: Modis Traum von der Weltmacht – Woran der Plan noch scheitern könnte
- Als Vorbild für Indien wird immer wieder China genannt. Doch tatsächlich unterscheiden sich die beiden Volkswirtschaften deutlich.
- Für die indische Wirtschaftspolitik kommt es jetzt vor allem darauf an, neben dem Dienstleistungssektor auch eine starke Industrie aufzubauen. Doch die politischen Hürden sind enorm.
- Auch Anleger können von Indiens Boom profitieren. Eine Gebrauchsanweisung für den indischen Aktienmarkt lesen Sie hier.
Neu Delhi. Narendra Modi kam wie ein Erlöser aus der Luft. An den Tag im November 2014, an dem der Hubschrauber des damals frisch gewählten Premierministers ins Dorf Jayapur im Bundesstaat Uttar Pradesh einschwebte, erinnern sich die Bewohner noch heute. Viele von ihnen sahen damals zum ersten Mal einen Helikopter.
„Modi hat uns inspiriert“, sagt Narain Singh Patel, langjähriger Dorfvorsteher von Jayapur. Der 65-Jährige sitzt auf einem Plastikstuhl vor seinem Haus, wo er Kurkuma und Senfsamen in der Sonne trocknet. Er erzählt, er habe Modi in einem Brief um Unterstützung für seine abgelegene 4000-Einwohner-Gemeinde gebeten. Schon eine Antwort zu erhalten habe er als unwahrscheinlich erachtet, sagt Patel. „Ich hatte nie daran geglaubt, dass er persönlich vorbeikommt.“
Patel beschreibt Modis Besuch als Beginn eines neuen Zeitalters: Vorher habe Jayapur höchstens über vier bis fünf Stunden Strom am Tag verfügt, Fahrzeuge hätten sich über holprige Wege gequält und ihre Notdurft verrichteten viele Dorfbewohner laut Patel im Freien.