Smartphones: China straft Apple ab – iPhone-Absatz fällt um fast 20 Prozent
Düsseldorf. Apple verliert die Marktführerschaft in China. Nach neuen Zahlen von der unabhängigen Marktforschung Counterpoint mit Sitz in Hongkong geht der Absatz von iPhones im ersten Quartal um 19,1 Prozent nach unten.
Das ist ein großer Rückschlag für Apple, das vom ersten auf den dritten Platz in dem wichtigsten Smartphone-Markt der Welt fällt. Es ist auch das schlechteste Ergebnis für den Konzern seit 2020, als durch die Coronapandemie die Verkaufszahlen fielen.
Insgesamt wächst nach einer Schwächephase durch die Coronapandemie die Nachfrage nach Smartphones in China wieder. In den ersten drei Monaten des Jahres stieg der Absatz laut Counterpoint um 1,1 Prozent.
Das Quartal gilt bei Analysten als bedeutsam, weil in dem Zeitraum das chinesische Neujahrsfest liegt – es gilt als wichtigster Feiertag im Land und ähnlich wie Weihnachten in der westlichen Welt als bedeutendes Konsumereignis.
Zur Schwäche von Apple dürften verschiedene Faktoren beigetragen haben. So brachte Rivale Huawei in der Mate-60-Reihe mehrere Modelle auf den Markt, die im Premiumsegment erfolgreich waren. Der Konzern, der zugleich größter Netzausrüster der Welt ist, steigerte den Absatz um rund 70 Prozent. Zugleich zögern viele Apple-Nutzer, sich neue Hardware zu kaufen.
Dazu ist Wettbewerb so intensiv wie noch nie, erklärte Counterpoint-Analystin Mengmeng Zhang: Sechs Anbieter sind mit Marktanteilen zwischen rund 15 und 17 Prozent nahezu gleichauf – Marktführer ist Vivo, das in Europa als Sponsor der Fußball-Europameisterschaft Bekanntheit erlangen will, dahinter folgen Honor, Apple, Huawei, Oppo und Xiaomi.
„Die Smartphone-Hersteller kämpfen während der Feiertage hart um die Kunden“, erklärte Mengmeng Zhang. Besonders die chinesischen Anbieter profitierten mit günstigen Angeboten für Wanderarbeiter, die anlässlich des Fests in die Heimat reisen. Dadurch sei der Abstand zwischen den großen Anbietern noch kleiner geworden.
Apple hat Probleme bei der KI
Auch wächst in dem autokratisch regierten China der Druck auf Apple. Staatsbedienstete dürfen laut verschiedenen Medienberichten nicht mehr Smartphones ausländischer Hersteller an den Arbeitsplatz mitbringen. Auch in anderen Segmenten der Technologiebranche drängt die Regierung darauf, Produkte aus dem Westen zu ersetzen.
USA haben ihrerseits den Export etlicher Hochtechnologie-Güter nach China verboten. Die Maßnahmen richten sich gegen die chinesische Chipindustrie und sind teils gezielt auf Huawei zugeschnitten.
So schnell dürfte die Situation für Apple nicht besser werden. Counterpoint prognostiziert zwar fürs laufende Jahr ein Wachstum im einstelligen Prozentbereich in China.
Allerdings erwartet das Analysehaus, dass Funktionen mit generativer Künstlicher Intelligenz (KI) zu einem wichtigen Vermarktungsargument werden – auch hier hat der iPhone-Hersteller bislang nur wenig zu bieten. Auch wenn sich das in Zukunft ändern sollte, wird die chinesische Regierung einem amerikanischen KI-Modell misstrauisch gegenüber sein und könnte Auflagen wie eine eingeschränkte Nutzung erlassen.
Apple reagiert mit Preisnachlässen
China ist für Apple mit einem Umsatz von 72,6 Milliarden Dollar 2023 der drittgrößte Markt. In Europa kommt der Konzern auf 94,2 und in Amerika auf 162,5 Milliarden Dollar.
China ist für Apple nicht nur wegen dem Milliardenumsatz ein wichtiges Land. Dort stellt der Konzern immer noch mehr als 90 Prozent der iPhones und iPads her, auch wenn es derzeit versucht, mehr Fabriken in Indien aufzubauen.
Bereits im vierten Quartal 2023 musste Apple schlechte Zahlen für China berichten. Finanzchef Luca Maestri sprach von „dem Land mit dem meisten Wettbewerb der Welt“. Chef Tim Cook zeigte sich trotzdem „langfristig sehr optimistisch“ für den chinesischen Markt.
Apple reagierte bereits vor Monaten mit Preisnachlässen, ein für das Unternehmen sonst undenkbares Vorgehen. Im vergangenen Januar senkte es die Preise für das iPhone 15 um rund fünf Prozent, dazu kommen noch Rabatte vom Einzelhandel. Zusammengenommen zahlen Chinesen bis zu 180 Dollar weniger für ein iPhone 15.
Auch bietet der Konzern in diesen Wochen neue Farben für das Smartphone an. Laut Counterpoint-Analyst Ivan Lam könnte das „neben den aggressiven Verkaufsinitiativen die Marke zurück in ein positives Terrain“ bringen. Eine weitere Hoffnung für Lam: Auf der Entwicklerkonferenz im Juni könnte Apple neue KI-Anwendungen bekannt geben. „Damit könnte sich langfristig vieles verändern“, sagte Lam.