Kommentar: Deutsche Bank – Keine Angst vor dem Investmentbanking

Der Befund ist nicht ganz neu, aber ein bisschen muss man sich noch daran gewöhnen: Der Deutschen Bank geht es wieder gut, gemessen an der Entwicklung des Börsenkurses sogar ziemlich gut.
In den vergangenen zwölf Monaten legte die Aktie des größten heimischen Geldhauses trotz des Debakels bei der IT-Umstellung bei der Postbank um rund 60 Prozent zu. Damit stellen die Frankfurter sogar die scheinbar übermächtige US-Konkurrenz in den Schatten. Die am Donnerstag vorgelegten Zahlen für das erste Quartal fielen ebenfalls recht ansprechend aus. Unter dem Strich steigt der Gewinn um zehn Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, das beste Ergebnis seit 2013.
Begeisterung lösten die Zahlen trotzdem nicht aus: „Okay, aber nichts Besonderes“, kommentieren die Analysten von KBW. Das klingt nach Langeweile. Aber Langeweile ist genau das, was der Deutschen Bank so viele Jahre lang gefehlt hat, und so wirkt das etwas despektierliche Urteil auf all jene, die das Schicksal der Bank im vergangenen Jahrzehnt begleitet haben, fast schon beruhigend.
Im ersten Quartal, dem traditionell wichtigsten für die Branche, waren es vor allem die Investmentbanker, die die Profite nach oben trieben. Und das ist auch sehr gut so, auch wenn damit die Diskussion, ob sich die Deutsche Bank nicht wieder in Geiselhaft der hauseigenen Zocker in den Handelssälen in London und New York begibt, neue Nahrung bekommt.
Im Investmentbanking zählt die Deutsche Bank zur absoluten Weltspitze
Als Vorstandschef Christian Sewing 2019 seinen Umbauplan für die schwer angeschlagene Bank vorstellte, trat er mit dem Ziel an, die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen und in Verruf geratenen Investmentbanking zu reduzieren. Das war damals richtig, denn die Deutsche Bank hatte viel zu lange an unprofitablen Geschäftsfeldern in ihrer Investmentbank festgehalten. Ein ausgewogenerer Ertragsmix war dringend nötig.
Richtig ist aber auch, dass das Investmentbanking der wichtigste komparative Vorteil der Deutschen Bank vor den anderen europäischen Geldhäusern ist. Firmen- und Privatkundengeschäft können viele. Die Vermögensverwaltung beherrscht die Schweizer UBS deutlich besser als die Frankfurter. Aber im Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten zählt die Deutsche Bank zur absoluten Weltspitze und schnitt im ersten Quartal besser ab als einige der Wall-Street-Riesen.
Aber es geht nicht nur um Wohl und Wehe der Deutschen Bank, sondern auch um den Standort Deutschland. Ein Land, das in der Rangliste der wichtigsten Wirtschaftsmächte den dritten Rang verteidigen will, braucht eine global handlungsfähige Investmentbank. In Zeiten, in denen die Geopolitik immer stärker die wirtschaftlichen Zeitläufte bestimmt, ist eine Investmentbank als nationales Asset ein Must-have.