Schulden der USA: „Die US-Regierung kann eine Art Schneeballsystem betreiben“
Frankfurt. Markus Brunnermeier gilt als einer der führenden Experten für die Themen Finanzkrisen und Geldpolitik. Die Debatte um die hohen Schulden der USA verfolgt der Professor der Universität Princeton genau. Obwohl die Schulden und die Zinsausgaben in der größten Volkswirtschaft der Welt immer weiter steigen, profitiert das Land von „einem Privileg an den Finanzmärkten“, wie Brunnermeier im Gespräch mit dem Handelsblatt klarstellt. Eine politische Krise könnte diesem Privileg allerdings ein Ende setzen.
Lesen Sie hier das gesamte Interview:
Herr Brunnermeier, gibt es einen Ausweg aus der Falle der immer höheren Staatsschulden in den USA?
Im Prinzip schon, aber es fehlt der politische Wille, und zwar bei beiden Parteien. In der Vergangenheit haben die Republikaner gerne Steuern gesenkt und dadurch die Neuverschuldung hochgefahren. Die Demokraten haben dann, wenn sie die Macht hatten, die Finanzen etwas ins Gleichgewicht gebracht. Aber das hat sich geändert. Die Demokraten sehen nicht mehr ein, dass sie auf Ausgaben verzichten sollen.
Wie kommt das?
Das Land ist politisch zerrissen und polarisiert. Die Demokraten befürchten, dass ein Sieg von Donald Trump in der Präsidentschaftswahl im Herbst letztlich teurer wäre, als jetzt noch weiter Geld auszugeben, um die Wähler zufriedenzustellen.
Die USA geben gerade große Mengen an Staatspapieren aus, um ihre Ausgaben zu finanzieren. Kann es irgendwann zu einem Käuferstreik kommen, also dazu, dass die Investoren die steigende Masse an Staatsanleihen nicht mehr kaufen wollen? Oder immer höhere Renditen verlangen?