Investorenbarometer: Stimmung der Start-up-Investoren steigt wieder
Frankfurt. Die Stimmung der Start-up-Investoren steigt. Das zeigt das Investorenbarometer der Förderbank KfW und des Branchenverbands BVK. Der entsprechende Indikator stieg im ersten Quartal 2024 um 6,7 Zähler auf minus 20,5 Punkte.
Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, gibt eine positive Einschätzung zu den Daten ab. „Die Investorenstimmung zieht zum Jahresbeginn 2024 wieder an. Sie bleibt zwar unterkühlt, wir sehen aber erfreuliche Anzeichen dafür, dass es auch weiterhin aufwärtsgeht.“
Es scheint, dass die Hoffnung auf Zinssenkungen im Jahresverlauf die Stimmung hebt, sagt Köhler-Geib. Denn fallende Zinsen machen Wachstumskapital für Anleger wieder attraktiver.
Das Fundraising-Klima auf dem deutschen Venture-Capital-Markt stieg im ersten Quartal moderat an. Fundraising bedeutet im Fachjargon, neue Fonds aufzulegen und Investorengeld einzusammeln. Der Teilindikator liegt zwar seit dem Absturz 2022 mit minus 32 Punkten immer noch tief im Minus, ist aber im Vergleich zum Vorquartal um knapp sieben Zähler gestiegen.
Dass sich das Fundraising-Klima langsam bessert, hängt auch mit zunehmenden Exit-Erlösen zusammen. Exit-Erlöse entstehen unter anderem durch Börsengänge junger Technologieunternehmen. Die Möglichkeiten dieser Exits („Ausstiege“) sind im ersten Quartal um über sieben Zähler gestiegen.
Bis zu zehn IPOs 2024 und 2025
Das Klima für mögliche Börsengänge (Initial Public Offerings, kurz IPOs) gewinnt am stärksten. Nach mehreren erfolgreichen IPOs in diesem Jahr rechnet Deutsche-Börse-Kapitalmarktchef Stefan Maassen mit weiteren Debüts. „Ich erwarte, dass wir Tech-IPOs in den nächsten sechs bis neun Monaten sehen“, sagt er. Insgesamt rechnet der Experte mit sechs bis zehn Börsengängen in 2024 und 2025 in diesem Bereich.
Maassen beobachtet, dass sich viele Jungfirmen auf einen Börsengang vorbereiten. „Das Interesse am Kapitalmarkt ist hoch“, sagt er. Ob ein Unternehmen bereit für einen Börsengang ist, hänge von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sei, ob das Unternehmen so organisiert sei, dass es in der Lage ist zu skalieren.
Außerdem sollte die Firma über ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfügen und profitabel sein. „Wir haben sehr hohe Bewertungen im Tech-Bereich und eine sich schnell ändernde Zinslandschaft gesehen“, sagt der Kapitalmarktexperte. Das habe das Interesse der Investoren verändert, weg von Wachstum hin zu Profitabilität.
Ob mehr Tech-Firmen den Sprung an die Börse schaffen, hänge aber auch von äußeren Umständen ab, etwa der Regulierung in Deutschland und Europa. Das Zukunftsfinanzierungsgesetz sowie der EU-Listing-Act waren wichtige Schritte, um Börsengänge zu erleichtern, findet Maassen. Doch sei noch immer zu wenig Kapital verfügbar.
Zahlen der Bundesbank zeigen, dass sich das Geldvermögen der privaten Haushalte mit 7,7 Milliarden Euro zwar auf Rekordniveau befindet, aber knapp 42 Prozent für Bargeld und Einlagen abgestellt sind. „Dieses Kapital ist unproduktiv und muss mobilisiert werden für Eigenkapitalinvestitionen“, sagt Maassen.
Rund 30 Prozent des Geldvermögens werden laut den Daten für Versicherungs- und Alterssicherungssysteme verwendet, jeweils 12,5 Prozent sind auf Anteile an Investmentfonds sowie Aktien und sonstige Anteilsrechte verteilt.
Investitionserwartungen auf Höchstniveau
Das Klima für neue Investitionsanfragen an die Venture-Capital-Manager verschlechterte sich im ersten Quartal dieses Jahres nach dem Anstieg im Schlussquartal 2023 laut dem Investorenbarometer leicht. Doch die Investitionserwartungen sind im Vergleich zur aktuellen Lage so optimistisch wie noch nie.
Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BVK, sagt: „Sollte es in diesem Jahr keine weiteren konjunkturellen Hiobsbotschaften geben und die erwartete Zinswende tatsächlich kommen, dürfte die Marktstimmung weiter zulegen.“ Dies werde sich auch in steigenden Investitionen niederschlagen.
„Die Fonds verfügen über substanzielle Mittel und halten Ausschau nach attraktiven Start-ups. Sollten die Einstiegsbewertungen wieder ansteigen, dürfte das laufende Jahr ein günstiger Zeitpunkt sein, die Zurückhaltung zu beenden und die Investitionen anzuziehen“, sagt Hinrichs.
Im Hinblick auf Einstiegsbewertungen für Neuengagements ist die Stimmung der Investoren deutlich gesunken. Der Teilindikator ist im Vergleich zum Vorquartal um rund 15 Zähler eingeknickt.
Laut Köhler-Geib deute die Unzufriedenheit der Investoren mit den Einstiegspreisen darauf hin, dass Start-ups wieder bessere Bewertungen durchsetzen könnten „und sich somit ein gewisser Druck aufbaut, das noch reichlich vorhandene trockene Pulver so langsam einzusetzen“.