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Märkte InsightSorge um den US-Verbraucher

Nur die wohlhabenden Amerikaner konsumieren weiter wie bisher. Alle anderen fahren ihre Ausgaben zurück und bringen Aktien wie Starbucks und Airbnb unter Druck, beobachtet US-Korrespondentin Astrid Dörner.Astrid Dörner 09.05.2024 - 17:59 Uhr
Marktkolumne, 090, ET 10.05.2024, Astrid Dörner Foto: AP

Die amerikanischen Aktienmärkte haben – wieder einmal – ein erstaunliches Comeback geschafft. Nach der Schwächephase im April war der breit gefasste S&P 500 zum Börsenstart am Donnerstag nur noch gut 1,5 Prozent von seinem jüngsten Allzeithoch entfernt.

Und doch fehlt der Enthusiasmus der Investoren, der noch zum Jahresanfang so stark zu spüren war. Dafür gibt es gute Gründe: Da wären zum einen die Exportbeschränkungen für Intel, die den Anlegern auf die Laune drücken, genauso wie neue Untersuchungen rund um Teslas Autopiloten.

Ein anderer wichtiger Grund ist der deutliche Stimmungsumschwung, der in der amerikanischen Wirtschaft zu spüren ist: Die hartnäckige Inflation macht den Verbrauchern nun zunehmend zu schaffen. Nicht allen, sicherlich, in den USA ist die Schere zwischen Arm und Reich schließlich größer als in anderen Industrienationen.

Aktienkurse spiegeln Kaufzurückhaltung wider

Doch abseits der wohlhabenden Verbraucher zeigt sich eine neue Kaufzurückhaltung, die sich auch in den Aktienkursen verschiedener Konzerne widerspiegelt. Da wäre zum einen Starbucks. Die für ihre teuren Kaffee-Drinks bekannte Kette meldete vergangene Woche, dass die Besucherzahlen in ihren US-Verkaufsstellen in den ersten drei Monaten des Jahres um sieben Prozent zurückgegangen sind. Sieben Dollar plus Trinkgeld für einen Latte Macchiato ist für viele Amerikaner schlicht zu teuer geworden. Gepaart mit einer Schwächephase in China hat das die Aktie um 15 Prozent einbrechen lassen.

Die Liste aber ist lang: Die Reiseplattform Trip-Advisor verlor am Mittwoch knapp 30 Prozent, weil die Quartalszahlen schlechter ausfielen als erwartet und ein erhoffter Verkauf an einen Konkurrenten abgeblasen wurde. Das Papier des Zimmervermieters Airbnb gab am Mittwoch nachbörslich um acht Prozent nach, weil der Ausblick schwächer war als erwartet.

Auch bei Roblox zeigt sich die Zurückhaltung. Die in der Pandemie so beliebte Videospieleplattform kassierte am Donnerstag ihre Jahresprognose mit Verweis auf die unsichere wirtschaftliche Lage, die die Kunden vorsichtiger lassen würde. Investoren reagierten sofort: Die Aktie brach zum Börsenstart in New York um 22 Prozent ein.

Einkaufsstraße in Manhattan: Abseits der wohlhabenden Verbraucher zeigt sich eine neue Kaufzurückhaltung, Foto: Bloomberg

Die Stimmung war am Donnerstag uneinheitlich an der Wall Street. Der Leitindex Dow Jones startete 0,2 Prozent schwächer in den Handel. Der S&P und der technologielastige Nasdaq bewegten sich zunächst seitwärts. Wie sehr dieser Trend die Aktienkurse mittelfristig belasten wird, muss sich erst noch zeigen. Eine kleine Sommerpause könnte genau das sein, was die Wirtschaft braucht. Sie könnte schließlich den Druck von der zuletzt wieder steigenden Inflation nehmen und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dazu veranlassen, mit den lange erhofften Zinssenkungen zu beginnen.

Analysten der UBS gehen weiter davon aus, dass der Fed eine sogenannte weiche Landung gelingen wird, bei der die Wirtschaft – wie gerade zu beobachten ist – leicht abgebremst wird, ohne in eine Rezession zu fallen.

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Doch das Risiko steigt, dass der Wirtschaft der Schwung ausgeht und die Fed zu spät handelt. Die Arbeitslosenquote stieg zuletzt leicht an, auf 3,9 Prozent. Das Lohnwachstum schwächte sich ab. „Wir sollten nicht vergessen, dass die Löhne, insbesondere in den niedrigeren Einkommensschichten, der Schlüssel zu Konsum und Wirtschaftswachstum sind“, gab der Kapitalmarktexperte Mohamed El-Erian zu bedenken, der unter anderem die Allianz berät. Wenn die Notenbanker nicht rechtzeitig auf die Bremse treten, könnte es zu spät sein, um diese Abwärtsspirale aufzuhalten.

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