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SchlafstörungenWarum Berufstätige immer schlechter schlafen

Schlaf ist einer der letzten nicht durchoptimierten Räume in unserem Leben. Dabei ist guter Schlaf Voraussetzung für ein erfolgreiches Leben. Nur wie gelingt der? 07.06.2024 - 04:00 Uhr
Wie viel Schlaf darf es sein? Foto: picture alliance / Zoonar

Düsseldorf. Wir verbringen mit ihm gut ein Drittel unseres Lebens, dennoch ist er für viele einer der großen Unbekannten: der Schlaf. Was wir genau in den durchschnittlich sieben Stunden erleben, die wir im Schlaf verbringen, ist vielen von uns unklar.

Klar ist aber: Der Schlaf wird von vielen noch immer nicht ernst genommen als Möglichkeit, sich zu regenerieren, Energie zu schöpfen, Glück zu fühlen.

Die Autorin Theresia Enzensberger hat sich des Themas nun in ihrem neuen Buch angenommen. Im Interview erklärt sie, warum Schlaf für viele von uns schwierig ist – und wie Schlaf und Arbeitsleben zusammenhängen.

Frau Enzensberger, was fasziniert Sie so am Schlaf, dass Sie ein ganzes Buch dazu geschrieben haben?
Der Schlaf ist ja irgendwie sehr widersprüchlich. Er ist unmöglich zu beschreiben, er ist eine Art phänomenologische Lücke, und gleichzeitig bestimmt er so viel von unserem Wachzustand: unsere Laune, Produktivität – vor allem aber unsere Gesundheit. Wer nicht genügend schläft, wird krank. Und trotzdem wird das Schlafbedürfnis oft ignoriert, zugunsten der Arbeit, der Freizeit, des Soziallebens.

Was können wir im Schlaf schaffen, was wir am Tag nicht schaffen?
Wir können uns regenerieren! Das ist ja das Wunderbare am Schlaf: Durch die Ohnmacht, durch das Schwachwerden, regenerieren wir uns, schöpfen also Kraft. Das ist ein Mechanismus, der durch den Leistungsgedanken, der ja auf Kraft durch harte Arbeit baut, für sehr viele Menschen nicht mehr intuitiv ist.

Theresia Enzensberger:
Schlafen
Hanser
112 Seiten
ISBN: 978-3-446-27962-9
20 Euro

Der Schlaf als Schwäche?
Deswegen frage ich im Buch auch, ob der Schlaf vielleicht ein positives Bild der Schwäche darstellen kann – Schwäche wird ja sonst eher stigmatisiert, wie man nicht nur daran sieht, dass eine „Schwäche“ auch einen Fehler meinen kann.

Haben Sie eine Einschlafroutine?
Ich versuche, mich so gut es geht, an die Empfehlungen der Schlafmedizin zu halten: keine Bildschirme vor dem Einschlafen, reguläre Zeiten, dunkles, kühles Schlafzimmer. Dass das alles manchmal nichts hilft, ist eine der Boshaftigkeiten der Insomnie.

Welche Schlafphase ist Ihnen die liebste?
Tiefschlaf! Schwer zu erreichen, wunderbar schwarz und gedankenlos. Die Einschlafphase ist mein Endgegner, bei der weiß man nie, wie lang sie sich zieht.

Wie sich Stress auf Schlaf auswirkt

Warum schlafen wir so schlecht?
Es ist ja völlig einleuchtend, dass Stress sich negativ auf den Schlaf auswirkt. Dass das auch der Stress von Diskriminierung, Arbeitslosigkeit und Armut sein kann, wird oft weniger bedacht – dabei haben wir statistische Hinweise darauf, dass beispielsweise Menschen mit weniger Einkommen oder ohne Arbeit schlechter schlafen. Gleichzeitig sind Schlafstörungen bei Berufstätigen in den 2010er-Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die Menschen nehmen mehr Schlaftabletten und melden sich seltener krank. Man erlaubt sich keine Ruhe.

Eine Folge unserer Art zu arbeiten?
Der Schlaf bringt den Kapitalismus in ein Dilemma: Auf der einen Seite muss die Erholung so weit wie möglich begrenzt werden, um Arbeitskraft freizusetzen, auf der anderen Seite schwächt Schlaflosigkeit die Arbeitskraft.

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Wie sinnvoll ist es, Schlaf auch noch optimieren und damit ökonomisieren zu wollen?
Der Gedanke, der Schlaf sei optimierbar, kommt aus dem Leistungsversprechen, das uns alle begleitet: Wenn wir uns nur genügend anstrengen, so die Idee, können wir auch besser schlafen. Jeder Mensch, der länger mit Schlaflosigkeit zu tun hatte, hat am eigenen Leibe erfahren, dass das nicht stimmt.

Ist man im Schlaf ein anderer Mensch?
Ja und nein. Ja, weil die Hingabe an die Bewusstlosigkeit ja eine Art Wesensveränderung voraussetzt. Nein, weil uns unsere Sorgen, Ängste und Wünsche natürlich bleiben und bis in unsere Träume verfolgen.

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Warum ist das Erwachen manchmal so schwer?
Kommt drauf an, manchmal ist es ja auch ganz leicht – Roland Barthes zum Beispiel spricht vom Erwachen als „reinem Moment der Sorglosigkeit“. Wenn man allerdings in der Tiefschlafphase geweckt wird, kann es sein, dass man in einem Zwischenreich landet: Nachtschreck oder Pavor nocturnus heißt der entsetzlich beängstigende Zustand, in dem man weder seine Umgebung noch vertraute Personen wiedererkennt. Er kann fast eine Viertelstunde anhalten.

Was sagt es über unsere Welt aus, dass die Mehrheit der Deutschen über Schlafprobleme klagt?
Die Frage ist ja: Sind Schlafprobleme etwas, was individuelle Ursachen hat, also praktisch Privatsache ist? Unser Verständnis von Schlaf ist in diese Richtung geprägt: Wir denken an die Schläferin als jemanden, der von der Außenwelt abgeschottet, ganz bei sich ist. Sowieso tendieren wir dazu, Probleme beim Individuum verorten zu wollen. Aber natürlich spielt die Umwelt eine Rolle – und gesellschaftspolitische Entwicklungen können den Schlaf positiv oder negativ beeinflussen. Inwieweit das so ist, dieser Frage gehe ich in meinem Essay nach.

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