Konjunktur: Wirtschaftsweise erwarten leichten Aufschwung der deutschen Wirtschaft
Berlin. Der Sachverständigenrat Wirtschaft rechnet mit einem nur leichten Wachstum in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im laufenden Jahr um 0,2 Prozent wachsen, erwarten die Wirtschaftsweisen in ihrer neuen Konjunkturprognose. Das erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen.
In ihrer vorigen Prognose vor gut einem halben Jahr waren sie noch von einer Steigerung von 0,7 Prozent ausgegangen. Die fünf Ratsmitglieder stellen die Prognose am Mittwoch in Berlin vor. Trotz verbesserter Frühindikatoren droht das Wachstum im laufenden Jahr insgesamt so schwach zu bleiben, weil der Jahresstart so miserabel war.
Für 2025 erwarten die Wirtschaftsweisen ein Wachstum von 0,9 Prozent und liegen damit unterhalb der Prognosen der Bundesregierung und der Forschungsinstitute.
Bei der Preisentwicklung rechnet der Sachverständigenrat mit weiteren Rückgängen. Im laufenden Jahr werde die Inflationsrate bei 2,4 Prozent liegen, so die Prognose. 2025 sollen es noch 2,1 Prozent sein. Die Kerninflation, bei der die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden, bleibt laut Wirtschaftsweisen-Prognose allerdings höher, so die Regierungsinsider.
Aktuell stagniert die Teuerung in Deutschland. Die Verbrauchpreise lagen im April erneut um 2,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Seit Jahresbeginn gab es einen leichten Rückgang der Inflation, diese gerät nun ins Stocken.
Für Nahrungsmittel mussten Verbraucherinnen und Verbraucher in diesem April 0,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor, im März waren die Lebensmittelpreise noch um 0,7 Prozent gesunken.
Neben der Konjunkturprognose veröffentlichen die Wirtschaftsweisen am Mittwoch auch eine speziellere Analyse. Dabei geht es um die Dekarbonisierung des Güterverkehrs.
Nach Handelsblatt-Informationen spricht sich die Ratsmehrheit um die Vorsitzende Monika Schnitzer dafür aus, die staatliche Förderung auf den Elektroantrieb zu konzentrieren. Veronika Grimm hingegen hat ein Minderheitsvotum geschrieben. Sie argumentiert für eine breitere Förderung, die auch wasserstoffbetriebene Brennzellen einschließt.
Ministerium: Kein „nachhaltiger Aufschwung“
Das Bundeswirtschaftsministerium geht ebenfalls von einer allmählichen Besserung der konjunkturellen Lage aus. Im Zuge abebbender Inflation, der erwarteten Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB), steigender Löhne und Einkommen dürfte sich die Erholung der Konjunktur allmählich festigen. Aber ein „nachhaltiger Aufschwung“ lasse sich derzeit noch nicht erkennen, erklärten die Fachleute von Ressortchef Robert Habeck in ihrem Monatsbericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.
Grund hierfür sei „vor allem die schwache Entwicklung beim privaten Konsum und den Ausrüstungsinvestitionen sowie die weiterhin verhaltene Auftragslage in der Industrie“. Der Arbeitsmarkt sei zwar stabil. „Dennoch bleiben die Risiken angesichts der geopolitischen Unsicherheiten nach wie vor hoch.“