1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Unwetter: Nach Hochwassernacht im Saarland – Evakuierungen und Tausende Einsätze

UnwetterNach Hochwassernacht im Saarland – Evakuierungen und Tausende Einsätze

Der starke Regen setzt Straßen und Häuser unter Wasser, sorgte für Tausende Rettungseinsätze. Doch die Lage scheint sich am Samstagmorgen langsam zu entspannen. 18.05.2024 - 11:19 Uhr aktualisiert
Die anhaltenden Regenfälle lassen die Flüsse extrem schnell anschwellen, was zu Überschwemmungen führt – wie hier in Fischbach-Camphausen im Saarland. Foto: IMAGO/Bernd März

Mainz/Trier. Enorme Regenmengen haben im Saarland Überflutungen, Erdrutsche und voraussichtlich hohe Schäden verursacht. Über Verletzte war zunächst nichts bekannt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hob am frühen Samstagmorgen alle Unwetterwarnungen in Deutschland auf. Am Samstag will sich Bundeskanzler Olaf Scholz gemeinsam mit Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (beide SPD) ein Bild von der Situation vor Ort machen.

Nach bisherigen Kenntnissen sind bei dem schweren Unwetter am Freitag mit stundenlangen Niederschlägen und großflächigen Überflutungen bis in die Nacht keine Menschen ums Leben gekommen. Bei einer Evakuierungsaktion habe es einen Verletzten gegeben, sagte der Sprecher des Lagezentrums.

Ein Mensch sei ins Wasser gefallen und anschließend in ein Krankenhaus gebracht worden. Sein Zustand ist zurzeit unbekannt, hieß es vom saarländischen Innenministerium.

Auf Videos waren zur Hälfte im Wasser stehende Autos, im Hochwasser feststeckende Wohnwagen und zahlreiche überflutete Straßen zu sehen. Gebäude wurden notdürftig mit Sandsäcken geschützt, teilweise stehen ganze Straßenzüge unter Wasser. Das Lagezentrum in Saarbrücken registrierte bislang mehr als 3000 Polizei- und Rettungseinsätze im Bundesland.

Allein die Polizei im Saarland verzeichnete bis zum frühen Samstagmorgen (7.00 Uhr) rund 1000 Einsätze. Hinzu kommen nach Angaben des Saar-Innenministeriums mehr als 2400 Einsätze von Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen.

Angespannte Lage in der Altstadt von Blieskastel

Am frühen Samstagmorgen entspannte sich demnach die Lage etwas: Seit 1.00 Uhr stiegen die Pegelstände zumindest nicht mehr, sagte ein Sprecher des Lagezentrums. Die Rettungskräfte seien aber weiterhin im Großeinsatz. Nach einer unruhigen Nacht beginnt in den betroffenen Regionen das Aufräumen.

Die überflutete Fischbachstraße in Saarbrücken. Foto: Harald Tittel/dpa

Das genaue Ausmaß der Schäden dürfte erst in den nächsten Tagen sichtbar werden. Weiterhin angespannt sei die Lage in Blieskastel, da der Pegelstand des Flusses Blies weiter leicht gestiegen sei. Gegen Samstagmittag werde dort der Höchststand erwartet. Zahlreiche Helfer versuchten, eine Überschwemmung der Altstadt von Blieskastel zu verhindern.

Es handele sich um ein Hochwasserereignis, wie es alle 20 bis 50 Jahre stattfinde, teilte das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz mit. Der DWD maß stellenweise mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter in nicht einmal 24 Stunden. Für diesen heftigen Regen seien Flüsse und Infrastruktur nicht ausgerichtet, sagte eine DWD-Meteorologin.

Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Monat April waren im Saarland rund 74 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen worden - und dies war ein Sechstel mehr Niederschlag als normalerweise in dem Monat.

Hochwasser läuft in Saarbrücken einen Hauseingang. Foto: Harald Tittel/dpa

Die Landeshauptstadt Saarbrücken rief ebenso wie mehrere Kreise eine Großschadenslage aus. Mehrere Gebäude im Stadtgebiet mussten evakuiert werden. Die Stadt richtete Ausweichquartiere in Schulen und ein Bürgertelefon ein.

Im saarländischen Völklingen wurden wegen des anhaltenden Regens Straßenzüge vom Stromnetz genommen: „In Völklingen werden Schäden in Millionenhöhe erwartet, insbesondere im privaten Bereich“, hieß es.

Wegen des Unwetters meldete auch die Deutsche Bahn massive Beeinträchtigungen und Ausfälle im Zug- und Schienenersatzverkehr in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Von nicht notwendigen Reisen ins Saarland sei abzusehen, teilte die Bahn mit. Die Saarbahn kann nach Angaben des Unternehmens nur zwischen Güchenbach und Saargemünd fahren.

Auch im benachbarten Rheinland-Pfalz waren Städte vom Dauerregen betroffen. Keller und Straßen liefen voll und Bäume stürzten um, wie die Koordinierungsstelle der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD) berichtete. Viele kleinere Bäche und Flüsse traten über die Ufer.

Scholz besucht Region

Bundeskanzler Olaf Scholz macht sich am Samstagmittag ein Bild von der Situation. Wie die Bundesregierung mitteilte, wird der Kanzler um 11.30 Uhr in Kleinblittersdorf erwartet. Anschließend fährt er nach Rußhütte. Dort will er mit Helfern sprechen. Scholz will danach zusammen mit mit der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) ins Ludwigsparkstadion nach Saarbrücken fahren, dort will er sich mit Vertretern von Hilfsorganisationen treffen.

Währenddessen dankte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) den Kräften von THW, Polizei und Feuerwehr auf X. „Großer Respekt und Dank an alle Einsatzkräfte für ihren unermüdlichen Einsatz, um Menschenleben zu schützen!“, schrieb sie.

Auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) zeigte Mitgefühl am Freitagabend auf X: „Bin wie viele heute Abend in Gedanken bei den Menschen in den Hochwassergebieten und den Helfern, von denen viele die ganze Nacht im Einsatz sein werden. Ich hoffe, alle kommen sicher durch die nächsten schlimmen Stunden.“

Großeinsätze für die Feuerwehr wie hier in der Innenstadt von Lebach. Foto: Harald Tittel/dpa

Bereits in der Nacht zum Samstag sandte die Landesregierung eine Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger und leitete erste Schritte für finanzielle Hilfen ein. „Viele Saarländerinnen und Saarländer bangen um ihre vier Wände und ihr Hab und Gut oder haben bereits starke Schäden zu beklagen“, teilte Ministerpräsidentin Rehlinger mit. „Damit keine Zeit verloren geht, hat die Landesregierung kurzfristig Beschlüsse gefasst, durch die Hilfe bereitsteht, um entstandene Schäden zu beheben.“ Noch könne aber niemand konkrete Summen nennen.

In einer Schalte am späten Freitagabend habe der Ministerrat ein sogenanntes Elementarereignis von überörtlicher Bedeutung festgestellt. Damit können laut Staatskanzlei Hilfen des Landes fließen. Zudem könnten Kommunen wegen der außergewöhnlichen Notsituation von Regelungen des Haushaltsausgleichs abweichen. „Landesregierung und Kommunen stehen zusammen, wie das ganze Saarland“, teilte Innenminister Reinhold Jost (SPD) mit.

Wettervorhersage für das Pfingstwochenende

Am Pfingstwochenende steht Deutschland nach Einschätzung des DWD ein Mix aus teils regnerischem und teils sonnigem Wetter bevor. An diesem Samstag soll es in einem Streifen von der Eifel bis in die Lausitz stark bewölkt und regnerisch sein. Vor allem in der Mitte Deutschlands und in Alpennähe sei mit einzelnen Gewittern am Nachmittag und Abend zu rechnen, wobei „vereinzelt und örtlich eng begrenzt Unwettergefahr durch heftigen Starkregen“ bestehe.

Verwandte Themen
Deutsche Bahn
SPD
Saarland
Olaf Scholz

In weiten Teilen des Südens und Südostens sowie im küstennahen Binnenland können sich die Menschen der Vorhersage zufolge am Samstag auf heiteres und trockenes Wetter einstellen. Die Höchsttemperaturen liegen bei 20 bis 24 Grad, in der Mitte Deutschlands bei Regen um die 18 Grad.

dpa
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt