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Charlotte de Brabandt im Krankenhaus. Die Mittdreißigerin ist schwer erkrankt.  Foto: Privat

Öko-InvestmentsWas der Kampf einer Krebspatientin um ihr Geld über die Krise bei Thomas Lloyd verrät

Charlotte de Brabandt versucht, an ihr Geld zu kommen, das in Fonds des Investmenthauses liegt. Handelsblatt-Recherchen zeigen, dass sie und Zehntausende weitere Anleger um ihren Einsatz fürchten müssen.Lars-Marten Nagel, Michael Verfürden 24.05.2024 - 18:00 Uhr

Berlin, Düsseldorf. Für Charlotte de Brabandt geht es um Leben und Tod. Im Februar 2023 stellten Ärzte Krebs bei ihr fest. Ihre Versicherung sah eine Übernahme der horrenden Kosten für eine Therapie nicht vor. Und selbst zahlen? Die Mitdreißigerin hatte zwar für ihr Alter viel gespart, ihr ganzes Geld aber langfristig beim Öko-Investor Thomas Lloyd angelegt.

Verzweifelt versuchte Schweizerin, ihre 290.000 investierten Euro loszueisen. Ihr Vertrag mit Thomas Lloyd enthielt eine Härtefallregelung. Diese stellte ein Kündigungsrecht zum Ablauf des folgenden Geschäftsjahrs im Falle einer eigenen schweren Krankheit in Aussicht. Die Entscheidung über eine mögliche Zahlung oblag den Chefs des Fondshauses.

Am 22. Mai 2023 kam die Erlösung per E-Mail. De Brabandt lag in ihrem Krankenbett, als ihr Vater den gerade eingetroffenen Brief eines Kundenberaters aus Zürich vorlas: „Ich kann Ihnen mitteilen, dass der Härtefall heute von der Geschäftsleitung anerkannt wurde.“

Ein Jahr später hat de Brabandt noch immer keinen Cent erhalten. Ihre Ärzte wollen sie bis März 2025 mit herkömmlichen Methoden behandeln, danach bliebe nur eine experimentelle RNA-Therapie. Ihre Hoffnung ist in Wut umgeschlagen. „Ich versuche, an meine Ersparnisse ranzukommen, damit ich meine Medizin bezahlen kann“, sagt de Brabandt. „Aber Thomas Lloyd hält mich hin.“

Der Gründer von Thomas Lloyd Michael Sieg. Die Geschäftsleitung erkannte den Härtefall der Patientin im Mai 2023 an – doch zahlte bislang nichts. Foto: PR

Das Investmenthaus weist das „als haltlose Unterstellung“ zurück und teilt mit, im Fall de Brabandt wegen eines fehlenden Jahresabschlusses derzeit keine Abfindung berechnen zu können. Das Unternehmen habe jedoch Verständnis für die Situation der Kundin „und ihr emotional gesteuertes Handeln“. Thomas Lloyd betonte, dass die Gesellschaft „grundsätzlich in der Lage“ sei, ein „etwaiges Abfindungsguthaben“ zu zahlen, und dies nach wie vor auch vorhabe.

Doch am finanziellen Fundament der Thomas-Lloyd-Gruppe gibt es Zweifel. Sicher, nicht jeder der rund 28.000 Fondsanleger von Thomas Lloyd braucht sein Geld so dringend zurück wie Charlotte de Brabandt. Doch Handelsblatt-Recherchen zeigen, dass die Anleger um ihren Einsatz fürchten müssen.

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