Deutsche Bank: Früherer Vorstandschef Rolf Breuer ist tot
Frankfurt. Der frühere Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf E. Breuer, ist tot. Der ehemalige Vorstandssprecher und Aufsichtsratsvorsitzende sei am Mittwoch im Alter von 86 Jahren nach längerer Krankheit im Kreise seiner Familie verstorben, teilte die Deutsche Bank mit.
Breuer verbrachte nahezu sein komplettes Berufsleben bei der Deutschen Bank. Von der Ausbildung in der Münchener Filiale bis zu seiner Zeit als Vorstandssprecher von Mai 1997 bis Mai 2002. „Mr. Finanzplatz“, „Strippenzieher der Deutschland AG“ – Breuer sammelte in seiner Karriere viele Attribute. Letztlich waren es vor allem drei Ereignisse, die seine Ära prägten.
Das erste und vielleicht wichtigste: Die Übernahme von Bankers Trust 1999 ist bis heute der größte Zukauf in der Geschichte der Deutschen Bank. Mit dem Deal wurde der von Breuers Vorgängern Alfred Herrhausen und Hilmar Kopper eingeleitete Ausbau des Investmentbankings endgültig vollzogen.
Unter Breuers Führung stieg das Frankfurter Geldhaus in die erste Liga im globalen Kapitalmarkt‧geschäft auf. Allerdings sorgten die Investmentbanker später auch für viele der Skandale, die das Geldhaus nach der Finanzkrise Milliarden an Strafzahlungen kosteten.
Das zweite prägende Ereignis dürfte eine der größten Enttäuschungen in Breuers langer Karriere gewesen sein. 2000 hatte der Deutsche-Bank-Chef die Fusion mit dem Frankfurter Konkurrenten Dresdner Bank eingefädelt.
Breuers folgenschweres Interview
Der Mega-Deal hatte bereits den Segen der Aufsichtsräte erhalten. Damit standen eigentlich nur noch die Zustimmung der Aktionäre und die kartellrechtliche Genehmigung für eines der weltgrößten Kreditinstitute mit einer Bilanzsumme von damals rund 2,5 Billionen Mark aus.
Doch auf der Zielgeraden scheiterte der Deal doch noch. Schuld war vor allem der Widerstand der Investmentbanker der Deutschen Bank, diese Sparte wurde damals von Josef Ackermann geführt. Im Mai 2002 rückte der Schweizer Ackermann auf den Chefsessel der Deutschen Bank, Breuer wurde bis Mai 2006 Vorsitzender des Aufsichtsrats des Instituts.
Das dritte prägende Ereignis der Ära Breuer ist als das wohl teuerste Interview in der deutschen Wirtschaftsgeschichte bekannt. Es waren nur wenige Sätze, die Breuer Anfang 2002 in ein Reportermikrofon sprach. Breuer zweifelte in dem kurzen Gespräch mit Bloomberg TV, das am 4. Februar 2002 veröffentlicht wurde, die Kreditwürdigkeit Leo Kirchs an. Dessen Medienkonzern ging wenig später unter.
Zeitlebens machte Kirch dafür Breuer und die Deutsche Bank verantwortlich. Erst Jahre später einigte sich die Bank mit den Kirch-Erben auf einen millionenschweren Vergleich.
Die Frage, ob es ihn belastet habe, dass seine Aussagen derart schwerwiegende Folgen nach sich zogen, beantwortete Breuer pragmatisch: „Daran habe ich mich gewöhnen müssen. Man darf das nicht zu sehr an sich herankommen lassen.“
Eigentlich sei er nur „aus Not oder Zufall oder Verlegenheit Jurist geworden und Banker“, hatte Breuer in einem Interview zu seinem 80. Geburtstag gesagt. Sein Vater habe ihm einst eine Ausbildung als Chemiker angeraten, doch dazu habe ihm das Talent gefehlt.
Auch für eine Laufbahn als Musiker oder Regisseur habe es nicht gereicht. Im Ruhestand sei er „nie in ein Loch gefallen“, sagte Breuer. „Ich habe jedenfalls immer vermieden, zu Hause über die Schnur des Staubsaugers zu fallen.“ International Piano Forum, Schirn Kunsthalle, Feith-Stiftung, Center for Financial Studies – die Liste der Ehrenämter, die Breuer vor allem in seiner Wahlheimat Frankfurt ausübte, ist lang.
Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts würdigte Breuer am Donnerstag als eine der prägendsten Persönlichkeiten der Deutschen Bank. Vorstandschef Christian Sewing sagte: „Ich habe Rolf Breuer als Banker ‚alter Schule‛ im besten Sinne erlebt, mit klassischem Auftritt, aber auch mit enormem strategischem Weitblick.“
Vor allem das Großkundensegment und das internationale Geschäft hätten Breuer am Herzen gelegen, weil er diese Sparten „als Grundlage für eine starke deutsche Wirtschaft sah“.