1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel + Konsumgüter
  4. Nach FTI-Insolvenz: Düstere Aussichten für den deutschen Reisekonzern

FTINach der Insolvenz sind die Aussichten für den Reiseanbieter düster

Nach der Insolvenz des Reiseveranstalters hat das Krisenmanagement begonnen. Während die Kundengelder als sicher gelten, gibt es kaum positive Signale für FTI.René Bender, Jens Koenen 04.06.2024 - 18:57 Uhr
FTI-Chef Karl Markgraf: Der Manager verbreitete noch im Mai Zuversicht, was die Zukunft der Reiseveranstalters betrifft. Foto: FTI GROUP

Berlin, Frankfurt. Nachdem der Reiseveranstalter FTI am Montag Insolvenz angemeldet hat, beginnt das Krisenmanagement. Der Deutsche Reisesicherungsfonds (DRSF), der sich um die Forderungen der Kunden des Unternehmens kümmert, hat erklärt, dass die Rückzahlung der Kundengelder gesichert sei. Der Fonds halte das „gesetzlich vorgeschriebene Zielkapital vor“, teilte er am Dienstag mit.

Unbegrenzt ist die Entschädigung für FTI-Kunden aber nicht. Bei Hotelübernachtungen zahlt der DRSF zum Beispiel maximal 80 Euro pro Reisendem und Nacht. Entsprechende Informationen des Handelsblatts bestätigte ein Sprecher des Fonds. Dennoch werden Urlauber finanziell wohl weitgehend unbeschadet aus der Insolvenz herauskommen.

Für FTI selbst und die 11.000 Mitarbeiter sind die Perspektiven deutlich schlechter. Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen in München hat seine Arbeit aufgenommen und wird in einem ersten Schritt prüfen, ob und in welcher Form das Unternehmen überlebensfähig ist.

Ein Tourismus-Unternehmen nach einer Insolvenz weiterzuführen, ist allerdings herausfordernd, denn Urlauber orientieren sich schnell um. Ein Brancheninsider glaubt nicht, dass FTI nach einer möglichen Restrukturierung am Markt wieder Fuß fassen könne. „Die Marke ist zerstört“, sagt er. Er hält es für wahrscheinlich, dass das Unternehmen abgewickelt werden muss.

Hinzu kommt: Das Geschäftsmodell von FTI mit aggressiv bepreisten Reisen hat schon vor der Coronapandemie nicht gut funktioniert. Aus dem Mitte Februar im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernabschluss der Dachgesellschaft FTI Touristik GmbH für das Fiskaljahr vom 1. November 2021 bis zum 31. Oktober 2022 geht hervor, dass das Unternehmen tief in den roten Zahlen steckte.

Finanzprobleme bei FTI bestanden schon länger

Obwohl der Umsatz deutlich von 1,6 auf 3,8 Milliarden Euro stieg, verbesserte sich der Konzernverlust kaum. Er lag bei 91,5 Millionen Euro, nach 124,2 Millionen Euro im Geschäftsjahr zuvor. Noch kritischer: Das handelsrechtliche Eigenkapital war negativ, es verschlechterte sich sogar noch weiter von minus 219,1 auf minus 282,7 Millionen Euro.

Wie sich die Situation seitdem entwickelt hat, ist mangels transparenter Kommunikation des Unternehmens schwer zu beurteilen. Insider der Reisebranche sind derweil verwundert: Noch Ende Februar habe FTI verkündet, die anstehende Saison sei „sehr vielversprechend“. Man liege „bei den Sommer-Abreisen im zweistelligen Prozentplus gegenüber Vorjahr“.

Firmensitz von FTI in München: Der Reiseveranstalter hat am Montag Insolvenz angemeldet. Foto: dpa

Auch für das Gesamtjahr verbreitete FTI-Chef Karl Markgraf Optimismus. „Unter den guten Vorzeichen der Buchungslage planen wir, Umsatz und Ertrag für das laufende Geschäftsjahr 2023/2024 um einen zweistelligen Prozentbetrag im Vergleich zum Vorjahr zu steigern“, hieß es von ihm. Noch Anfang Mai habe Markgraf auf der Jahrestagung der Reisebürokooperation Schmetterling in Abu Dhabi verkündet, dass FTI gerettet sei.

Den Antrag auf Insolvenz begründete FTI nun damit, dass nach dem verkündeten Einstieg eines Investorenkonsortiums „die Buchungszahlen trotz der positiven Nachrichten deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben“ seien. Gemeint ist hier das Konsortium unter Führung des US-Investors Certares.

Zudem hätten zahlreiche Lieferanten auf Vorkasse bestanden, weshalb es zu einem erhöhten Liquiditätsbedarf gekommen sei, der nicht mehr überbrückt werden konnte.

Das passt nicht zusammen, sagt eine Person, die nicht nur die Branche, sondern auch das Unternehmen gut kennt. „Stark auf Pauschalreisen konzentrierte Anbieter wie FTI machen einen Großteil des Umsatzes in den ersten drei Monaten“, sagt sie.

Auch wenn die Buchungszahlen seit Ende April hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien, könne dies kaum zu einem so erhöhten Liquiditätsbedarf führen, der den Gang in die Insolvenz mit verursache. Auch zuvor hätten schon zahlreiche Lieferanten Vorkasse verlangt. FTI beantwortete Nachfragen dazu nicht konkret, tritt aber einem Verdacht entgegen, die Öffentlichkeit im Unklaren über die Situation der Gruppe gelassen zu haben.

Der Markt wird bereits verteilt

Einer der Hauptprofiteure des Aus für FTI dürfte die Tui sein, sagt ein Branchenexperte. „Die Kunden, denen der gebuchte Urlaub nun weggebrochen ist, und sich nach einem neuen Anbieter umschauen, wollen Verlässlichkeit. Als Marktführer wird die Tui eine der ersten Anlaufstellen.“

Tui-Logo: Der Branchenführer umwirbt FTI-Kunden und dürfte einer der Profiteure der FTI-Insolvenz sein. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Tui umgarnt bereits die FTI-Kunden. Wer bis zum 30. Juni eine Reise bucht, die bis zum 31. Oktober stattfindet, muss keine Anzahlung wie sonst üblich leisten. Auch andere wollen die Kundenakquise starten. Eurowings, die bisher FTI Urlauber an ihre Ziele flog, will nach Angaben eines Sprechers die eigene Marke EW Holidays ins Spiel bringen.

FTI-Übernahme: Kommt Certares noch mal zurück?

Zwar soll Certares am Wochenende nach der Absage von weiteren Staatshilfen bei FTI einen Rückzieher gemacht haben – grundsätzlich könnte eine durch die Insolvenz restrukturierte FTI aber wieder von Interesse für den Investor sein. Allerdings sprechen einige Indizien dagegen.

So wurde die Transaktion den Kartellwächtern in Deutschland bisher nicht gemeldet. „Der im April 2024 von der FTI-Gruppe verkündete Einstieg eines Investorenkonsortiums ist bis zum heutigen Tage nicht beim Bundeskartellamt fusionskontrollrechtlich angemeldet worden“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Verwandte Themen
Tui
Berlin

Zwar dürfen die Unternehmen selbst entscheiden, wann sie die Kartellbehörde zeitlich hinzuziehen. Doch die bisher fehlende Anmeldung könnte darauf hindeuten, dass Certares frühzeitig Zweifel an der Übernahme gekommen sind. Auch soll der Investor schon einmal Abstand von der Idee genommen haben, FTI zu übernehmen – Anfang vergangenen Jahres.

Übrigens: Von Certares selbst gibt es bis heute keinerlei Aussagen zu FTI. Auch der im April von FTI verkündete Einstieg wurde niemals von dem Unternehmen selbst kommuniziert. Für Stellungnahmen ist der Investor bisher nicht zu erreichen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt