Klimawandel: So sieht Frankfurts Strategie gegen die Hitze aus
Köln. Auch dicht besiedelte Großstädte spüren die Klimakrise mit ihren Starkwetter-Ereignissen längst. Hitzetage und Tropennächte nehmen vor allem hier stark zu. Häufig mangelt es an ausreichend vorhandenen Freiluftschneisen. Dunkler Straßenasphalt und höheres Verkehrsaufkommen heizen die Stadt zusätzlich auf. Höhere Temperaturen wiederum senken die Luftqualität nachweislich, was wiederum die Gesundheit aller Stadtbewohner gefährdet.
Doch ist die Hitze nicht das einzige Problem. Kommt es zu Starkregen, sind schnell die Abwassersysteme überlastet, die nicht für derart große Wassermengen ausgelegt sind. Nasse Keller und Tiefgaragen sowie Überschwemmungen sind die Folgen. In Trockenperioden dagegen kann das Wasser knapp werden. Um sich für solche Wetterextreme besser zu wappnen, haben immer mehr deutsche Großstädte Konzepte zur Anpassung an den Klimawandel ausgearbeitet, darunter auch Frankfurt am Main.
Eines der Ziele ist, dass bei allen Rahmen- und Bebauungsplänen sowie Planungen für Neubaugebiete Frischluftschneisen erfasst und gesichert werden. Umgesetzt wurde dies beispielsweise im Stadtteil Riedberg, wo nun der Kätcheslachpark unter anderem für Kalt- und Frischluft sorgt.
Oder auch im Europa-Quartier. Hier spendet der Europa-Garten den Anwohnern Schatten und Frischluft. Womit der Riedberg außerdem punkten kann: Im Kätcheslachpark befindet sich ein künstlich angelegter Weiher, der Hochwasser benachbarter Bäche und Flüsse aufnimmt sowie Regenwasser speichert, was wiederum die Grundwasserneubildung fördert.
Darüber hinaus hat die Mainmetropole in den vergangenen Jahren viele Baukonzepte umgesetzt, die zumindest auf nachhaltigere Standards setzen: etwa den Tower 185, das Rechenzentrum Mainova Campus oder den Deutsche-Bank-Park. Was alle drei Beispiele eint, ist ihr Fokus auf Effizienz, Energieeinsparungen und nachhaltige Stadtentwicklung. Die Verringerung des CO2-Ausstoßes durch intelligentes Gebäudemanagement, Nutzung oder Erzeugung von Ökostrom etwa durch Photovoltaik und Dachbegrünung sind hier Programm.
Initiative konzentriert sich auch auf private Wohngebäude
Das sei aber längst nicht ausreichend, findet die Initiative Klimaentscheid-Frankfurt. „Die 2.500 stadteigenen Gebäude machen nur einen Bruchteil des Bestands aus“, sagt Mitglied Sven Nagel. Genau deshalb konzentriere sich das Bürgerbegehren der Initiative auch auf private Wohngebäude, die die deutliche Mehrheit von insgesamt 80.000 Wohngebäuden in Frankfurt ausmachen.
Die meisten dieser Wohngebäude seien alt und müssten energetisch saniert werden, schreibt die Initiative in ihrem Begehren. Nagel verweist auf die ehemalige Kohlestadt Bottrop, die innerhalb von zehn Jahren ihre CO2-Emissionen halbierte und bis 2035 klimaneutral sein will. Ein Vorbild in Sachen Klimaschutz für ganz Deutschland.
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Den Bottroper Hausbesitzern stehen kostenlose Energieberatungen zur Verfügung. Jeder dritte Eigentümer hat hier mittlerweile eine Beratung in Anspruch genommen. Das zeigt Wirkung: In Bottrop werden pro Jahr dreimal so viele Gebäude saniert wie im Bundesdurchschnitt.
„Energiesprong“-Prinzip ermöglicht serielles Sanieren
In puncto Sanierungen von Bestandsimmobilien ist in Frankfurt noch viel Luft nach oben. „Derzeit liegt die Sanierungsquote bei etwa einem Prozent und muss auf vier gesteigert werden“, sagt Nagel und erklärt weiter: Die Initiative setze sich für das „Energiesprong“-Prinzip ein. Dabei handelt es sich um eine serielle Sanierungslösung, die einen warmmietenneutralen und ökologischen Ansatz verfolgt.
Charakteristisch für das „Energiesprong“-Prinzip sind der digitale Bauprozess und vorgefertigte Elemente für Fassaden, PV-Dächer und Energiemodule, die eine schnelle und effiziente Sanierung ermöglichen. Im besten Falle sind die Gebäude anschließend klimaneutral oder sogar klimapositiv.
Im Frankfurter Ostend wurde bereits ein Projekt nach dem „Energiesprong“-Prinzip umgesetzt: Ein siebengeschossiges Apartmenthaus aus den 1960er-Jahren erhielt unter anderem eine neue Holzfassade mit Dämmung aus Zellulose, also geschreddertem Altpapier, sowie eine neue Dachkonstruktion aus vorgefertigten Gauben und Dachelementen aus Stegträgern, ebenfalls mit Zellulose gedämmt.
Sowohl auf dem Flachdach als auch auf den Gauben wachsen Grünpflanzen. Für grünen Strom sorgen Solarpanele auf Dach und Teilen der Fassade. So erreicht das Apartmenthaus nach der Sanierung den KfW-Standard 40 EE und kann sich damit auf höchstem Niveau mit Neubauten messen.
Für die Initiative ein vielversprechender Ansatz. Denn serielles Sanieren spart CO2 und schont auch noch den Geldbeutel. Werden die Kosten zwischen Vermietern, Mietern und öffentlicher Hand aufgeteilt, könne saniert werden, ohne steigende Mieten zu riskieren. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.