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BeschäftigungWieder mehr Existenzgründungen – aber noch keine Trendwende

Die Zahl der Neugründungen ist wieder leicht gestiegen, das Gründungsinteresse aber gesunken. Aktuell gehen vor allem von Gründerinnen positive Impulse aus.Frank Specht, Josefine Fokuhl 17.06.2024 - 14:21 Uhr
Vor allem Frauen haben im vergangenen Jahr zu einem leichten Anstieg der Gründertätigkeit beigetragen. Foto: imago/Westend61

Berlin. Die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland ist wieder leicht angestiegen, was vor allem auf eine hohe Zahl von Gründerinnen zurückzuführen ist. Doch gehen aktuell von der Konjunktur und vom Arbeitsmarkt keine Impulse für eine echte Trendwende beim Gründungsgesehen aus.

Das geht aus dem neuen Gründungsmonitor hervor, den die staatliche Förderbank KfW jährlich erstellt. „Für das laufende Jahr ist vom makroökonomischen Umfeld weiter wenig Rückenwind zu erwarten“, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib am Montag bei der Präsentation der Ergebnisse. Für das laufende Jahr rechnet die Förderbank wieder mit einer sinkenden Zahl, da das Gründungsinteresse nachgelassen hat.

Im vergangenen Jahr registrierte die KfW 568.000 Existenzgründungen, das ist ein leichtes Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2022 war die Zahl der Neugründungen noch um neun Prozent zurückgegangen. Die neuen Firmen konzentrieren sich stark im Dienstleistungssektor, der Anteil der Gründungen im produzierenden Gewerbe ist weiter auf nur noch neun Prozent gesunken.

Für den KfW-Gründungsmonitor, der seit dem Jahr 2000 erstellt wird, wurden von August bis Dezember 2023 in Deutschland rund 50.000 repräsentativ ausgewählte Personen im Alter von 18 bis 67 Jahren befragt.

Der Monitor zeige, zeige, „dass wir uns weiterhin in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten befinden“, sagte der Geschäftsführer des Startup-Verbands, Christoph Stresing, dem Handelsblatt. „Umso mehr Respekt sollte all jenen gezollt werden, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen.“

Doch warum vergeht den Deutschen weiter die Lust daran, selbstständig zu sein? Welche Hindernisse gibt es – und wie könnten noch mehr Frauen gründen? Die Antworten auf die zentralen Fragen lesen Sie hier.

Warum ist das Gründungsgeschehen weiter schwach entwickelt?

Nur ein knappes Viertel der von der KfW Befragten würde unabhängig von seiner aktuellen Situation die Selbstständigkeit einer Anstellung vorziehen. Dieser Anteil liegt seit Jahren auf einem ähnlich niedrigen Niveau. Zur Jahrtausendwende lag die Präferenz für die Selbstständigkeit mit 45 Prozent noch deutlich höher.

Nur noch 3,6 Prozent der Bevölkerung hegten 2023 aktive Gründungspläne, im Vorjahr waren es noch 4,5 Prozent. Die KfW führt das schwache Gründungsinteresse auf den langen Arbeitsmarktboom zurück, aber auch auf die alternde Bevölkerung. Denn mit zunehmendem Alter sinkt die Bereitschaft, sich noch auf das Wagnis Selbstständigkeit einzulassen.

Welche Rolle spielen Gründerinnen?

Dass wieder mehr neue Unternehmen gegründet wurden als im Vorjahr, ist vor allem den Gründerinnen zu verdanken. Die Zahl der Existenzgründungen durch Frauen legte im Jahresvergleich um 22 Prozent zu, während sie bei den Männern um acht Prozent sank.

44 Prozent der Existenzgründer im vergangenen Jahr waren Frauen, der langjährige Durchschnitt liegt bei 39 Prozent. Aber: „Um den Gründungswunsch unter Frauen breiter zu verankern, müssen Geschlechterklischees in Schule und Erziehung aufgebrochen werden“, sagte Köhler-Geib.

In welchen Branchen wird gegründet?

Die meisten Gründerinnen und Gründer wagen den Schritt in die berufliche Eigenständigkeit im Dienstleistungssektor. 32 Prozent der Gründungen entfielen auf persönliche Dienstleistungen, etwa in der Körper- oder Gesundheitspflege. Ein Drittel sind wirtschaftliche Dienstleistungen, also beispielsweise in der IT, in der Bauplanung, in Architekturbüros oder im Gebäudemanagement.

22 Prozent der Gründerinnen und Gründer suchten im vergangenen Jahr ihre Chance im Handel. Und nur noch neun Prozent wagten es, ein Unternehmen des produzierenden Gewerbes zu gründen. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Digitale und zugleich internetbasierte Gründungen spielen mit einem Anteil von gut einem Fünftel weiter eine große Rolle.

Welche Hemmnisse gibt es für Gründer?

Ganz oben als Grund, sich gegen die Selbstständigkeit zu entscheiden, stehen finanzielle Risiken. Neben geringer Einkommenssicherheit, geringer sozialer Sicherheit und Finanzierungsproblemen schrecken auch bürokratische Hürden ab.

Auch bei Gründungsinteressenten, die ihre Pläne aufgegeben haben, war vor allem das finanzielle Risiko ausschlaggebend. Ebenso Probleme, überhaupt Gewinn zu erzielen, oder eine nicht tragfähige Geschäftsidee spielten eine Rolle für die Aufgabe des Gründungswunsches.

Wie ließe sich das Gründungsgeschehen stärken?

Ein Weg wäre, schon in der Schule mehr über die Möglichkeiten der Selbstständigkeit zu informieren und vor allem Finanzwissen zu vermitteln, sagte Köhler-Geib. Denn die KfW-Erhebung zeigt wenig überraschend, dass das finanzielle Risiko oder die Finanzierung einer Gründung umso weniger als Hemmnis wahrgenommen wird, je besser das eigene Finanzwissen eingeschätzt wird.

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Eine große Bedeutung für das Gründungsgeschehen hätten aber auch positive Rollenvorbilder, sagte Köhler-Geib, vor allem bei Frauen. Haben sie selbst selbstständige Bekannte oder Verwandte oder unternehmerische Vorbilder, so wirkt sich das deutlich positiv auf die Gründungsintensität aus.

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