Tech-Riese: Die dunkle Seite von Microsoft – Marktmacht sorgt für immer mehr Kritik
San Francisco, Redmond, Düsseldorf. Ob Apple oder Amazon, Alphabet oder Meta: Die großen US-Technologiekonzerne sind in den vergangenen Jahren ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten, in Europa wie anderswo. Microsoft ist es dagegen gelungen, sich derlei Ärger vom Hals zu halten – bis jetzt: Diese Woche hat die EU-Kommission dem Softwarehersteller einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vorgeworfen.
In dem Fall geht es darum, dass Microsoft den Kommunikationsdienst Teams mit der Bürosoftware Office gebündelt hat. Ein unfairer Wettbewerbsvorteil sei das, monieren Konkurrenten wie Slack. In der Branche zieht mancher einen Vergleich zu den 1990er-Jahren, als der Konzern seinen Browser Internet Explorer im Betriebssystem Windows vorinstallierte und so in einem „Browserkrieg“ den Konkurrenten Netscape verdrängte.
Mit dem Betriebssystem Windows, der Bürosoftware Office sowie seiner Cloudplattform Azure liefert Microsoft heute wichtige digitale Infrastruktur für Wirtschaft und Politik. Gleichzeitig ist der Konzern einer der zentralen Anbieter bei der Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz (KI). Das spiegelt sich im Börsenwert von fast 3,4 Billionen Dollar wider, so viel wie bei keinem anderen Konzern.
Nutzt der Konzern nun wieder Taktiken aus früheren Zeiten, um seine Macht auszubauen? Gelingt es ihm, seine Dominanz bei Büroanwendungen auf andere Märkte zu übertragen? Verfolgt das Management um Satya Nadella, der sich so konziliant und offen gibt, also genauso harte Taktiken wie seine Vorgänger Bill Gates und Steve Ballmer?
Microsoft würde diesen Vorwurf weit von sich weisen. Seit dem Verfahren, bei dem sogar eine Zerschlagung der Organisation zur Diskussion stand, sucht der Konzern den Austausch mit Politik und Regulierung. Dafür steht Präsident und Konzernvize Brad Smith, der nach der Entscheidung der Kommission sogleich betonte, dass man „Lösungen für die Bedenken“ der Kartellwächter suchen werde.
Die geballte Marktmacht zieht jedoch zunehmend Kritik auf sich – von Partnern, Kunden und Regulierungsbehörden. Das Handelsblatt zeichnet den Stimmungsumschwung auf drei Feldern nach.