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WettbewerbMicrosoft droht hohe EU-Kartellstrafe wegen Teams

Microsoft könnte durch seinen Umgang mit der Kommunikations-App Teams Wettbewerbsrecht gebrochen haben. Die bisherigen Änderungen gehen der EU-Kommission nicht weit genug.Christof Kerkmann 25.06.2024 - 15:46 Uhr aktualisiert
Die EU untersucht die Verknüpfung von Teams mit anderen Microsoft-Produkten. Foto: Debarchan Chatterjee/ZUMA Wire/d

Düsseldorf. Microsoft steht vor dem ersten Kartellverfahren seit vielen Jahren: Die EU-Kommission wirft dem US-Konzern vor, durch die Bündelung des Kommunikationsdienstes Teams mit dem Produktpaket Office 365 gegen das Wettbewerbsrecht zu verstoßen. Der Konzern habe sich einen unfairen Vorteil verschafft, erklärte die Behörde am Dienstag in einer Mitteilung.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager bemerkte, sie sei über das Verhalten von Microsoft „besorgt“. „Es ist wichtig, den Wettbewerb für Kommunikations- und Kollaborationswerkzeuge zu erhalten, da dies auch die Innovation auf diesen Märkten fördert“, sagte sie.

Microsoft kann nun auf die Bedenken der Kommission reagieren. Für den Konzern geht es um viel. Die Strafe für Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht kann in der Europäischen Union bis zu zehn Prozent des globalen Jahresumsatzes erreichen, wenngleich eine solche Höhe selten ist. Der Konzern erlöste im vergangenen Geschäftsjahr 211 Milliarden Dollar.

EU: Microsoft hat durch Integration von Teams einen Vertriebsvorteil

Microsoft hat nach Eröffnung der Untersuchung im vergangenen Jahr bereits Anpassungen vorgenommen. So bietet der Konzern Teams nicht mehr kostenlos als Teil von Office 365 an, sondern vermarktet beide Produkte separat. Man werde Lösungen suchen, um auf „die verbleibenden Bedenken“ der Kommission einzugehen, erklärte Topmanager Brad Smith in einer ersten Reaktion.

Das Verfahren geht auf eine Beschwerde der Kommunikationsplattform Slack im Jahr 2020 zurück. Der Vorwurf des Unternehmens, das seit einer Übernahme zu Salesforce gehört: Microsoft habe über die Bündelung „die millionenfache Installation erzwungen, die Entfernung blockiert und die wahren Kosten gegenüber seinen Geschäftskunden verschleiert“.

Die EU-Kommission stimmt mit dieser Analyse im Grundsatz überein. Microsoft dominiere den Markt für geschäftliche Produktivitätsanwendungen aus der Cloud, namentlich Word, Excel und Powerpoint, hieß es in der Erklärung. Durch die Integration von Teams in dieses Produktpaket habe sich der Konzern einen Vertriebsvorteil verschafft.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager kritisierte die Wettbewerbspraktiken von Microsoft. Foto: REUTERS

Dieser Vorteil sei womöglich noch dadurch verstärkt worden, dass das Zusammenspiel zwischen Produkten von Microsoft und von Konkurrenten eingeschränkt sei – was IT-Abteilungen zusätzliche Arbeit macht. Darauf zielte der deutsche Softwareanbieter Alfaview in einer separaten Beschwerde ab, die die EU ebenfalls berücksichtigt hat.

Die EU-Kommission ist nun zu dem Schluss gekommen, dass dieses Verhalten die Teams-Konkurrenten womöglich von Innovationen abgehalten habe und daher zulasten der Verbraucher gehe. Eine solche Geschäftspraxis verstoße gegen das Verbot, eine dominante Marktposition zu missbrauchen.

Wettbewerber halten das nicht für einen Einzelfall. Beispiel Künstliche Intelligenz (KI): Microsoft integriere den Assistenten Copilot in seine Produkte und „wiederholt damit seine altbewährte Kopplungspraxis“, erklärte der Videodienstanbieter Alfaview am Dienstag. Die Ermittlung zu Teams habe für diese Technologie „eine weitreichende Signalwirkung“.

Microsoft Teams: Vom Nischenprodukt zur Schaltzentrale

Teams war für Microsoft zunächst ein Nischenprodukt. In der Coronapandemie, als Kontaktbeschränkungen die Zusammenarbeit erschwerten, verzeichnete der Dienst jedoch ein enormes Wachstum. Mittlerweile greifen jeden Monat mehr als 320 Millionen Nutzer auf die Plattform zu.

In den vergangenen Jahren hat der Konzern Teams zu einem zentralen Element seiner Strategie ausgebaut. So dient die Plattform mittlerweile als eine Art Schaltzentrale, über die Nutzer andere Anwendungen steuern können. Die Plattform integriere Kommunikation, Zusammenarbeit und Geschäftsprozesse, sagte Microsoft-Chef Satya Nadella im Januar 2021.

Die Bündelung von Teams und Office 365 dürfte einigen Beobachtern bekannt vorkommen: In den 1990er-Jahren verhalf Microsoft dem eigenen Browser Internet Explorer zu großer Reichweite, als man ihn in das Betriebssystem Windows integrierte – zulasten des Konkurrenten Netscape.

Dieser Verdrängungswettbewerb, in der Technologiebranche als „Browserkrieg“ bekannt, stellte Microsoft vor große juristische Probleme: In einem Kartellverfahren in den USA befand ein Richter, dass der Konzern sein Monopol missbraucht habe. Zwischenzeitlich stand sogar die Zerschlagung im Raum.

In den vergangenen Jahren gelang es Microsoft, Konflikte mit Aufsichtsbehörden zu vermeiden. Besonders Brad Smith, als Präsident die Nummer zwei hinter Konzernchef Satya Nadella, bemüht sich um einen Austausch mit Politik und Regulierung – gerne auch bei öffentlichen Terminen wie der Ankündigung von Milliardeninvestitionen in Deutschland.

Seit einigen Monaten steht der wertvollste Konzern der Welt allerdings wieder verstärkt unter Beobachtung. So überprüfen Behörden in mehreren Ländern die enge Partnerschaft mit dem Start-up OpenAI, in das Microsoft rund 13 Milliarden Dollar investiert hat.

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