1. Startseite
  2. Meinung
  3. Morning Briefing
  4. Morning Briefing Plus – Die Woche: Neues Spiel – Der Aufstieg von Nvidia

Morning Briefing Plus – Die WocheNeues Spiel – Der Aufstieg von Nvidia

Der Chiphersteller hat es an die Spitze der Welt geschafft – und zeigt uns damit, dass das Spiel in der Wirtschaft jeden Tag neu beginnt. In Frankreich geht Macron derweilen eine riskante Wette ein.Sebastian Matthes 22.06.2024 - 08:18 Uhr
Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes. Foto: Handelsblatt

Liebe Leserinnen und Leser

willkommen zurück zu unserem Blick auf die wichtigsten Geschichten der vergangenen Woche. Und da sind wir auch schon bei einem bemerkenswerten Rekord, der sich an den Aktienmärkten ereignete: Der Chiphersteller Nvidia ist nun das wertvollste Unternehmen der Welt.

Damit hat sich der Konzern mit dem Zungenbrecher-Namen an die Spitze katapultiert und Tech-Giganten wie Apple und Microsoft elegant auf die Reservebank geschickt. Ein paar Zahlen sollten wir in Erinnerung behalten:

  1. Die Marktkapitalisierung von Nvidia liegt mittlerweile bei 3,34 Billionen Dollar, sie hat sich seit Ende 2022 verneunfacht.
  2. Seit Börsengang im Jahr 1999 stieg der Kurs des Unternehmens (inklusive reinvestierter Dividenden) um fast 600.000 Prozent.
  3. Grund dafür ist das enorme Wachstum. Allein im jüngsten Quartal ist der Nvidia-Umsatz um 262 Prozent in die Höhe geschossen, der Gewinn legte sogar um 628 Prozent zu.

Wer hätte das gedacht? Nvidia gibt es seit 31 Jahren. Ursprünglich entwickelte das Unternehmen Grafikkarten vor allem für Computerspieler. Denn die Chips des Unternehmens können zahlreiche Rechenoperationen gleichzeitig ausführen, was anderen Prozessoren deutlich schwerer fällt. Heute werden mit den weiterentwickelten Chips so wichtige KI-Anwendungen wie ChatGPT angetrieben.

Nvidia-Mitgründer Jensen Huang Foto: Bloomberg

Ich musste an die anderen Meldungen denken, die zur selben Zeit erschienen: Der Standort Deutschland war wieder einmal in irgendwas zurückgefallen. Eine andere Studie befasste sich mit der Deindustrialisierung, die jetzt wirklich nicht mehr aufzuhalten sei.

Aber das Beispiel Nvidia zeigt eben auch, dass das Spiel jeden Tag neu beginnt. Die Angreifer von heute sind die Gejagten von morgen. Google zum Beispiel wirkte so verblüfft, als OpenAI seinen Bot ChatGPT herausbrachte, als hätten sie gerade erfahren, dass Schach jetzt auf einem Fußballfeld gespielt wird.

Mich fasziniert an Wirtschaft, dass hier das Spiel jeden Tag neu gemacht wird. Das vergessen wir zu oft. Jeden Tag kann sich eine Gruppe kluger Köpfe zusammenfinden und eine neue Idee entwickeln, die weltweit Furore macht.

KI wird in vielen Forschungsbereichen eingesetzt. Foto: picture alliance / Westend61

Wir müssen über Probleme sprechen. Aber wir sollten auch die Chancen sehen, und ein Umfeld schaffen, in dem Menschen diese Chancen ergreifen. In der nächsten Phase der KI-Revolution zum Beispiel geht es weniger um plaudernde Bots. Es geht um konkrete Anwendungen, mit denen Forscherinnen, Industriebetriebe und Logistikunternehmen ihr Geschäft beschleunigen können. In diesem Feld zum Beispiel beginnt das Spiel gerade erst – mit besten Chancen für Europa. Verschwenden wir also nicht allzu viel Zeit mit Schwarzmalerei.

Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

1. Es ist eine hochriskante Wette – mit offenem Ausgang: Nach der Ankündigung von Neuwahlen ist die Unruhe in Frankreich groß. Sowohl die Möglichkeit einer rechten wie auch die einer sehr linken Regierung verunsichern die Märkte massiv. Die Risikoprämie für französische Staatsanleihen steigt, und nun hat die EU noch ein Defizitverfahren gegen Frankreich eingeleitet. Schon jetzt ist klar: Die Frankreich-Wahl nächstes Wochenende wird das Topthema der kommenden Tage.

2. Als Kanzler stoppte Olaf Scholz die Gaspipeline Nord Stream 2. Doch zuvor wollte Olaf Scholz einen Deal mit Donald Trump durchdrücken, um das Projekt zu retten. Interne Regierungsakten, die meine Kollegen im Berliner Handelsblatt-Büro in die Finger bekamen, belegen, dass Scholz das Projekt nicht nur billigte, sondern sich über Jahre auch aktiv dafür einsetzte.

3. Kaum eine Figur elektrisiert unsere Leserinnen und Leser so sehr wie der argentinische Präsident Javier Milei. Die einen bewundern seine Reformagenda. Die anderen halten ihn für einen gefährlichen Scharfmacher. Während Milei sich auf den Weg nach Europa macht, zieht unser Südamerika-Korrespondent Alexander Busch eine Zwischenbilanz: Was hat er wirklich erreicht? Und warum ist er trotz der vielen harten Einschnitte immer noch so beliebt?

4. Obwohl die US-Wirtschaft unter Präsident Joe Biden boomt, wird ein Sieg von Donald Trump bei der nächsten Wahl immer wahrscheinlicher. Wie kann das sein? Das untersucht ein Handelsblatt-Autorenteam – und kommt dabei zu durchaus überraschenden Antworten.

Trump-Unterstützerinnen im Wahlkampf Foto: Sarah Sendner

5. Diese Geschichte unseres Investigativ-Teams hat in den vergangenen Tagen für einigen Wirbel gesorgt: Mitarbeiter von Sony Music erheben schwere Vorwürfe gegen ihren Europachef Daniel Lieberberg. Es geht um Mobbing, Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft. Mittlerweile läuft dort auch eine interne Untersuchung. Und das ist nicht einmal der erste Fall dieser Art bei Sony Music.

Der Europachef von Sony Music, Daniel Lieberberg Foto: PR, Imago, Getty (2)

6. Eine der meistgelesenen Nachrichten der Woche kam dieses Mal aus Japan. Und das ist auch kein Wunder, denn sie könnte Folgen für unser aller Leben haben: Der japanische Technologiekonzern TDK hat einen Durchbruch bei Feststoffbatterien erzielt, die längere Laufzeiten für kleine Geräte wie Kopfhörer oder smarte Uhren – und später auch für Autos – ermöglichen. Analysten erwarten bereits jetzt einen neuen „Superzyklus“ für den Konzern.

7. Ähnlich groß übrigens war das Interesse an der Meldung über einen neuen Mittelstreckenjet von Airbus, der die ganze Luftfahrtbranche verändern könnte. Der Airbus A321 XLR hat die Reichweite eines Großraumjets und könnte Direktflüge abseits der großen Drehkreuze anbieten – zwischen Europa und Indien zum Beispiel. Die Nachfrage ist bereits groß. Doch das ist für große Airlines wie die Lufthansa nicht unbedingt eine gute Nachricht.

8. Vielleicht ist Ihnen diese Werbung bei LinkedIn auch schon aufgefallen: Mit 500.000 Euro sofort in den sorglosen Ruhestand? Steht da sinngemäß. Eine Antwort darauf gibt es bei LinkedIn natürlich nicht. Das wollte mein Kollege Markus Hinterberger ändern. Und hat als Antwort auf die Frage einen höchst lesenswerten Report geschrieben. Eine frühzeitige Planung und eine kluge Anlagestrategie sind dafür entscheidend, das wissen wir alle. Aber wie sieht die aus? Und was bedeutet es für Sie in welchem Alter? Hier erfahren Sie es.

Wer sorglos in den Ruhestand will, braucht eine gute Strategie. Foto: Thomas Kuhlenbeck

9. Sie wissen ja vielleicht, dass ich passionierter Radfahrer bin, deshalb habe ich diesen Text auch mit besonderem Interesse gelesen: Es geht darin um ein Fahrrad, das den Namen Porsche trägt. Mein Kollege Thorsten Firlus hat das neue E-Bike des Sportwagenherstellers getestet. Warum dieses E-Bike so teuer ist (14.000 Euro), was es wirklich kann und warum Porsche keinen eigenen Motor (sondern den von Shimano) eingebaut hat, lesen Sie hier.

Das Logo des Porsche E-Bike Sport ist der sichtbarste Hinweis auf die Herkunft des ansonsten dezenten Rades. Foto: Firlus

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Verwandte Themen
Künstliche Intelligenz
USA
Nvidia
Olaf Scholz
Donald Trump
Emmanuel Macron

Herzlich

Ihr

Sebastian Matthes

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt