Sony Music: Schwere Vorwürfe gegen den Europachef des Musik-Konzerns
Berlin. Erst dachte sie, es wäre ihre Schuld. Kathrin Berger* schämte sich, wenn Daniel Lieberberg sie wieder mal vor versammelter Mannschaft zusammenfaltete. Nichts war dem Europachef des Labels Sony Music gut genug. Nicht ihr Musikgeschmack, nicht ihre Managementleistung. Mit der Zeit begann Berger, an sich zu zweifeln.
Sie war damit nicht allein. Manche Kolleginnen und Kollegen trauten sich kaum noch in Konferenzen. „Ich muss hier raus“, dachte sich Berger und ging.
Nun, einige Zeit später, hat die Rechtsabteilung von Sony Music nach Informationen des Handelsblatts eine Ermittlung gegen Lieberberg eingeleitet. Auslöser waren zwei Brandbriefe von Mitarbeitern. Ein Schreiben ging an den Betriebsrat, das andere an Konzernchef Rob Stringer.
Beide Briefe beschreiben Lieberberg als „cholerisch, hysterisch, respektlos und unbeherrscht“ gegenüber Mitarbeitern. Lieberberg stelle seine eigenen Interessen und die von Verwandten über das Interesse des Konzerns. Mitarbeiter berichteten dem Handelsblatt, Lieberberg würde sie regelmäßig verbal niedermachen; Frauen berichten davon, dass er sie unaufgefordert zur Begrüßung geküsst habe.