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LeserdebatteLässt die Unterstützung für die Ukraine nach?

Nach Abschluss des Ukraine-Friedensgipfels am vergangenen Sonntag diskutiert die Handelsblatt-Leserschaft diese Woche über die Unterstützungsbereitschaft – und warum diese möglicherweise schwindet.Johanna Müller 21.06.2024 - 04:24 Uhr aktualisiert
Im Bürgenstock Hotel in der Schweiz fand vergangenes Wochenende ein Friedensgipfel für die Ukraine statt. 93 Staaten nahmen teil, Russland war nicht dabei. Foto: dpa

Die Abschlussresolution des Ukraine-Friedensgipfels in der Schweiz unterzeichneten am Sonntag nur 80 der 93 teilnehmenden Staaten. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) warnt im Nachgang vor den Risiken, die eine nachlassende Unterstützung der Ukraine haben könnte.
Wir haben unsere Leserschaft gefragt, wie sie die Unterstützungsbereitschaft einschätzt.

Viele Leserinnen und Leser schreiben, dass sie eine nachlassende Unterstützungsbereitschaft in Deutschland wahrnehmen. Grund dafür könnte laut einem Leser sein, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich über die „finanziellen Verpflichtungen“ sorgten, die der Wiederaufbau der Ukraine mit sich bringe.

Auffälliger als die abnehmende Hilfsbereitschaft findet ein anderer Leser, dass die Gegenstimmen immer lauter würden. Er erhält Zustimmung von einer Leserin: Viele Leute würden ihren „innerdeutschen Frust“ fälschlicherweise mit den Sozialleistungen an Geflüchtete aus der Ukraine in Verbindung bringen – und das, obwohl diese gar nicht "die Schuld an der Misere tragen“.

Die Entwicklungen empfinden viele Leserinnen und Leser als erschreckend. Die Unterstützungen, die bisher an die Ukraine geflossen sind, seien ohnehin „schon immer nachlässig“ gewesen, schreibt ein Leser und führt weiter aus: Der Ukraine würde gerade so viel Unterstützung zukommen, dass sie nicht aufhören, „aber eben auch nicht gewinnen kann“.

Wenn die Hilfeleistungen nun noch weiter abnähmen, würde das Russlands Präsident Wladimir Putin das Signal senden, dass die Solidarität des Westens „ihre Grenzen“ habe, die er nur ausfindig machen müsse. Weil die „Ukraine aber auch unsere Freiheit und unsere demokratischen Werte“ verteidige, dürfe die Unterstützung nicht nachlassen, mahnt ein Leser.

Einige Leser sehen das anders. Gerade weil die Unterstützung für die Ukraine nachlasse und große Herausforderungen anstünden, „sollten diplomatische Lösungen und eine Reduktion der militärischen Unterstützung Priorität haben“, findet ein Leser. Ein anderer Leser meint, dass die Ukraine den Verlust einiger Gebiete akzeptieren und sich die „Rest-Ukraine“ über Nato-Garantien absichern sollte. Er begründet, nur so sei „die Stabilisierung in Europa“ vorstellbar.

Für unser Leserforum haben wir aus den Zuschriften eine Auswahl für Sie zusammengestellt.

Ich stimme Frau Baerbock zu

„Die Außenministerin spricht einen wunden, wahren Punkt an. Ein träges ‚Weiter wie bisher‛ bezüglich der Ukraine-Unterstützung kann und darf es nicht geben. Das wäre nicht im Sinne des Westens und schon gar nicht im Sinne der Ukraine.

Russland wird weitermachen, also müssen wir als solidarische Partner der Ukraine auch weiterhin Unterstützung leisten. Ob die Unterstützung nachgelassen hat, würde ich verneinen, vielmehr hat sie bisher nie im richtigen Maße stattgefunden.

Ich stimme Frau Baerbock zu: Die Ukraine verteidigt auch unsere Freiheit, in gewisser Weise auch unsere Grenzen. Nachgelassen hat jedoch das Interesse der Gesellschaft, sich mit den Gräueltaten des Kriegs auseinanderzusetzen. Dass das Interesse nachlässt, ist verständlich. Dass die Unterstützung nachlässt, wäre ein Unding.“
Magdalena Ritzen

Respekt schließt Gewalt aus

„‚Nur 80 der teilnehmenden Nationen unterzeichneten etwas, das für jeden Menschen auf diesem Planeten ein Grundrecht darstellt: Freiheit statt Sklaverei. Der Rest der UN-Staaten, die nicht vertreten waren oder nicht unterschrieben haben, zeigen Desinteresse. Dabei dürfte der lange, giftige Atem des Kremls eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Dennoch empfinde ich das Zeichen, das die 80 Staaten gesetzt haben, eher als ermutigend. Die Unterstützung für die Ukraine darf nicht nachlassen, wird nicht nachlassen, sondern sie wird wie bisher schwanken.

Es geht um Sein oder Nichtsein nicht nur der Ukraine, sondern auch der Freiheit, der Lebensfreude, des Menschseins. Respekt schließt Gewalt aus. Die 80 haben Putins Barbarei die Stirn geboten. Bravo!“
Jannis Vassilatos

Die Ukraine sollte ihre Verluste akzeptieren

„Ich finde, der Ukraine sollte vermittelt werden, dass sie von ihrem absoluten Standpunkt abweichen sollte und dazu bereit sein sollte, ‚verlorene‛ Gebiete (Krim, Donezk) aufzugeben.
Abkommen der (späteren Rest-)Ukraine mit der EU und Garantien der Nato (wie auch immer diese in Zukunft aussehen mag) sollten die Sicherheit gewährleisten.

Nur so kann ich mir die Stabilisierung in Europa vorstellen, um in der Nach-Putin-Ära für eine Normalisierung der Ost-West-Beziehung gerüstet zu sein.“
Michael Stegmann

Es ist zu wenig

„Die Unterstützung der Ukraine hat nicht jetzt nachgelassen. Sie war schon immer nachlässig. Die Ukraine bekommt gerade so viel Unterstützung, dass sie nicht aufhören kann. Aber eben auch nicht gewinnen kann.

So vergrößert sich nicht nur das Leid, auch die technischen Ressourcen werden sinnlos verschwendet.“
Ulrich Boldt

Innerdeutscher Frust wird falsch abgeladen

„In meiner Wahrnehmung hat die Unterstützung für die Ukraine international zugenommen, jedoch innerhalb Deutschlands abgenommen. Aus meiner Sicht ist es ein Erfolg, dass 93 Staaten zum Friedensgipfel gereist sind und damit grundsätzlich das Signal senden, die territoriale Integrität der Ukraine zu respektieren.

Gleichzeitig erklären mehr und mehr Menschen in meinem Umfeld den Zuspruch für die AfD mit Frust über Ausgaben für Geflüchtete aus der Ukraine. Hier wird der eigene innerdeutsche Frust in einen direkten Zusammenhang mit Leistungen an Geflüchtete gestellt und damit suggeriert, dass diese die Schuld an der Misere tragen.

Das Leid der Ukrainerinnen und Ukrainer wird genauso ignoriert wie ihr Einsatz für Freiheit und Demokratie – Werte, die uns eigentlich verbinden sollten, jedoch auf bedrohliche Weise mehr und mehr verloren gehen.“
Nadine Hansen

13 Beteiligte stehlen sich aus der Verantwortung

„Der Ukraine-Friedensgipfel war und ist eine Farce. Schlecht vorbereitet, miserabel abgestimmt und dazu fehlende Regie. Der Gipfel hätte zwingend nur stattfinden dürfen, wenn Provokateur Putin als nachgewiesener Kriegsverbrecher eingeladen worden wäre und gekommen wäre und wenn China seiner Verantwortung entsprechend anwesend gewesen wäre.

Niemand hätte sich aus der Verantwortung stehlen können. Dass 13 Beteiligte sich leise weinend aus der Verantwortung gestohlen haben, wird dem Kriegsverbrecher in die Hände spielen und ihn schenkelklopfend in seiner Trutzburg grinsen lassen.

Ein ganz übles Ergebnis für das globale Dorf, was die Welt ja nun mal ist. Kurzsichtigkeit und Dummheit feiern ihre Siegesfete. Die Zeche zahlten Kinder, Frauen, Männer, alle Bürger der Ukraine.“
Wilhelm Falkenroth

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock warnt vor den Folgen, falls der Konflikt in der Ukraine verloren wird. Foto: IMAGO/Lehtikuva

Die Gegenstimmen werden immer lauter

„Die Unterstützung nimmt meiner Meinung nach nur leicht ab. Es ist aber erschreckend, wie laut und normal die Gegenstimmen mittlerweile werden.

Die Befürworter verlieren durch die Normalisierung beziehungsweise die Gewöhnung an die schlimmen Nachrichten die Kraft, sich weiter offen und laut dafür auszusprechen. Dadurch ändert sich meiner Meinung nach die öffentliche Wahrnehmung. Traurig und erschreckend, da der andauernde Support essenziell ist.“
David Becker

Besser diplomatische als militärische Lösungen

„Die Unterstützung für die Ukraine scheint nachzulassen, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein könnte.

Zum einen gibt es in der Bevölkerung wachsende Bedenken bezüglich der wirtschaftlichen Belastungen und der Energieversorgung.
Zum anderen sind viele besorgt über die langfristigen finanziellen Verpflichtungen, die ein Wiederaufbau der Ukraine mit sich bringen würde.

Zudem herrscht Ungewissheit über die politische und kulturelle Integration der Ukraine in die EU. In Anbetracht dieser Herausforderungen sollten diplomatische Lösungen und eine Reduktion der militärischen Unterstützung Priorität haben.“
Michael Nowak

Es gibt ohnehin nur Verlierer

„Verhandelt doch endlich. Es wird ohnehin nur Verlierer geben. Gibt es keine bessere Verwendung für das viele Geld?“
Joe Doran

Ohne Unterstützung bekommt Putin, was er will

„Wenn die Ukraine irgendwann keinen Widerstand mehr gegen die russische Aggression leistet, weil sie es schlichtweg nicht mehr kann, ist das ein klares Signal für Putin – die Unterstützung und Solidarität des Westens hat ihre Grenzen.

Wo diese genau liegen, lohnt sich für ihn zukünftig dann umso mehr herauszufinden, um diese Grenzen auszureizen und dafür, wenn es sein muss, auch Leben zu opfern. Denn er bekommt, was er will. In diesem Fall: Land.

Ja, wir sind alle müde vom Schrecken des Kriegs, aber nur, weil er in sicherer Entfernung von uns stattfindet. Läge er näher, würde statt Trägheit blanke Angst die gesellschaftliche Stimmung beherrschen.“ Holger Kaarst

Wir sollten froh sein, dass Deutschland unterstützen kann

„Wenn über die Unterstützung der Ukraine gesprochen wird, fällt im gleichen oder zumindest nächsten Satz oft ein Kommentar, wie teuer das alles ist.

Ja, Deutschland zahlt viel dafür, aber Deutschland hat nun mal auch ein finanziell stabileres Fundament als manch andere Staaten in der EU. Darüber sollten wir froh sein, statt uns aufzuregen, dass wir dadurch auch mehr unterstützen können.

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Und dann die Kommentare, die Ukrainer würden hier fürstlich vom Bürgergeld leben ... Das ist doch so wüst!
Ich bin überzeugt, die ukrainischen Menschen würden – sofern es die Lage zuließe – gern sofort wieder zurück, auch wenn sie dort finanziell vor der großen Null stehen würden. Nicht zuletzt, weil ihnen hier viele Menschen nicht das Gefühl geben, dass ihnen gerne geholfen wird. Manchmal schäme ich mich wirklich für meine Mitmenschen.“
Sebastian Karcher

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