Großbritannien: Wahl bringt wohl historischen Machtwechsel, aber kaum Hoffnung
London. „Ich höre schon lange nicht mehr hin“, erzählt Gene Ivory. Die letzte TV-Debatte zwischen dem konservativen britischen Premierminister Rishi Sunak und seinem Herausforderer Keir Starmer von der Labour-Partei hat die Pensionärin nach wenigen Minuten abgeschaltet. „Ich traue keinem von beiden.“
Am Tag nach dem finalen TV-Duell der Spitzenkandidaten vor der Parlamentswahl in Großbritannien am 4. Juli herrscht im Nordseebad Clacton an der englischen Ostküste vor allem Gleichgültigkeit. Von Wechselstimmung oder gar Euphorie keine Spur.
Dass hier, wie im Rest des Königreichs, in wenigen Tagen aller Voraussicht nach ein Machtwechsel stattfinden wird, ist den meisten Briten, die an der Strandpromenade entlang von Spielhöllen und Fish-and-Chips-Restaurants flanieren, egal. „Das Land geht kaputt. Egal, wer regiert“, sagt der etwa 25-jährige Sam, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte.
Er werde entweder gar nicht wählen oder seine Stimme Nigel Farage geben. Der Rechtspopulist, der als „Mr. Brexit“ europaweit bekannt geworden ist und die jetzige Wahl zu einem Kulturkampf gegen Einwanderer macht, bewirbt sich in Clacton um ein Direktmandat für das Unterhaus. Mit seiner Partei Reform UK will er eine Revolte gegen das politische Establishment in Westminster anführen.