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US-WahlenWen macht Trump zu seinem Vizekandidaten?

Kampagnen-Strategen raten Trump zu einer Person, die als „Running Mate“ gezielt bestimmte Wählergruppen ansprechen kann – etwa Frauen oder Evangelikale. Wer sind die Favoriten? Ein erster ist Insidern zufolge aus dem Rennen.Timm Seckel, Annett Meiritz 15.07.2024 - 20:06 Uhr aktualisiert
Mögliche Vizepräsidentschaftskandidaten für Trump: J.D. Vance, Doug Burgum, Marco Rubio (von links) Foto: Reuters (2), AP

Düsseldorf, Washington. Die Republikaner zelebrieren bei ihrem Parteitag in Milwaukee die offizielle Ernennung von Donald Trump zu ihrem Präsidentschaftskandidaten. Für den Wahlkampf ist aber vor allem eine offene Frage wichtig: Wer wird Trumps „Running Mate“, also Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten?

Trump hat angekündigt, dass er seine Wahl am Montag verkünden will. Beobachter rechnen damit, dass die Kriterien folgende sind: absolute Loyalität zu Trump und die Bereitschaft, sich bei Kommentaren und Entscheidungen voll auf seiner Linie zu bewegen.

Die Frage des Stellvertreters ist eng mit Trumps Wiederwahlchancen verknüpft. Sein früherer Vize Mike Pence, der mit Trump inzwischen über Kreuz liegt, umgarnte Großspender und Evangelikale, gemeinsam gewannen sie die Wahlen 2016.

Jetzt kursiert wieder eine Reihe von Namen, auch von Personen, die erst auf den zweiten Blick geeignet wären – und gerade deshalb für Trump attraktiv sein könnten. Wer sind die Favoriten?

J. D. Vance

Der 39-jährige Senator aus Ohio gehört zu Trumps wichtigsten Unterstützern in der Öffentlichkeit. Nur Stunden nach dem Attentat auf Trump in Pennsylvania schrieb er auf X, die Wahlkampagne von Joe Biden sei mittelbar für die Attacke verantwortlich. Trumps Entscheidung, nichts an seinen Zeitplänen für den Republikaner-Zeitplan zu verschieben, lobte Vance: „This dude is just built different.“

Vance wurde als Autor des Bestsellers „Hillbilly Elegy“ bekannt, in dem er sein Aufwachsen im ländlichen Kentucky mit politischen Schlussfolgerungen verknüpft. Es erschien 2016, die „New York Times“ nannte es eines der besten Bücher, um den überraschenden Trump-Sieg bei der Präsidentschaftswahl zu verstehen. Der studierte Jurist arbeitete vor seiner politischen Karriere als Venture-Capital-Investor, unter anderem für den ultrakonservativen Peter Thiel.

Seinen Wahlsieg in Ohio verdankt Vance nicht zuletzt Trump, der sich bei der Senatswahl 2022 offiziell für ihn aussprach. Beide verbindet eine harte Linie in Sachen Einwanderung und Handelspolitik.

Zum Abtreibungsrecht hat der gläubige Katholik Vance eine strikte Position: Er will Abtreibungen nach der 15. Schwangerschaftswoche in jedem Fall verbieten. Das Thema ist innerhalb der Partei umstritten, Trump selbst hat dazu in der Vergangenheit unterschiedliche Positionen vertreten.

J. D. Vance ist erst seit wenigen Jahren in der Politik. Foto: AP

Gegen Vance spricht außerdem, dass er als weißer Amerikaner keine zusätzlichen Wählergruppen erschließen kann. Sein Heimatstaat Ohio gilt zudem nicht mehr als Swing State – so werden Bundesstaaten bezeichnet, in denen die Wahl besonders knapp ausgeht –, sondern dürfte sehr wahrscheinlich an Trump gehen.

Doug Burgum

Der Gouverneur von North Dakota wollte selbst für die Republikaner kandidieren, beendete seine Kampagne aber Ende 2023, nachdem er nicht genügend Zustimmung in Umfragen erhielt. Schon während seiner Kampagne griff der 67-Jährige Trump nicht offen an, sodass die Gefahr einer eigenen Agenda Burgums eher gering sein dürfte.

Doug Burgum ist auf der nationalen politischen Bühne bisher kaum in Erscheinung getreten. Foto: AP

Burgum verkaufte seine Softwarefirma um die Jahrtausendwende an Microsoft und gilt seitdem als Milliardär. In die Politik kam er 2016 als unbekannter Kandidat für das Gouverneursamt – und gewann die Wahl überraschend. Ungewöhnlich für einen republikanischen Politiker: Burgum will North Dakota möglichst schnell klimaneutral machen und setzt dabei neben CO2-Reduktion vor allem auch auf „Carbon Capture and Storage“, also das Abscheiden und Verpressen von CO2.

Gegen Burgum spricht, dass er kaum Erfahrung auf der nationalen Politikbühne hat. Außerdem ist er keiner sozialen Gruppe klar zuzuordnen, sodass er kaum zusätzliches Wählerpotenzial erschließen dürfte.

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Welche Folgen hat das Trump-Attentat für den US-Wahlkampf?

Marco Rubio

Der Senator aus Florida war einst ein erbitterter Trump-Rivale und kritisierte ihn vor der Wahl 2016 scharf. Doch seither haben sich beide angenähert, sodass Rubio inzwischen zu den Favoriten auf den Posten des Vizekandidaten gehört. Der 53-Jährige ist Sohn kubanischer Einwanderer und seit Jahren eine prominente Figur der Republikaner.

Marco Rubio könnte Stimmen aus der wachsenden Wählergruppe mit hispanischen Wurzeln einbringen. Foto: AP

Rubio positionierte sich zuletzt dezidiert proisraelisch und kritisierte Russlands Präsidenten Wladimir Putin scharf, was Trump und der republikanischen Basis ebenfalls gefallen dürfte.

Allerdings: Wenige Stunden vor der erwarteten Bekanntgabe des Running Mate berichtet die Anchrichtenagentur reuters unter Berufung auf Insider, dass Rubio aus dem Rennen sei. Dies sei dem Senator aus Florida ausgerichtet worden.

Nikki Haley

Donald Trumps größtes Problem ist es, dass er kaum außerhalb seiner Kernbasis mobilisiert. Fachleute sind sich einig, dass er seine Kampagne noch anpassen muss, um Frauen, Wechselwähler, Moderate und höher Gebildete zu überzeugen.

Nikki Haley, die Trump als letzte Rivalin um das Amt des republikanischen Kandidaten herausforderte, punktet in Zielgruppen, die mit Trump fremdeln. Rein strategisch gilt ihre mögliche Kandidatur als kluger Schachzug.

Nikki Haley war die letzte verbliebene Rivalin von Trump in den Vorwahlen, rief danach aber dazu auf, ihn zu unterstützen. Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Allerdings beschimpfte Trump Haley vor wenigen Monaten noch als „Vogelhirn“, und Haley weist den Wunsch nach dem Posten des „Running Mate“ von sich. Noch im Mai sagte Trump, er denke bei seiner Auswahl nicht an Haley – und klang dabei entschieden. Doch ihre guten Verbindungen zu vermögenden Spendern und ihr zivileres Auftreten könnten Trump letztlich doch überzeugen.

Elise Stefanik

Die Abgeordnete Elise Stefanik, ranghöchste Republikanerin im Kongress, gilt ebenfalls als plausible Anwärterin auf die Vizekandidatur. Die Harvard-Absolventin galt früher als Trump-Kritikerin, inzwischen ist sie eine seiner engsten Vertrauten. Die 39-Jährige könnte ebenfalls gezielt Frauen und jüngere Wählerschichten ansprechen. Sie gehörte zu den 147 Kongressmitgliedern, die am 6. Januar 2021 dagegenstimmten, den Wahlsieg von Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl gegen Trump offiziell zu bestätigen. An dem Tag stürmte ein wütender Mob von Trump-Anhängern das Kapitol.

Elise Stefanik ist mit 39 Jahren die jüngste Frau im Rennen um Trumps Vizekandidatur. Foto: AP

Weitere Prominenz erlangte sie, als sie vor dem Kongress die Präsidenten und Präsidentinnen mehrerer Elite-Universitäten zu anti-israelischen Protesten an ihren Hochschulen befragte. In der Folge trat etwa die Harvard-Präsidentin Claudine Gay von ihrem Amt zurück – was Konservative als Gewinn und Leistung Stefaniks werteten.

Gegen Stefanik spricht ihr Heimatstaat New York, denn auch mit einer Vizekandidatin von dort dürfte der Bundesstaat mit deutlicher Mehrheit an die Demokraten gehen.

Tim Scott

Der 58-jährige schwarze Senator aus South Carolina hatte sich eigentlich selbst um die Präsidentschaftskandidatur beworben. Doch schon im November begrub er seine Ambitionen und reihte sich fortan treu hinter Trump ein.

Tim Scott könnte vor allem schwarze und evangelikale Wähler ansprechen. Foto: Bloomberg

Strategisch würde eine Wahl Scotts aus Sicht vieler Trump-Berater aufgrund seiner Hautfarbe Sinn ergeben. Scott tritt zudem deutlich zurückhaltender als Trump auf, was als Kontrastprogramm funktionieren könnte. Auch genießt er einen Ruf als formidabler Wahlspenden-Sammler. Scott betont zudem seinen evangelikalen Glauben, was in dieser Bevölkerungsgruppe Stimmen bringen könnte.

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