USA: Der Musk-Schub für die Trump-Wahl
San Francisco, Milwaukee. Vor den Hochsicherheitsbarrikaden rund um die Republikaner-Convention in Milwaukee sieht man erst einen, dann zwei, dann den dritten Cybertruck von Tesla. Überall wo die monströsen, panzerartigen Autos fahren, drehen sich Menschen nach ihnen um – denn in freier Wildbahn sieht man Cybertrucks selten. Sie werden in geringer Stückzahl gefertigt.
Beim Republikaner-Parteitag, der in dieser Woche im US-Bundesstaat Wisconsin stattfindet, ist die Cybertruck-Dichte aber ungewöhnlich hoch. Das Modell scheint unter Trump-Anhängern Kultstatus erreicht zu haben – und das, obwohl sich der in Milwaukee von 5000 Delegierten und 50.000 Gästen umjubelte Präsidentschaftskandidat in der Vergangenheit als Elektroauto-Feind geriert hatte.
„Die Autoindustrie wird ermordet“, hatte Donald Trump noch im Herbst Arbeitern in einem Getriebewerk bei Detroit zugerufen. Staatliche E-Auto-Förderung sei eine „Idee von Umweltverrückten aus der Hölle“. Doch nun könnte sich der Wind drehen.
Ein Hauptgrund: Tesla-Chef Elon Musk ist komplett ins Trump-Lager umgeschwenkt. Mit seinem gigantischen Vermögen und seinen 190 Millionen Followern auf der Plattform X könnte das den Wahlkampf entscheidend beeinflussen.
Nach dem Attentatsversuch auf Trump hat sich Musk so offen wie noch nie hinter den republikanischen Präsidentschaftskandidaten gestellt. „Ich unterstütze Präsident Trump voll und ganz und hoffe auf seine schnelle Genesung“, twitterte Musk.
Am Montag berichtete dann die Zeitung „Wall Street Journal“, Musk wolle den Wahlkampf des Republikaners finanziell unterstützen. Der Unternehmer will demnach monatlich rund 45 Millionen Dollar für einen Pro-Trump-Super-PAC zur Verfügung stellen. Als Political Action Committee (PAC) bezeichnet man in den USA Lobbygruppen, die Politiker unterstützen. Eine nicht näher bezifferte Spende an das Vehikel „America PAC“ hat Musk bereits zur Unterstützung Trumps geleistet.
Zu dessen Unterstützern gehören auch der Sportartikelhersteller Lonsdale mit einer Spende von einer Million Dollar sowie die Investoren Tyler und Cameron Winklevoss mit jeweils 250.000 Dollar. Musks geplantes Engagement würde diese Beiträge bei Weitem übertreffen.
Alpha-Tiere mit komplizierter Beziehung
Für Musk stellt die offene Unterstützung Trumps ein Abschied von früheren Positionen dar. Der Tesla-Chef hatte Trump in der Vergangenheit mehrfach dazu aufgerufen, er müsse sich in den Ruhestand begeben. Im Juli 2022 schrieb er wörtlich, es sei für Trump an der Zeit, „in den Sonnenuntergang zu segeln“.
Kurz vor den wichtigen US-Zwischenwahlen im November 2022 rief er dann dazu auf, die Republikanische Partei zu wählen.
Im Frühjahr hatten Trump und Musk laut Berichten erstmals über eine mögliche Beraterrolle für den Tesla-Chef diskutiert, sollte Trump ins Weiße Haus zurückkehren. Musk hat es laut seinem Umfeld Präsident Joe Biden nie verziehen, ihn nicht zu einem Treffen mit mehreren Automobil-CEOs eingeladen zu haben: Bereits 2022 beschwerte sich Musk öffentlich über die Zurücksetzung.
Noch im vergangenen Jahr hatte Musk erklärt, er werde „keinen bestimmten Kandidaten“ offiziell unterstützen. Zuletzt wurde er jedoch immer mehr zu einer Leitfigur der amerikanischen Rechten.
Vor wenigen Tagen erklärte Musk, er verlege den Sitz seiner Weltraumfirma SpaceX und des Kurznachrichtendienstes X von Kalifornien nach Texas. Zur Begründung verwies Musk auf ein kalifornisches Gesetz, das Schulen erschwert, Eltern über die sexuelle Orientierung ihrer Kinder zu informieren.
Trump im Aufwind, Biden vor Rückzug?
Er bezeichnete das Gesetz in einem Post als „letzten Tropfen“, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Auch habe er im politisch linken San Francisco genug davon gehabt, sich vor „Banden gewalttätiger Drogenabhängiger“ wegzuducken, nur um in die X-Zentrale zu kommen.
Musk-Firmen könnten profitieren
Mit der Unterstützung des möglicherweise nächsten US-Präsidenten dürfte Musk laut Beobachtern auch die Aussichten seiner eigenen Unternehmen im Blick haben. So hat Trump eine breitflächige Deregulierung versprochen, von der Musks KI-Start-up x.AI profitieren könnte.
Auch für seine Weltraumfirma SpaceX erhofft sich Musk neue Aufträge. Das Programm der Republikaner fordert den Ausbau öffentlich-privater Partnerschaften im Raumfahrtsektor, den SpaceX dominiert. Es enthält auch das Versprechen, US-Astronauten zum Mond und zum Mars zu schicken, ein erklärtes Ziel der Weltraumfirma.
„Musk ist der ultimative Kapitalist, und Trump ist ein ähnlicher Kapitalist im Geiste“, sagte Lou Peluso vom Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal der Agentur Bloomberg. „Elon hofft auf ein günstigeres Umfeld für seine vielen Unternehmen, sei es durch weniger regulatorische Hürden oder durch mehr Unterstützung, um das Wachstum anzutreiben.“
Und noch ein weiterer Sektor könnte profitieren: Führt die Annäherung von Musk und Trump dazu, dass sich die Stimmung gegenüber der Elektromobilität in den USA wieder dreht? Aus Sicht vieler Automanager wäre das zu wünschen, ganz egal, wer im November die Präsidentschaftswahl gewinnt.
Zuletzt war der Absatz von E-Autos in Nordamerika deutlich eingebrochen, und das trotz großzügiger staatlicher Förderprogramme. Das ist auch ein Problem für die deutschen Autohersteller, die in den vergangenen Jahren Milliarden in den Umbau ihrer US-Werke investiert haben.
Im Musikvideo zur inoffiziellen „Trump-Hymne“ des Parteitags in Milwaukee spielt mit dem Cybertruck ein E-Auto schon mal eine Schlüsselrolle. Das Model Amber Rose hat mit dem Rapper Forgiato Blow einen Song herausgebracht, zu dem die Delegierten in der Parteitagshalle tanzten.
Es ist ein Sample des 90er-Jahre-Superhits „Ice Ice Baby“ von Vanilla Ice und heißt „Trump Trump Baby“. Rose und Blow tanzen im Video vor jeder Menge Graffiti, Garagen – und eben dem Cybertruck. „Wir wählen Donald Trump, Baby. Amerika muss gerettet werden“, rappt Blow vor dem in Pro-Trump-Plakate gehüllten Tesla-Auto: „Schwarz, Weiß und Braun, alle wählen Trump.“
„Die Wahl ist eindeutig“, twitterte Musk zu einem Foto von Trump.