Luftfahrt: Frankfurter Flughafen fährt nach Klimaprotesten Betrieb wieder hoch
Frankfurt. Nach der Blockade des Flughafens Köln/Bonn haben Klima-Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ auch den Betrieb am größten deutschen Airport in Frankfurt für einige Stunden lahmgelegt. Seit 07.50 Uhr seien aber alle vier Start- und Landebahnen wieder offen und der Betrieb laufe wieder, sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport am Donnerstagmorgen.
Es seien insgesamt rund 1400 Flüge über Frankfurt geplant gewesen. . Dem Flughafenbetreiber Fraport zufolge wurden mindestens 200 für Donnerstag geplanten Flüge gestrichen. Auch für den Rest des Tages sei mit Verzögerungen im Betriebsablauf zu rechnen. „Fluggäste werden gebeten vor Anreise an den Flughafen ihren Flugstatus auf den Internetseiten der Fluggesellschaften zu prüfen.“
Laut Bundespolizei waren mehrere Demonstranten am frühen Morgen in das Gelände eingedrungen und hatten sich im Sicherheitsbereich festgeklebt. Fluggäste wurden zunächst gebeten, den Flughafen vorerst nicht aufzusuchen und den Status ihrer Flüge vorab auf den Internetseiten der Fluggesellschaften zu prüfen.
Frage nach Sicherheit – Reform geplant
Sechs Aktivisten hätten sich durch einen Maschendrahtzaun hindurch Zugang zum Flughafengelände verschafft und am frühen Morgen an verschiedenen Punkten die Start- und Landebahnen blockiert, teilte die Gruppe am Donnerstag auf der Plattform „X“ mit. Sie veröffentlichte dazu das Foto eines Aktivisten, der sich offenbar festgeklebt hat und ein Transparent mit der Aufschrift „Öl tötet“ hält. Ein Polizeisprecher machte zur Anzahl der Aktivisten zunächst keine Angaben.
Die Demonstranten hätten am Frankfurter Flughafen mit kleinen Zangen Öffnungen in den Maschendrahtzaun geschnitten und seien zu Fuß, mit Fahrrädern und Skateboards an verschiedene Stellen rund um die Start- und Landebahnen gelangt, hieß es in der Mitteilung.
Die Aktion wirft auch ein Licht auf die Frage der Sicherheit an deutschen Flughäfen. „Wir müssen alles tun, dass Fremde, dass Aktivisten, dass Terroristen überhaupt gar keinen Zugang zu unseren Flughäfen bekommen“, sagte der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU). Bundesinnenministerin Nancy Faeser kritisierte das Vorgehen – wie zuletzt auch Verkehrsminister Volker Wissing und Justizminister Marco Buschmann – scharf.
„Diese Aktionen sind gefährlich, dumm und kriminell“, erklärte die SPD-Politikerin auf der Online-Plattform X. „Wer Landebahnen blockiert, riskiert nicht nur sein eigenes Leben, sondern gefährdet auch andere und schadet allen Reisenden.“ Diese Taten müssten strenger geahndet werden. „Wir haben empfindliche Freiheitsstrafen vorgeschlagen“, betonte die Ministerin mit Blick auf die geplante Verschärfung des Luftsicherheitsgesetzes.
Fraport kündigte an, man behalte sich rechtliche Schritte gegen die Klimaaktivisten vor. Solche Aktionen seien ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr. „Den Tätern drohen empfindliche Strafen und hohe zivilrechtliche Schadensersatzforderungen.“
Die Bundesregierung will mit einer Verschärfung des Luftsicherheitsgesetzes radikale Klimaschützer und andere Störer von gefährlichen Aktionen auf Flughäfen abhalten.
Kern der geplanten Reform, über die dann noch der Bundestag entscheiden muss, ist die Schaffung einer neuen Vorschrift, die das „vorsätzliche, unberechtigte Eindringen“ unter anderem auf das Rollfeld sowie die Start- und Landebahnen unter Strafe stellt – und zwar dann, wenn dadurch die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs beeinträchtigt wird.
Klimaaktivisten hatten bereits am Mittwoch etwa drei Stunden lang den Flugverkehr auf dem Flughafen Köln/Bonn lahmgelegt. Ähnliche Aktionen gab es am Mittwoch auch an Flughäfen in anderen europäischen Ländern, unter anderem in London und Oslo.
Flughafen will Sicherheitskonzept nachschärfen
Der Vorfall werde gemeinsam mit Bundespolizei und Landesbehörden aufgearbeitet, kündigte Fraport-Sprecher Christian Engel an. Das Sicherheitskonzept werde nachgeschärft. Ein Sprecher der Bundespolizei weist darauf hin, dass sämtliche Vorschriften in Frankfurt eingehalten worden seien. Die Alarmierung habe sehr schnell funktioniert und die Streifen seien noch einmal sensibilisiert worden. Dem Vernehmen nach waren die Anhänger der Letzten Generation an zwei verschiedenen Stellen eingedrungen und mussten drei Zäune überwinden, bis sie im inneren Sicherheitsbereich waren.
Forderung nach Ausstieg aus fossilen Energien
Die Gruppe wiederholte am heutigen Donnerstag ihre Forderung vom Vortag an die Bundesregierung, „ein rechtsverbindliches internationales Abkommen mitzugestalten und zu unterzeichnen, das den weltweiten Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle bis 2030 regelt“.
Die Aktion sei Teil von internationalen Protesten in Deutschland, den USA, Großbritannien, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz, Kanada, Schweden, Finnland, Spanien und Norwegen