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Energie BriefingSerbien soll beim Lithium unabhängiger von China machen

Lithium ist zentral für E-Auto-Akkus und stammt oft aus China. Um sich von der Volksrepublik unabhängiger zu machen, setzt die EU auf Lithium aus Serbien. Doch das ist nicht so einfach.Olga Scheer 18.08.2024 - 14:20 Uhr Artikel anhören
Für Serbiens Präsident Vucic (re.) ist das Lithium-Projekt ein Milliarden-Deal, Kanzler Scholz will vor allem die Abhängigkeit von China reduzieren. Foto: dpa

Ohne Lithium keine Akkus für Elektroautos, ohne Elektroautos keine Verkehrswende: Lithium ist ein Schlüsselrohstoff – und entsprechend nachgefragt. Die Europäische Union (EU) hat kürzlich kürzlich eine Rohstoffpartnerschaft mit Serbien abgeschlossen: Das Lithium-Vorkommen des Landes soll abgebaut werden, die EU Zugriff bekommen. Doch seit Tagen protestieren Serbinnen und Serben gegen das Projekt.

Für die EU und das Autoland Deutschland ist der Deal wichtig. Und auch Serbien hat sich von ihm einiges erhofft.

So wollte Staatspräsident Aleksandar Vučić der EU damit Verlässlichkeit demonstrieren. Wir hätten den Deal auch mit China machen können, sagte Vučić im Interview mit dem Handelsblatt (zwar etwas weniger deutlich, gemeint hat er aber genau das), kurz bevor der Deal eingefädelt wurde. „Aber wir sind loyal zu Europa.“

Schon seit 2012 laufen Beitrittsgespräche zwischen Serbien und der EU. Und sie laufen nicht gut. So trägt Serbien die Sanktionspolitik gegen Russland als einziges Land in Europa nicht mit, auch das serbische Freihandelsabkommen mit China sieht Brüssel nicht gerne.

Denn die EU will sich unabhängiger von China machen. Im Grunde ist das der einzige Grund für den Clean Industrial Deal, den Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen noch in den ersten hundert Tagen ihrer zweiten Amtszeit präsentieren will. Dieser soll Unternehmen bei der Energiewende unterstützen und Rahmenbedingungen schaffen.

China ist nach Australien und Chile der drittgrößte Lieferant des Rohstoffs Lithium, europäische Unternehmen sind somit abhängig von China. Mit dem Critical Raw Materials Act will die EU erreichen, dass bis 2030 zehn Prozent des jährlichen Bedarfs an strategisch wichtigen Rohstoffen aus dem europäischen Bergbau gedeckt werden, sofern es Vorkommen in Europa gibt – wie in Serbien.

Doch die Proteste vor Ort zeigen, dass das nicht so einfach ist wie gedacht. Zehntausende Menschen sind am vergangenen Wochenende auf die Straße gegangen – aus Umweltgründen, aber auch, weil sie solch eine wichtige Ressource nicht einfach hergeben wollen.

Tausende Menschen demonstrieren in Belgrad gegen eine geplante Lithium-Mine. Foto: dpa

In der EU sieht man die Proteste hingegen gelassen. Es gibt ja noch andere Projekte. Ein wichtiger Grundsatz der Partnerschaft sei allerdings die soziale und ökologische Verantwortung des Bergbaus, heißt es aus der Kommission.

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Und wie will die EU das gewährleisten? Nun ja, die Verantwortung gibt Brüssel einfach an Belgrad ab. Von einem Beitrittsland erwarte man, sich an die Umweltstandards der EU zu halten, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission mit.

Dieser Text ist am 16. August 2024 zuerst im Handelsblatt-Newsletter Energie Briefing erschienen.

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