Faktencheck: Kann Deutschland wirklich das erste Fusionskraftwerk bauen?
Düsseldorf. Die neuen Pläne der Bundesregierung, bei der Nutzung der Fusionsenergie in Deutschland entscheidend voranzukommen, haben eine realistische Chance auf Erfolg. Das sagten mehrere Fusionsexperten am Donnerstag dem Handelsblatt.
Das Kabinett Merz hatte am Mittwoch eine Strategie namens „Deutschland auf dem Weg zum Fusionskraftwerk“ verabschiedet und plant, dass das weltweit erste Fusionskraftwerk in Deutschland entstehen soll. Noch in dieser Legislaturperiode sind dafür Investitionen von etwa 2,5 Milliarden Euro eingeplant.
Constantin Häfner, Professor und Vorstand für Forschung und Transfer der Fraunhofer-Gesellschaft, sagt: „Es ist realistisch, dass Deutschland als Erstes den industriellen Durchbruch bei der Fusionsenergie schafft, da wir die Basis für die Systemführerschaft besitzen.“
Sibylle Günter, Professorin und wissenschaftliche Direktorin des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, sagt: „Auf dem Gebiet der Tokamakforschung gehört Deutschland zur Weltspitze und könnte mit dabei sein, in Europa das erste Fusionskraftwerk zu bauen.“ Die sogenannte Tokamakforschung ist einer der wesentlichen Pfade, die in der Fusionsenergieforschung derzeit beschritten werden.
Auch der Unternehmensberater Stephan Ruehl, Partner bei der Beratung Arthur D. Little, sagt: „Es kann gut sein, dass Deutschland als erstes den Durchbruch für ein Fusionskraftwerk schafft.“
Ob es aber tatsächlich zu diesem Erfolg kommt, hängt nach Einschätzung der Wissenschaftler von einigen entscheidenden Faktoren ab.