Morning Briefing: Was der Maxi-Zinsschritt der Fed für Konjunktur und Börse bringt
Kräftig runter: Fed senkt Zinsen um halben Prozentpunkt
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
für die Zinsschritte der großen Notenbanken gilt normalerweise: Wenn sie überraschend kommen, haben die Zentralbanker ihren Job nicht gemacht. In einer genau kodifizierten Sprache bereiten sie die Finanzmärkte in der Regel sorgfältig auf ihre geldpolitischen Entscheidungen vor.
Bei der gestrigen Sitzung der US-Notenbank Fed gab es seit langem mal wieder echtes Überraschungspotenzial. Aus den Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell ließ sich nämlich im Vorfeld nicht ablesen, ob die Fed den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt oder einen halben Prozentpunkt senken würde.
Es wurde ein halber. Powell betonte im Anschluss an den Zinsentscheid:
Mit der deutlichen Zinssenkung wollen die Währungshüter laut Powell den geldpolitischen Kurs „neu kalibrieren“, um den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Die US-Notenbank hat anders als die Europäische Zentralbank (EZB) ein duales Mandat. Die Fed muss sowohl für Preisstabilität sorgen als auch für Vollbeschäftigung. Da sich die Inflation in den USA abgeschwächt hat, rückt nun der Arbeitsmarkt stärker in den Fokus.
Niedrigere Zinsen machen es billiger, sich Geld zu leihen, daher wirken sie in der Regel stimulierend auf Konjunktur, Arbeitsmarkt und Börse. Der US-Aktienmarkt reagierte allerdings unerwartet: Die Börsenindizes S&P 500 und der technologielastige Nasdaq schossen zwar direkt nach der Verkündung des Zinsentscheids nach oben, gaben einen Teil der Gewinne jedoch schnell wieder ab und schlossen 0,3 Prozent im Minus. Auch der Dow Jones notierte niedriger und schloss 0,2 Prozent schwächer.
Immer mehr afrikanische Staaten kündigen ihren Einstieg in die Atomkraft an. Laut einem Auszug aus dem noch unveröffentlichten World Nuclear Industry Report, der unserer Energie-Reporterin Kathrin Witsch vorliegt, haben insgesamt zehn afrikanische Länder konkrete Pläne zum Bau eines Atomkraftwerks.
Erst Ende August verkündete Ghana ein Abkommen mit dem Unternehmen Nuscale Power zum Bau eines sogenannten Small Modular Reactors (SMR). Die elektrische Leistung der Mini-AKWs ist im Vergleich zu einem herkömmlichen Meiler geringer. Das soll mehr Sicherheit und weniger radioaktiven Abfall bedeuten. Bislang ist weltweit allerdings noch kein SMR-Reaktor am Netz.
Während Ghana, Nigeria und Ruanda auf die Mini-Reaktoren warten, planen Äthiopien, Uganda, Sudan, Tansania und andere mit konventionellen Anlagen. Kenia hält sich beide Optionen offen. Mycle Schneider, Hauptautor des jährlichen World Nuclear Industry Reports, schränkt allerdings ein:
Bislang hat nur Ägypten seine Ankündigung in die Tat umgesetzt. Dort baut der russische Staatskonzern Rosatom seit diesem Jahr ein 4,8 Gigawatt leistungsstarkes Atomkraftwerk. 2030 soll es in Betrieb gehen.
Der Grund für Afrikas neu entdeckte Atom-Affinität: Die Bevölkerung auf dem Kontinent wächst rasend schnell, und mit einer größer werdenden Mittelschicht steigt auch der Stromhunger.
Die Telekom-Tochter T-Mobile hat milliardenschwere Ausschüttungen an die Aktionäre angekündigt. „Wir werden bis 2027 bis zu 50 Milliarden Dollar für Dividenden und Aktienrückkäufe bereitstellen“, sagte Firmenchef Mike Sievert am Mittwoch auf einem Investorentag. Außerdem wolle sein Unternehmen bis zum Jahr 2028 zwölf Millionen Kunden für sein 5G-Mobilfunknetz gewinnen. Anleger überzeugten die Ankündigungen aber nicht. Die Aktie drehte an der Wall Street ins Minus und notierte zuletzt gut zwei Prozent schwächer.
Der israelische Verteidigungsminister Joaw Galant sieht für die Kriegsziele seines Landes einen neuen Schwerpunkt. Der verlagere sich in das Grenzgebiet im Norden. Dorthin würden Truppen und Ressourcen verlegt. Im Norden grenzt Israel an den Libanon, wo sich israelische Grenztruppen fast täglich Gefechte mit den Terrorkämpfern der Hisbollah liefern. Die feuern regelmäßig Raketen auf zivile ZieIe in Israel. International wächst die Befürchtung, es könnte zu einem Krieg zwischen Israel und der mit dem Iran verbündeten Hisbollah kommen.
Befeuert werden diese Sorgen durch Anschläge auf Hisbollah-Kämpfer mit explodierenden Pagern am Dienstag und erneut am Mittwoch. Diesmal waren es Hisbollah-Sprechfunkgeräten, die massenhaft in die Luft flogen. Dadurch seien 20 Menschen gestorben und weitere 450 verletzt worden, teilte das libanesische Gesundheitsministerium mit.
Als 2020 Corona über Deutschland kam, war die gut gefüllte Kasse der Bundesagentur für Arbeit (BA) ein Segen. Dank Kurzarbeit und anderer Maßnahmen ging die Pandemie für den deutschen Arbeitsmarkt vergleichsweise glimpflich aus. Doch die 26 Milliarden Euro Rücklage der BA waren danach aufgebraucht. Seither ist es nicht gelungen, ein neues Finanzpolster aufzubauen. Für 2025 musste Nahles jetzt einräumen:
Hauptgrund: Die Arbeitslosenquote hat in diesem Jahr erstmals seit dem Coronajahr 2021 wieder die Sechs-Prozent-Marke überschritten und lag im August bei 6,1 Prozent. Das bedeutet mehr Leitungsempfänger und dadurch höhere Kosten.
In dieser heiklen Situation plant Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der Arbeitsagentur zusätzliche Kosten aufzubürden. Er will die Zuständigkeit für die Förderung der beruflichen Weiterbildung und Rehabilitation von erwerbsfähigen Bürgergeldempfängern ab dem kommenden Jahr von den steuerfinanzierten Jobcentern auf die beitragsfinanzierten Arbeitsagenturen übertragen. Das kostet die Beitragszahler rund 900 Millionen Euro zusätzlich. Das Geld wird fehlen, um die Rücklage der BA wieder aufzubauen.
Noch ist Olaf Scholz nicht Kanzlerkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2025. Die Sozialdemokraten schaffen in ihrer Parteizentrale aber schon mal Fakten. Der Parteivorstand hat eine Stelle für einen „Sekretär*in (w/m/d) im Büro von Olaf Scholz“ ausgeschrieben. Die Stelle soll „zum nächstmöglichen Zeitpunkt und im Rahmen des Bundestagswahlkampfes befristet bis zum 31.10.2025“ besetzt werden, also bis kurz nach der Bundestagswahl Ende September 2025.
Das Anforderungsprofil sei durchaus zum Schmunzeln, schreibt mein Kollege Martin Greive: Die neue Bürokraft des Bundeskanzlers im Willy-Brandt-Haus soll „Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsstärke“ mitbringen – laut Greive „just die beiden Eigenschaften, die Scholz laut Kritikern aus der Wirtschaft und der Politik, auch aus der eigenen Partei, abgehen“.
Zudem sollte der Kandidat oder die Kandidatin „Hands-on, lösungsorientiert und aktivierend in der Umsetzung“ sein. Wohlgemerkt: Gesucht wird mit dieser Stellenausschreibung nur die Bürokraft des SPD-Kanzlerkandidaten, nicht der neue Bundeskanzler selbst.
Ich wünsche Ihnen einen Donnerstag voller Selbstwirksamkeit.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt