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LibanonNeue Welle von Explosionen – Nun Handfunkgeräte betroffen

Nach den Pagern explodieren bei zahlreichen Hisbollah-Mitgliedern die Walkie-Talkies. Wieder gibt es Tote. Israel kündigt unterdessen eine „neue Phase des Krieges“ in Richtung Libanon an. 18.09.2024 - 21:33 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Ein Krankenwagen in Beirut transportiert nach der Explosion von Pagern die Verletzten. Foto: Marwan Naamani/dpa

Beirut. Nach den Explosionen von Sprechfunkgeräten steigt die Zahl der Opfer im Libanon. Das Gesundheitsministerium des Landes teilte mit, dass 14 Menschen gestorben und weitere 450 verletzt worden seien. Von der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz benutzte mobile Funkgeräte im Süden des Libanon und in den südlichen Vororten Beiruts waren zuvor explodiert.

Mindestens eine der Explosionen wurde in der Nähe eines von der radikal-islamischen Hisbollah organisierten Begräbnisses registriert. Dort sollte um Menschen getrauert werden, die am Dienstag durch die Anschlage mit Pagern ums Leben gekommen waren.

In Sicherheitskreisen hieß es, viele der Verletzten hätten Wunden an den Händen oder im Bauchbereich erlitten. Die Handfunkgeräte wurden von der Hisbollah vor fünf Monaten gekauft, etwa zur gleichen Zeit wie die Pager, sagte ein Mitarbeiter von Sicherkräften. Mit den jetzt betroffenen Geräten kann man ähnlich wie mit Handys drahtlos miteinander sprechen. Pager, die vor Jahrzehnten verbreitet waren, dienen vor allem dem Empfang von Textbotschaften.

Furcht vor Ausweitung des Krieges

Mit den erneuten Anschlägen wächst international die Furcht vor einer Ausweitung der Kämpfe über den Gazastreifen hinaus. Die Hisbollah-Miliz drohte Israel erneut mit Vergeltung. Bereits vor den Explosionen vom Mittwoch hatten die pro-iranischen Islamisten Israel als „kriminellen Feind“ bezeichnet, der sich „als Reaktion auf das Massaker vom Dienstag auf eine harte Bestrafung“ gefasst machen solle. Für Donnerstag wurde eine Rede von Hisbollah-Chef Sajjed Hassan Nasrallah angekündigt.

Der israelische Verteidigungsminister Joaw Galant kündigte einen neuen Schwerpunkt in den Kriegszielen seines Landes an. „Wir treten in eine neue Phase des Krieges ein, die uns Mut, Entschlossenheit und Ausdauer abverlangt“, sagte er am Mittwoch in einer Rede auf einem Luftwaffenstützpunkt. Der Schwerpunkt verlagere sich in das Grenzgebiet im Norden. Dorthin würden Truppen und Ressourcen verlegt.

Joaw Galant: Der israelische Verteidigungsminister kündigt eine neue Phase im Krieg an. Foto: dpa

Im Norden grenzt Israel an den Libanon. Seit Ausbruch des Krieges im Gazastreifen mit der palästinensischen Hamas liefern sich israelische Grenztruppen mit der Hisbollah-Miliz im Libanon fast täglich kurze Gefechte. Wegen des Beschusses mit Granaten und Raketen sowie der Drohnenangriffe haben Tausende Israelis die Grenzregion verlassen und leben in provisorischen Unterkünften. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat erst vor einigen Tagen versprochen, die Voraussetzungen für die Rückkehr der Vertriebenen zu schaffen.

Nach den Vereinten Nationen warnte auch Jordanien, der bislang im Wesentlichen auf den Gazastreifen begrenzte Krieg könne sich zu einem Flächenbrand in der ganzen Region entwickeln. Auch Russland beschwor die Gefahr einer Eskalation. „Die Ursachen und Umstände des Vorfalls müssen ermittelt und die Verantwortlichen identifiziert werden“, forderte Regierungssprecher Dmitri Peskow ebenso wie die UN.

US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich frustriert über „überraschende Eskalationen“ im Nahen Osten. Immer, wenn die USA und andere Vermittler Fortschritte in den Verhandlungen über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg ausmachten, drohe ein Ereignis, die Gespräche zu stoppen, sagte Blinken auf eine Frage zu den Explosionen im Libanon am Vortag. Die USA bewerteten den Pager-Angriff noch.

Blinken sprach mit Reportern in Kairo, wo er über die Verhandlungen über eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die Freilassung der Geiseln aus der Gewalt der militant-islamistischen Hamas sowie die amerikanisch-ägyptischen Beziehungen sprechen wollte. Die israelische Regierung hat sich zwar nicht öffentlich zu dem Pager-Angriff bekannt, aber ein US-Vertreter sagte, Israel habe die Vereinigten Staaten nach den Explosionen informiert.

Weder Israels Regierung noch das Militär nahmen bislang offiziell Stellung zu der Manipulation Tausender sogenannter Pager und zu den im Libanon erhobenen Vorwürfen. Auch zu den Explosionen der Handfunkgeräte gab es zunächst keine Stellungnahme.

In libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, der israelische Geheimdienst Mossad habe die Sprengsätze in den Pagern bereits vor Monaten in insgesamt 5000 Geräten platziert. Bei den Explosionen der Pager wurden zwölf Menschen getötet und fast 3000 teils schwer verletzt, darunter mehrere Hisbollah-Kämpfer und der Gesandte des Iran in Beirut.

Nach dem Ausbruch des Kriegs im Gazastreifen zwischen Israel und der palästinensischen Hamas vor knapp einem Jahr hatten auch die Feindseligkeiten zwischen der Hisbollah und Israel an der nördlichen Grenze Israels zugenommen.

Mittlerweile kommt es dort nahezu täglich zu gegenseitigem Beschuss. Die vom Iran unterstützte Hisbollah will mit ihrem Vorgehen die ebenfalls vom Iran geförderte Hamas unterstützen, indem sie israelische Soldaten auch an der Grenze bindet.

Insidern zufolge war die Explosion der Pager offenbar schon vor Monaten vorbereitet worden. Ein ranghoher Vertreter des libanesischen Sicherheitsapparats sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Mossad habe die Geräte bereits in der Produktionsphase modifiziert.

Er habe eine Platine mit Sprengstoff eingebaut, die auf einen Code reagiere und sehr schwer zu entdecken sei. Durch das Verschicken dieses Codes sei dann der Sprengstoff zeitgleich in 3000 Pagern zur Explosion gebracht worden. „Wir wurden wirklich hart getroffen“, sagte der Insider.

Pager-Spur führt nach Ungarn

Die Pager wurden Insidern zufolge von Hisbollah-Kämpfern genutzt, um einer Lokalisierung durch Israel zu entgehen, was bei Handys möglich wäre. Die Miliz habe 5000 solcher Geräte bei der taiwanischen Firma Gold Apollo bestellt, hieß es in libanesischen Sicherheitskreisen.

Die Pager seien vor einigen Monaten geliefert worden. Gold Apollo erklärte jedoch, dass es die bei den Explosionen verwendeten Pager nicht hergestellt habe. Sie seien von einer Firma mit dem Namen BAC und Sitz in Budapest produziert worden. Diese habe eine Lizenz zum Verwenden des Gold-Apollo-Markennamens.

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Die angegebene Adresse von BAC Consulting führte zu einem Gebäude in einer Wohnstraße in einem Außenbezirk von Budapest. Der Firmenname stand auf einem an einer Glastür angebrachten A4-Blatt. Eine Person im Gebäude, die nicht genannt werden wollte, sagte, BAC Consulting sei unter der Adresse registriert, habe dort jedoch keinen physischen Sitz. Mehrere andere Unternehmen waren ebenfalls unter der Adresse verzeichnet, doch keines reagierte auf Anrufe und Nachfragen von Reuters.

Die Chefin von BAC Consulting, Cristiana Barsony-Arcidiacono, gibt auf ihrem LinkedIn-Profil an, sie habe als Beraterin für verschiedene Organisationen gearbeitet, darunter auch die Unesco. Sie antwortete nicht auf E-Mails von Reuters. Die Unternehmenswebseite enthält keine Hinweise auf Herstellungstätigkeiten.

rtr, dpa
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