Bundestagswahl: SPD sucht neuen Sekretär für Kanzlerkandidat Scholz
Berlin. Noch ist Olaf Scholz nicht Kanzlerkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2025. Die Sozialdemokraten schaffen in ihrer Parteizentrale aber schon mal Fakten. Der Parteivorstand hat nach Informationen des Handelsblatts eine Stelle für einen „Sekretär*in (w/m/d) im Büro von Olaf Scholz“ ausgeschrieben.
Die Stelle soll „zum nächstmöglichen Zeitpunkt und im Rahmen des Bundestagswahlkampfes befristet bis zum 31.10.2025“ besetzt werden, also bis kurz nach der Bundestagswahl Ende September 2025.
Das Anforderungsprofil, das der Parteivorstand von dem Kandidaten oder der Kandidatin erwartet, ist durchaus zum Schmunzeln. Die neue Bürokraft des Bundeskanzlers im Willy-Brandt-Haus sollte „Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsstärke“ mitbringen – just die beiden Eigenschaften, die Scholz laut Kritikern aus der Wirtschaft und der Politik, auch aus der eigenen Partei abgehen.
Auch sollte der Kandidat oder die Kandidatin „Hands-on, lösungsorientiert und aktivierend in der Umsetzung“ sein. Bringt der Bewerber diese Eigenschaften mit, erwartet ihn laut Stellenausschreibung „ein freundliches, angenehmes Arbeitsumfeld und aufgeschlossene Kolleg*innen“, ein „gutes Betriebsklima in einer familienfreundlichen Organisation sowie zahlreiche und überdurchschnittliche Sozialleistungen“, eine „attraktive Vergütung“ und „ein spannendes und anspruchsvolles Arbeitsthema mit großer Wirksamkeit“.
Erledigen soll die neue Bürokraft „allgemeine Sekretariatsaufgaben“. Bei der Zuarbeit für einen Kanzler fallen diese Aufgaben aber doch etwas komplexer aus als bei einer gewöhnlichen Bürotätigkeit. Zu den Aufgaben zählen etwa die Terminkoordination des Kanzlers, dessen Reisemanagement, die Vor- und Nachbereitung von Terminen, die Begleitung digitaler Formate sowie das „Erstellen von Dokumenten, Schriftstücken und Präsentationen“.
Scholz wird wohl Kanzlerkandidat der SPD – doch eine Debatte wird im Hintergrund geführt
Auf einem SPD-Sonderparteitag im Juni 2025 soll Scholz offiziell zum Kandidaten gekürt werden. Derzeit kommt die SPD im Bund nur auf 14 bis 15 Prozent und liegt damit abgeschlagen hinter der Union, die zuletzt knapp über 30 Prozent erreichte.
Auch die persönlichen Umfragewerte von Scholz liegen gemessen an früheren Bundeskanzlern auf einem historischen Tiefststand. Laut einer Umfrage von Insa für Bild am Sonntag schreiben die Wähler dem frisch gekürten Kanzlerkandidaten der Union, Friedrich Merz, in acht von zehn Politikfeldern eine größere Kompetenz zu als Scholz. Solch ein Verhältnis zwischen Kanzler und Oppositionsführer ist ungewöhnlich, zumeist genießt der Kanzler einen Amtsbonus.
Unter der Oberfläche gärt deshalb in der SPD eine Debatte, ob Scholz nicht durch den bei den Wählern populären Verteidigungsminister Pistorius ausgetauscht werden sollte. So forderte der Münchener Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Dienstag im Tagesspiegel: „Die SPD muss über Pistorius als Kanzlerkandidaten nachdenken.“
Zeitgleich meldete sich via Süddeutscher Zeitung der frühere SPD-Parteichef Franz Müntefering und erklärte, eine erneute Kanzlerkandidatur von Scholz für offen zu halten. Es wäre gut für die SPD, „wenn die gesamte Partei hinter einem Kandidaten stehen kann“ und diese Entscheidung deshalb auch die Partei treffe, sagte Müntefering. Das sei besser, als „wenn sich da einer selbst erklärt“.
Brandenburg-Wahl könnte eine Abstimmung über die Ampel werden
Sollte die SPD bei den Landtagswahlen in Brandenburg an diesem Sonntag hinter der AfD landen, könnte die Debatte lauter geführt werden. Das ist die Sorge in der SPD. Brandenburg ist für die SPD Stammland, seit der Wende stellt sie in Potsdam ohne Unterbrechung den Ministerpräsidenten.
Doch auch in Brandenburg liegt derzeit laut Umfragen die AfD vorn. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat angekündigt zurückzutreten, sollte er hinter der AfD landen. Und zwar auch für den Fall, dass er als zweitstärkste Kraft eine Koalition bilden könnte. Damit ist Woidke aus Sicht von SPD-Strategen ein unnötiges Risiko eingegangen.
Zwar könnte er mit dieser Ankündigung Wähler mobilisieren, die Woidke als Ministerpräsidenten behalten wollen. Gleichzeitig habe Woidke damit die Wahl in Brandenburg aber zu einer Abstimmung über die Ampelkoalition gemacht. „Wer die Ampel abstrafen will, wählt trotz Woidke nicht SPD“, sagt ein Stratege. Verliert Woidke, wäre das also vor allem eine Niederlage für Scholz.
Am Dienstagabend betonte SPD-Chef Lars Klingbeil in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ erneut, dass Scholz Kanzlerkandidat der SPD werde. Auch fast alle anderen führenden Köpfe der Partei haben sich für Scholz ausgesprochen. Daher gilt es weiter als äußerst unwahrscheinlich, Scholz auszutauschen.
Wer für den wahrscheinlichen SPD-Kanzlerkandidaten arbeiten will: Die Bewerbungsfrist für den Job als Scholz' Sekretär im Willy-Brandt-Haus läuft noch bis zum 29. September.