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Krieg im Nahen Osten„Die Tötung von Nasrallah ist ein Schlag gegen den Iran“

Der Experte Makram Rabah erklärt, ob es nach der Tötung von Hisbollah-Chef Nasrallah zum Regionalkrieg kommen könnte und wie es im Libanon weitergeht.Inga Rogg 29.09.2024 - 07:06 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Hassan Nasrallah stachelt in einer Rede im Jahr 2006 in Beirut seine Anhänger auf. In den letzten Jahren zeigte sich der Hisbollah-Chef nicht mehr in der Öffentlichkeit. Foto: REUTERS

München. Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu: Die israelische Luftwaffe hat Freitagnacht mehrere Gebäude in Beirut im Libanon bombardiert, darunter das unterirdische Hauptquartier der Hisbollah, wo zu diesem Zeitpunkt ein Treffen der Hisbollah-Führung stattfand. Dabei wurde der langjährige Anführer der Miliz, Hassan Nasrallah, getötet. Zudem starb ein hochrangiger iranischer Kommandant, wie Teheran am Sonntag bestätigte.

Der iranische Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei hat mit Vergeltung gedroht. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock nannte die Lage im Nahen Osten in einem Interview mit der ARD „brandgefährlich“.

Im Gespräch mit Handelsblatt erklärt der libanesische Historiker und Kommentator Makram Rabah, was Nasrallahs Tod für die Hisbollah bedeutet, wie es im Krieg zwischen Israel und der Miliz weitergeht und wie der Iran auf den Tod ihres wichtigsten Verbündeten in der „Achse des Widerstands“ reagieren könnte.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Wie haben Sie die Luftangriffe auf das Hisbollah-Hauptquartier erlebt, in dem sich Hassan Nasralllah aufhielt?
Die letzte Nacht war eine der schrecklichsten, die Libanesen je erlebt haben. Die systematische Bombardierung von Hisbollah-Lagern, die sich mitten unter der Zivilbevölkerung befanden, ist angsteinflößend. Ganz zu schweigen davon, dass sich die meisten Vertriebenen auf öffentlichen Plätzen aufhalten mussten, weil sie keine Unterkünfte finden konnten.

Welche Folgen hat der Tod von Hassan Nasrallah für die Hisbollah?
Die Tötung von Nasrallah ist ein Schlag gegen den Iran. Was auch immer am Ende geschieht – der Iran und nicht die Hisbollah ist der Störenfried. Die Hisbollah ist eine Manifestation dieses Problems.

Nasrallah hat die Hisbollah 32 Jahre lang geführt. Kann ihn die Hisbollah so einfach ersetzen?
Nein. Er war nicht einfach ein Anführer. Er war ein Sektenführer, Anführer eines Kults.

Vita Makram Rabah
Makram Rabah ist Historiker und lehrt an der Amerikanischen Universität in Beirut. Rabah forscht über die moderne libanesische Geschichte, den libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990) und das Erinnern im Versöhnungsprozess. Er verfasste mehrere Bücher.

Sein jüngstes Buch veröffentlichte er 2020. In „Conflict on Mount Lebanon: The Druze, the Maronites and the Lebanese War” befasst er sich mit kollektiven Identitäten und dem Bürgerkrieg. Darüber hinaus tritt Rabah als Kommentator über die Konflikte im Libanon und im Nahen Osten auf.

Die Hisbollah greift Israel weiterhin an. Bedeutet das, dass ihre Kommandostruktur noch immer intakt ist?
Nein. Diese Angriffe gehen auf individuelle Initiativen zurück. Im Moment hat die Hisbollah das Kommando über ihre Operationen eindeutig nicht wieder hergestellt. Und ich denke, das wird sie auch nicht, weil Israel weiterhin gegen einen Kommandanten nach dem anderen vorgeht.

Israel muss gar nicht einmarschieren

Hat sich die Hisbollah verkalkuliert?
Die Hisbollah hat nicht bedacht, dass sie nur gegen Israel kämpfen kann, wenn es eine solide innere libanesische Front gibt. Für eine innere Front braucht es eine gute Wirtschaft, ein gutes Bildungssystem und vor allem sozialen und konfessionellen Zusammenhalt. Die Hisbollah hat dazu beigetragen, dies im Laufe der Zeit im Libanon zu untergraben.

Rechnen Sie mit einer israelischen Bodenoffensive?
Ich glaube nicht, dass Israel einmarschieren wird. Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens ist ein Einmarsch gar nicht nötig. Zweitens, und das ist noch wichtiger, eine Invasion würde für Israel eine Reihe von Problemen verursachen: Die Truppen würden im Libanon sprichwörtlich im Morast versinken, und sie könnten die Unterstützung der israelischen Öffentlichkeit verlieren.

Die Amerikaner haben eine Art rote Linie gezogen, die der Iran nicht überschreiten wird

Nasrallahs Tod ist ein schwerer Schlag für die von Iran angeführte „Achse des Widerstands“. Wie wird der Iran auf den Verlust seines Verbündeten reagieren?
Der Iran wird aus einer Reihe von Gründen nichts tun. Einer der wichtigsten Gründe ist, dass das Land unter dem wachsamen Auge der internationalen Gemeinschaft und der amerikanischen Regierung steht. Und es ist offensichtlich, dass die Amerikaner eine Art rote Linie gezogen haben, die der Iran nicht überschreiten wird.

Wenn der Iran nichts unternimmt, rechnen Sie damit, dass andere Mitglieder der „Achse des Widerstands“, wie die Huthi, ihre Angriffe auf Israel intensiveren?
Die Huthis können nichts tun. Sie haben sich als kompletter Fehlschlag erwiesen. Allen in der sogenannten iranischen Achse fehlt es an der erforderlichen Technologie, um Israel Angst einzuflößen.

Sie rechnen also nicht mit einem Regionalkrieg?
Nicht in naher Zukunft.

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Was bedeuten der Tod und die Schwächung der Hisbollah für den Libanon?
Im Libanon stehen wir vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen, insbesondere der Tatsache, dass es faktisch keine Regierung gibt und die Souveränität des Landes immer wieder verletzt wird. Selbst wenn Israel die Hisbollah vernichtet, gibt es kein wirklich gutes Szenario für den Wiederaufbau des Landes.

Wird es nun leichter sein, eine Regierung zu bilden?
Es braucht einen Plan. Militärisch sollte die Hisbollah zerschlagen werden. Politisch ist es aber wichtig, dass die Menschen, die sich unter ihrer Kontrolle befanden, nicht vor den Kopf gestoßen werden.

Wird sich der Iran wieder in die libanesische Innenpolitik einmischen?
Politische Probleme lassen sich nicht mit dem Schwert lösen. Die Zeit wird zeigen, ob die Iraner im Libanon gewinnen oder verlieren.

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