Enthüllungsbuch: Trump soll zuletzt mehrfach mit Putin gesprochen haben
Washington. Bob Woodward ist einer der erfahrensten politischen US-Journalisten und hat die Präsidentschaft von Donald Trump so eng begleitet wie kein anderer. Seit dem Beginn von Trumps Amtszeit 2017 veröffentlichte Woodward vier Enthüllungsbücher, die allesamt zu Bestsellern wurden. Auch sein neuestes Buch mit dem Titel „War“ („Krieg“), das in der kommenden Woche erscheint, dürfte sich millionenfach verkaufen.
Die „Washington Post“, bei der Woodward Autor ist, veröffentlichte am Dienstag erste Auszüge. Das Buch beschreibt detailreich den Einfluss, den Trump auch nach seiner Abwahl 2020 auf die amerikanische Außenpolitik ausübte. Außerdem beleuchtet es Hintergründe zu den vielen geopolitischen Krisen, die während der Präsidentschaft von Joe Biden ausbrachen, vom Ukrainekrieg bis zum Nahostkonflikt.
Die fünf wichtigsten Enthüllungen im Überblick:
1. Trumps Beziehungen zu Putin: Der ehemalige US-Präsident soll laut Woodward in den vergangenen Jahren bis zu sieben Mal mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin gesprochen haben. Unter anderem habe Trump Anfang 2024 von seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida aus mit Putin telefoniert.
Trump schickte Putin laut Woodward zu Beginn der Coronapandemie im Jahr 2020 außerdem in den USA produzierte Coronatests für dessen persönlichen Gebrauch. Damals herrschte eine Knappheit an Schnelltests, und Putin hatte große Angst vor einer Ansteckung.
Der Kremlchef habe Trump gebeten, die brisante Sendung geheim zu halten. Woodward zufolge, der sich in seinen Recherchen auf Vertraute Trumps als Quelle stützt, sagte Putin zu Trump: „Ich möchte nicht, dass du es jemandem erzählst, weil die Leute dann sauer auf dich werden, nicht auf mich.“
Trumps Kommunikationsdirektor Steven Cheung sagte mit Blick auf Woodwards Buch, es sei pure Fiktion und könne auch als Toilettenpapier verwendet werden. Die Geschichten über Trump seien allesamt erfunden. „Woodward ist ein totaler Widerling, der den Verstand verloren hat, langsam ist, lethargisch, inkompetent und insgesamt ein langweiliger Mensch ohne Persönlichkeit.“
Trump kämpft als republikanischer Präsidentschaftskandidat um seine Rückkehr ins Weiße Haus, währenddessen ist kein Ende des Ukrainekriegs in Sicht. Die Interaktionen zwischen Trump und Putin, dem autoritären Staatschef eines Landes, das sich im Krieg mit einem amerikanischen Verbündeten befindet, bilden die Grundlage für Woodwards Schlussfolgerung, dass Trump schlimmer sei als Richard M. Nixon.
„Trump war der rücksichtsloseste und impulsivste Präsident in der amerikanischen Geschichte und zeigt als Präsidentschaftskandidat im Jahr 2024 genau denselben Charakter“, schreibt Woodward in seinem Buch. Der Journalist wurde als einer der Aufdecker der sogenannten Watergate-Affäre bekannt, die Nixon zum Rücktritt brachte.
In einer Talkshow reagierte die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris am Dienstag auf die Enthüllungen. „Die Menschen in Amerika hatten Mühe, an Tests zu kommen, und dieser Typ schickt sie nach Russland, an einen mörderischen Diktator für seinen persönlichen Gebrauch?“, sagte Harris über Trump. „Er ist gefährlich und ungeeignet, Präsident der Vereinigten Staaten zu sein.“
2. Bidens Krisenmanagement, um einen Atomkrieg abzuwehren: Woodward schreibt, dass Bidens heikelste diplomatische Aufgabe darin bestand, einen Angriff Russlands auszuschließen. Im Herbst 2022 berichteten US-Geheimdienste, dass Putin ernsthaft den Einsatz einer taktischen Atomwaffe in Betracht zog – zu diesem Zeitpunkt schätzte der US-Präsident die Wahrscheinlichkeit auf 50 Prozent.
Es folgten „besonders verzweifelte Anstrengungen“, Moskau davon abzuhalten. Damals hatte Russland der Ukraine vorgeworfen, „schmutzige Bomben“ vorzubereiten, und offenbar Gründe gesucht, zur ultimativen Kriegswaffe zu greifen.
3. Bidens Rückzugsgedanken: Woodward beschreibt weiterhin, wie Biden über seine politische Zukunft grübelte, bevor er im Juli aus dem Rennen um die Präsidentschaft ausschied. Das Thema sei unter anderem bei einem Mittagessen mit Antony Blinken, seinem Außenminister, zur Sprache gekommen. Blinken, so Woodward, warnte Biden im privaten Speisesaal neben dem Oval Office, dass das Vermächtnis eines jeden Präsidenten auf einen einzigen Satz reduziert werde. Und dass, wenn er weiter Wahlkampf mache und gegen Trump verliere, dies sein Vermächtnis sein würde.
4. Harris’ mangelndes außenpolitisches Profil: Harris kommt im Buch mehrmals zur Sprache. Woodward beschreibt sie als kluge und loyale Nummer zwei Bidens, die jedoch in der Außenpolitik seiner Regierung bisher keine einflussreiche Stimme war. In mehreren Momentaufnahmen zeichnet Woodward von Harris ein Bild, das zeigt, dass sie Biden stets unterstützte, aber selbst kaum aktiv die Außenpolitik bestimmte.
Sie soll jedoch eng involviert gewesen sein, als es darum ging, europäische Verbündete von der Gefahr einer anstehenden russischen Invasion in die Ukraine zu überzeugen. Auch habe sie beim israelischen Premier Benjamin Netanjahu für Unmut gesorgt, als sie erklärte, sie werde zum Schicksal der Palästinenser im Gazakrieg „nicht schweigen“. Netanjahu habe das als Affront empfunden.
5. Der Krieg im Nahen Osten: „Krieg“ beleuchtet die verzweifelten und oft gescheiterten Bemühungen von Bidens Team, eine Eskalation der Kämpfe im Nahen Osten zu verhindern. Immer wieder habe Bidens Team mit den Israelis, die die Forderungen der USA nach einem Waffenstillstand ablehnten, „haarsträubende Momente“ erlebt.
Woodward zitiert hochrangige US-Regierungsmitarbeiter, die Israel beschuldigen, „Phantom“-Warnungen vor einer Mobilisierung iranischer Milizen in die Welt zu setzen, um neue militärische Angriffe zu rechtfertigen.
Kurz nach dem Massaker an 1200 Israelis durch die Hamas habe Netanjahu zu Biden gesagt, dass die Rafah-Offensive nur drei Wochen dauern würde. Ein Versprechen, das der amerikanische Präsident nie ernst nahm. „Es wird Monate dauern“, antwortete Biden laut Woodward. Der US-Präsident habe sich im Gespräch mit Mitarbeitern beschwert, dass Netanjahu ein „Lügner“ sei.
Im Frühjahr sei seine Wut übergekocht, berichtet Woodward. Damals sei Biden zu dem Schluss gekommen, dass das Interesse des israelischen Premierministers nicht wirklich darin bestand, die Hamas zu besiegen, sondern sich selbst zu schützen. „Dieser Hurensohn Bibi Netanjahu, er ist ein Bösewicht. Er ist ein verdammt böser Kerl!“, soll Biden zu seinen Beratern gesagt haben.
In dem Buch finden sich noch viele andere interessante Details. Woodward beschreibt etwa, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, bekannt unter seinen Initialen MBS, einer der engsten Verbündeten der US-Republikaner sei und hinter den Kulissen häufig die Strippen ziehe.
Auch für die aktuelle US-Regierung ist er von entscheidender Bedeutung, insbesondere in Bezug auf die Ölversorgung und die Aussichten auf eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel.