Dax: Aktien-Rally sorgt für ungewöhnliche Anlegerstimmung
Düsseldorf. Am deutschen Aktienmarkt notiert der deutsche Leitindex Dax knapp unter seinem Höchststand. Doch das bedeutet nicht, dass sich die Rally ihrem Ende nähert, vielmehr könnten die Kurse nun bis ins nächste Jahr hinein steigen. Das ist das Ergebnis der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment.
Dafür befragt das Handelsblatt jeden Freitagmorgen fast 9000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus, und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
Aus dem aktuellen Umfrageergebnis geht hervor, dass sich die Stimmung parallel zu den steigenden Kursen verbessert hat. Der Dax legte in der vergangenen Woche um 1,3 Prozent zu und rückte bis auf weniger als ein Prozent an seinen Rekord von 19.492 Zähler heran. Die Anlegerstimmung (Sentiment) stieg von 0,4 auf 2,7 Zähler.
Die Stimmung ist damit vom neutralen Niveau zurück ins deutlich positive Terrain gestiegen. Dieser Optimismus ist konstruktiv: Gefährlich wird es laut Sentiment-Stimmung erst, wenn die Stimmung euphorisch wird – dann könnten bereits so viele Anleger investiert sein, dass zu wenig Käufer übrig sind, um die Kurse noch weiter nach oben zu treiben. Von Euphorie sprechen wir beim Dax-Sentiment aber erst ab plus vier Punkten.
Die steigenden Kurse im Dax waren in der vergangenen Woche vor allem auf zwei Branchen zurückzuführen, berichtet Heibel. Zum einen die Autobranche: „Hier scheint das Schlimmste inzwischen eingepreist zu sein“, sagt der Sentiment-Experte. Die Aktie von Mercedes-Benz stieg um knapp ein Prozent, Daimler Truck um drei Prozent und Continental um knapp sieben Prozent.
Erwartung an die Zukunft steigt mit den Kursen
Zweiter Kurstreiber waren Versicherungsaktien: Die Papiere von Hannover Rück und Munich Re stiegen jeweils um gut vier Prozent, Titel der Allianz um knapp zwei Prozent. „Versicherungen profitieren von hohen Versicherungsprämien, die nach der Inflation nun zu nachhaltig höheren Einnahmen führen. Außerdem bleibt der Schaden durch die Hurrikan-Saison in den USA überschaubar“, erklärt Heibel.
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Diese Entwicklung hatten drei Viertel der Befragten vollständig oder zum größten Teil antizipiert. Das zeigt sich in der Handelsblatt-Umfrage im Wert Selbstgefälligkeit, der von null auf 1,2 Punkte gestiegen ist. Hier wird abgefragt, ob sich die Erwartungen der Anleger erfüllt haben und ob sie dementsprechend richtig positioniert waren.
Die Befragten rechnen außerdem damit, dass sich der Aufwärtstrend in den kommenden Monat fortsetzt. Die Zukunftserwartung steigt weiter auf 3,3 Punkte.
Das sei „überraschend“, findet Heibel. Denn: „Häufig geht der Optimismus mit steigenden Kursen zurück.“ Denn ein Teil der erwarteten Kursgewinne ist dann schon aufgezehrt – doch nicht in dieser Woche. „Es hat den Anschein, dass die gute Entwicklung an den Aktienmärkten die Zuversicht der Anleger schürt.“
Mit dem stärkeren Zukunftsoptimismus einher geht auch eine höhere Kaufbereitschaft. Sie steigt von 0,7 auf 2,1 Punkte – das ist der höchste Stand seit Juni dieses Jahres.
Gleichzeitig sinkt das Bedürfnis der Anleger, sich am Terminmarkt gegen fallende Kure abzusichern. Das zeigt sich am Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln. „Nachdem in den Vorwochen starke Absicherungen gegen fallende Kurse eingegangen wurden, scheint dieses Bedürfnis inzwischen befriedigt“, sagt Heibel.
Ähnliche Stimmungslage gab es erst viermal
Diese Kombination aus steigenden Kursen, steigendem Zukunftsoptimismus und steigender Kaufabsicht ist ungewöhnlich, sagt Heibel: „Nur viermal gab es in der Vergangenheit eine vergleichbare Stimmungslage. In den folgenden sechs Monaten stieg der Dax um durchschnittlich 8,4 Prozent. Das ist immerhin doppelt so gut wie in durchschnittlichen Sechs-Monats-Zeiträumen.“ Übertragen auf das laufende Jahr würde das einen Dax-Stand von über 21.000 Punkten bedeuten.
„Wir können daraus ableiten, dass eine Rally bis in den März hinein durchaus möglich ist. Ich würde mich entsprechend positionieren“, sagt Heibel, der auch einen Börsenbrief mit dem Namen Heibel-Ticker herausgibt.
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Denn nicht nur die Statistik spreche für steigende Kurse, sondern auch die fundamentale Entwicklung. „Nicht zuletzt der Zinssenkungszyklus, aber auch die großen globalen Verwerfungen“, sagt Heibel. Häufig reiche es in solchen Situationen schon aus, dass es nicht schlimmer wird, um an den Aktienmärkten für Zuversicht und steigende Kurse zu sorgen.
Allerdings rät Heibel Anlegern zu „einem Quäntchen Vorsicht. Haus und Hof würde ich nicht darauf wetten.“ Denn die Streuung der historischen Ergebnisse ist breit: Zweimal gab es deutliche Kurssteigerungen im Dax, zweimal jedoch auch Verluste.
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