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Google WorkspaceSchwarz-Gruppe setzt künftig auf Alternative zu Microsoft

Die Daten der Kunden sollen in Deutschland bleiben – die Schwarz-Gruppe vermarktet künftig die Bürosoftware von Google. Teil des Deals ist ein lukrativer Vertrag.Christof Kerkmann 18.11.2024 - 09:05 Uhr Artikel anhören
Im Zuge der Zusammenarbeit führt der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland die Google-Software bei einer sechsstelligen Zahl von Arbeitsplätzen selbst ein. Foto: Reuters

Düsseldorf. Die Schwarz-Gruppe will ihr Digitalgeschäft über eine Partnerschaft mit Google ausbauen: Die Tochterfirma Schwarz Digits vermarktet das Programmpaket Workspace für den digitalen Arbeitsplatz künftig aus der eigenen Cloud-Infrastruktur. Dabei seien zusätzliche Schutzmaßnahmen wie eine eigene Verschlüsselung geplant, erklärte der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland am Donnerstag.

Das Management von Schwarz Digits sieht eine Marktlücke. Co-Chef Christian Müller sagte dem Handelsblatt in Anspielung auf Microsoft: „Bei Arbeitsplatzanwendungen gibt es bislang wenig Auswahlmöglichkeiten, es gibt ein Quasi-Monopol.“

Das neue Angebot ermögliche es Kunden – etwa im öffentlichen Sektor und stark regulierten Branchen –, die digitale Souveränität zu stärken.

Teil des Deals ist ein Großauftrag: Im Zuge der Zusammenarbeit führt der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland die Google-Software bei einer sechsstelligen Zahl von Arbeitsplätzen selbst ein.

Ersetzt wird damit das Programmpaket Office von Microsoft. Die jährlichen Gebühren dürften sich nach Einschätzung in Branchenkreisen mindestens auf einen höheren zweistelligen Millionenbetrag summieren.

Partnerschaften zentral, um das Geschäft auszubauen

Die Schwarz-Gruppe hat ihre Cloud-Plattform für interne Zwecke aufgebaut, vermarktet diese aber seit 2022 auch an externe Kunden. Im Wettbewerb mit Marktführern wie Amazon Web Services (AWS) und Microsoft verfolgt der Konzern eine Nischenstrategie.

Mit dem Versprechen von Datenschutz und digitaler Souveränität zielt er auf den öffentlichen Dienst, stark regulierte Branchen wie das Bankwesen sowie den Mittelstand, wo es Vorbehalte gegenüber den amerikanischen Technologiekonzernen gibt. Ähnlich positioniert ist Ionos aus der United-Internet-Gruppe.

Schwarz Digits schrieb im vergangenen Jahr 1,9 Milliarden Euro Umsatz. Ein Großteil davon dürfte aus internen Aufträgen resultieren. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine dreistellige Zahl externer Kunden, darunter Siemens, Zeiss, der FC Bayern München und die staatliche L-Bank.

Google erschließt neue Kundengruppe

Partnerschaften sind für die Schwarz-Gruppe zentral, um das Geschäft auszubauen. So bietet der Konzern seit einigen Wochen ein umfangreiches Programmpaket von SAP über die eigene Infrastruktur an. Auch Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz vom Start-up Aleph Alpha und die Behördensoftware Opendesk gibt es aus der Cloud-Umgebung Stackit.

Die Kooperation mit Google ist für den Neuling im Cloud-Markt ein Prestigeerfolg. Der amerikanische Internetkonzern sei ein Partner, der „gemeinsame Lösungen auf Augenhöhe entwickelt, transparente Einblicke gewährt und klare Zusagen macht“, lobte Schwarz-Chef Gerd Chrzanowski.

Software

Konkurrenz für Microsoft-Office aus Europa – Vier Deutsche Firmen beteiligt

Für Google und den Mutterkonzern Alphabet wiederum bietet sich die Gelegenheit, die Produktivitätssoftware in einem größeren Kundenkreis zu verkaufen – in einem Markt, den traditionell Microsoft dominiert. Gemeinsam eröffne man europäischen Organisationen „eine Welt neuer, souveräner Möglichkeiten für Innovationen“, ließ Topmanager Sundar Pichai verlauten, der sowohl Google als auch Alphabet leitet.

Programmpaket auf eigener Infrastruktur in Deutschland

Workspace enthält Lösungen für E-Mail und Kalender, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation, Chat und Videokonferenzen, zudem einen Onlinespeicher. Damit ähnelt das Programmpaket dem Microsoft-Angebot Office 365.

Im Zuge der Partnerschaft betreibt Schwarz Digits das Programmpaket auf der eigenen Infrastruktur in Deutschland. Co-Chef Rolf Schumann erläutert: „Wir speichern alle Daten in unserer Cloud und wir haben die Schlüsselverwaltung bei uns – selbst Google kann diese Daten nicht entschlüsseln.“ Gemeinsam mit Christian Müller leitet er Schwarz Digits.

Schwarz-Gruppe-Chef Gerd Chrzanowski (r.) neben Google-CEO Sundar Pichai: Die Kooperation mit Google ist für den Neuling im Cloud-Markt ein Prestigeerfolg. Foto: Google

Damit tritt Schwarz Digits in Konkurrenz zu Delos Cloud: Die SAP-Tochter will Microsoft-Dienste wie Office an Behörden vermarkten, auf einer eigenen Infrastruktur und ohne das Risiko, dass Daten in die USA abfließen. Eine weitere Alternative gibt es im eigenen Haus: Das Programmpaket Opendesk können Kunden über die Cloud des Heilbronner Anbieters nutzen.

Die Zusammenarbeit erstreckt sich auch auf Lösungen für die IT-Sicherheit. So bietet Schwarz Digits die Google-Produkte aus der eigenen Cloud an. Man arbeite zudem an gemeinsamen neuen Lösungen, sagt Schumann: Die Partnerschaft sei „langfristig angelegt“.

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Souveränität im Sinne einer vollständigen Kontrolle der Technologie bieten Workspace und andere Lösungen aus der Partnerschaft allerdings nicht. Trotzdem sei das Schutzniveau höher als bei anderen Lösungen, betont Schumann: „Die Software kommt aus Amerika, aber wir bieten Kontrolle auf Datenebene.“

Erstpublikation: 14.11.2024, 16:03 Uhr.

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